Bienen im Oktober: Was jetzt im Bienenvolk passiert

Im Oktober verändert sich das Leben der Honigbienen zusehends Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken und die Zahl der blühenden Pflanzen nimmt auch ab. An warmen Tagen sind die Bienen im Oktober aber trotzdem noch fleißig unterwegs. Sie sammeln immer noch Nektar und Pollen, solange die Natur etwas hergibt.

Gleichzeitig richtet sich das Bienenvolk immer mehr nach dem kommenden Winter aus. Die Aufzucht von Brut geht zurück, die Winterbienen werden gebildet und die Bienen rücken langsam aber sicher immer enger zusammen.

Vieles, was für den Winter wichtig ist, sