Erstes Bienenvolk anschaffen – wichtige Grundlagen, Begriffe und Wege zur Beschaffung die du kennen solltest

Ein erstes Bienenvolk anzuschaffen bedeutet mehr, als einfach Bienen zu kaufen. Die wichtigste Frage lautet zunächst: Passt die Imkerei überhaupt zu meinem Alltag und meinen Möglichkeiten? Wer sich vorab mit den Grundlagen beschäftigt, typische Fehler vermeidet und die verschiedenen Wege zur Beschaffung kennt, schafft die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einstieg.

Bevor du dich für ein Bienenvolk entscheidest, lohnt sich deshalb ein ehrlicher Blick auf Zeitaufwand, Standort und die Verantwortung, die mit der Bienenhaltung verbunden ist. Also frag dich: Passt das Hobby Imkerei in meinen Alltag

Wer diese Fragen vorab klärt, vermeidet typische Fehlstarts. Ein nicht passendes Volk, unklare Herkunft oder falsche Erwartungen führen oft zu unnötigen Schwierigkeiten. Ein ruhiger Einstieg entsteht dort, wo Auswahl, Zustand des Volkes und die eigenen Möglichkeiten zusammenpassen.

In diesem Beitrag geht es um die wichtigsten Punkte, die du bei der Anschaffung deines ersten Bienenvolkes beachten solltest, also von den Vorbereitungen über die Beschaffung der Bienen bis hin zur Auswahl der passenden Bienenrasse.

Der Gedanke an Bienen beginnt oft ganz leise im Hinterkopf zu reifen

Vielleicht mit einem Summen im Garten, einem Glas Honig auf dem Frühstückstisch oder der Frage, wie dieses kleine Insektenvolk eigentlich funktioniert. Bis du dein erstes Bienenvolk anschaffst, gehören jedoch noch einige Überlegungen und Entscheidungen dazu. Schließlich geht es nicht nur darum, Bienen zu kaufen, sondern auch darum, Verantwortung für ein lebendes Volk zu übernehmen.

Je länger man sich mit Bienen beschäftigt, desto erstaunlicher wird ihre Welt. Tausende Tiere leben in einem perfekt organisierten Gefüge zusammen, in dem jede Biene ihre Aufgabe kennt. Die Königin sorgt für den Fortbestand des Volkes, Arbeiterinnen sammeln Nektar und pflegen die Brut, während Wächterinnen den Stock schützen. Gemeinsam legen sie Vorräte an, die das Überleben über den Winter sichern.

Wer genauer hinsieht, merkt schnell, dass es dabei um weit mehr geht als um Honig. Es geht um Kreisläufe der Natur, um Beobachtung und um ein feines Gleichgewicht, das oft erst auf den zweiten Blick sichtbar wird.

Das Bienenvolk, in der Imkerei liebevoll als „Bien“ bezeichnet, ist ein faszinierender Organismus. Im Inneren des Brutnests halten die Bienen eine Temperatur von etwa 35 °C aufrecht und regulieren gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit. Jeder Handgriff im Volk dient dem gemeinsamen Ziel, das Überleben des gesamten Bienenstaates zu sichern.

Die Beschaffung von Bienen: Tipps und Möglichkeiten

Die Beschaffung von Bienen ist ein entscheidender Schritt für angehende Imker. Dabei lohnt es sich, auf seriöse Quellen und gesunde Bienenvölker zu achten. Bevor du vorschnell einen Schwarm oder Ableger kaufst, solltest du den passenden Standort gefunden und dir über deine Ziele im Klaren geworden sein.

In den meisten Regionen gibt es verschiedene Möglichkeiten, an ein erstes Bienenvolk zu gelangen. Welche davon die richtige ist, hängt von deinen Vorkenntnissen, deinem Standort und nicht zuletzt von der Unterstützung durch erfahrene Imker vor Ort ab.

Lokale Imkerorganisationen

Der einfachste Weg führt häufig über örtliche Imkervereine, Kreisverbände oder Lehrbienenstände. Dort lernst du nicht nur andere Imker kennen, sondern erhältst oft auch Zugang zu Ablegern, Wirtschaftsvölkern oder Königinnen aus der Region.

Manche Vereine unterstützen Einsteiger sogar mit einem Willkommensvolk oder begleiten die ersten Schritte mit einem erfahrenen Paten. Nachfragen lohnt sich deshalb fast immer.

Fachzeitschriften und Onlineportale

Auch Fachzeitschriften und Onlineportale bieten regelmäßig Bienenvölker zum Verkauf an. Achte dabei möglichst auf regionale Herkunft. Bienen, die an die örtlichen Bedingungen angepasst sind, kommen mit Klima und Trachtangebot oft besser zurecht.

Importierte Bienen können dagegen zusätzliche Risiken mit sich bringen und sind für Einsteiger meist nicht die beste Wahl.

Die Schwarmbörse des Mellifera-Netzwerks vermittelt beispielsweise Bienenschwärme von Imkern aus der Umgebung und kann eine interessante Anlaufstelle sein.

Selbstfang von Bienenschwärmen

Manche Imker starten mit einem eingefangenen Naturschwarm. Herrenlose Bienenschwärme dürfen eingefangen werden, auch wenn hierfür fremde Grundstücke betreten werden müssen. Entstehende Schäden müssen allerdings ersetzt werden.

Wie das in der Praxis funktioniert, erklären wir hier ausführlich: Bienenschwarm einfangen – Ruhe bewahren und Schritt für Schritt vorgehen

Bei Naturschwärmen sollte immer auf die Gesundheit der Bienen geachtet werden. Häufig lohnt es sich, erfahrene Imker um Unterstützung zu bitten.

Vorsicht bei Paketbienen

Gewerbliche Kunstschwärme, oft auch Paketbienen genannt, werden teilweise aus Übersee importiert. Für Einsteiger sind sie meist keine ideale Wahl, da sie häufig schlechter an die regionalen Bedingungen angepasst sind und teilweise ein höheres Krankheitsrisiko mitbringen.

Die passende Anzahl an Bienenvölkern

Wer sein erstes Bienenvolk anschaffen möchte, fragt sich oft auch, mit wie vielen Völkern er beginnen sollte.

Viele erfahrene Imker empfehlen zwei bis drei Völker für den Einstieg. So lassen sich Entwicklungen besser vergleichen und Auffälligkeiten leichter erkennen. Gleichzeitig bleibt der Arbeitsaufwand überschaubar.

Für die weitere Entwicklung gelten häufig folgende Größenordnungen:

  • Hobbyimkerei: bis etwa 30 Völker
  • Nebenerwerb: bis etwa 150 Völker
  • Haupterwerb: ab etwa 150 Völkern

Gut gepflegte Bienenvölker produzieren nicht nur Honig, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung und Artenvielfalt.

Worauf beim Kauf von Bienen achten?

Beim Kauf eines Bienenvolkes sollte immer ein aktuelles Gesundheitszeugnis vorliegen. Es bestätigt, dass das Volk frei von meldepflichtigen Krankheiten wie der Amerikanischen Faulbrut ist.

Neben dem Gesundheitszustand lohnt sich auch ein Blick auf die Königin. Sie gilt als Herz des Bienenvolkes und sollte möglichst aus dem aktuellen oder vergangenen Jahr stammen. Eine junge und gesunde Königin sorgt in der Regel für eine stabile Entwicklung des Volkes.

Ebenso wichtig ist die Wahl der Bienenrasse. In Deutschland sind vor allem Carnica, Buckfast und die Dunkle Biene verbreitet. Eigenschaften wie Sanftmut, ruhiger Wabensitz und geringe Schwarmneigung erleichtern gerade Anfängern den Einstieg erheblich.

Hast du dich für einen Anbieter und eine Bienenrasse entschieden, folgt die nächste Frage: Ableger, Wirtschaftsvolk oder Kunstschwarm?

Ableger: Der klassische Einstieg

Viele Einsteiger entscheiden sich für einen Ableger. Dabei handelt es sich um ein junges Bienenvolk, das aus einem bestehenden Volk gebildet wurde und bereits über Brut, Futter und mehrere Waben verfügt.

Ein Ableger entwickelt sich langsam, ist meist günstiger als ein Wirtschaftsvolk und besitzt häufig eine geringere Schwarmneigung. Dadurch bleibt mehr Zeit, die Abläufe im Bienenvolk kennenzulernen und erste Erfahrungen zu sammeln. Zur Schwarmneigung mehr im Beitrag 🐝 Schwarmkontrolle im Mai

Wichtig ist lediglich, darauf zu achten, dass die verwendeten Rähmchen zu deiner Beute passen.

Wirtschaftsvolk: Sofort durchstarten

Ein Wirtschaftsvolk hat bereits mindestens einen Winter überstanden und kann oft schon im ersten Jahr Honig liefern.

Gleichzeitig erfordert es deutlich mehr Erfahrung. Schwarmkontrollen, Honigernte und die laufende Betreuung beginnen praktisch sofort. Deshalb fühlen sich viele Einsteiger mit einem Ableger zunächst wohler.

Kunstschwarm: Flexibel, aber anspruchsvoller

Ein Kunstschwarm besteht aus Bienen und einer jungen Königin, sitzt jedoch nicht auf vorhandenen Waben.

Der Vorteil liegt in der freien Wahl des Beutensystems. Gleichzeitig benötigen Kunstschwärme direkt nach dem Einsetzen besondere Aufmerksamkeit und müssen sorgfältig gefüttert werden.

Standort und Distanz beachten

Ein Punkt, der häufig übersehen wird, ist der Standortwechsel.

Wird ein bestehendes Volk übernommen, sollte der neue Standort mindestens drei Kilometer vom bisherigen Standort entfernt liegen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass viele Flugbienen zum alten Platz zurückkehren.

Ein ruhiger Einstieg zahlt sich aus

Ein erstes Bienenvolk anzuschaffen ist weniger eine Kaufentscheidung als der Beginn eines neuen Hobbys. Wer sich Zeit für die Vorbereitung nimmt, Unterstützung durch erfahrene Imker sucht und mit realistischen Erwartungen startet, schafft die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einstieg.

Die Bienen danken es meist auf ihre eigene Weise: mit spannenden Beobachtungen, vielen neuen Erfahrungen und irgendwann vielleicht auch mit dem ersten eigenen Honig.

Für weitere Grundlagen und den Einstieg in die Imkerei: Hobbyimker werden – Der ultimative Guide für deinen Start

Von Toni

Ich bin Michael, angehender Hobbyimker, Naturfreund und Familienvater. Als selbstständiger Unternehmer mit unserer Agentur 4everGlen finde ich meinen Ausgleich in der Natur – am liebsten inmitten summender Bienen. Für mich sind sie weit mehr als Honiglieferanten: Sie sind essenzielle Helfer eines gesunden und nachhaltigen Ökosystems. Mit meiner Begeisterung und meinem wachsenden Wissen möchte ich angehenden Hobbyimkern den Einstieg in die Imkerei erleichtern und das Bewusstsein für die Bedeutung der Bienen stärken. Mein Ziel ist eine Welt, in der Mensch und Natur im Einklang leben – für unsere Kinder und die Zukunft der Bienen.

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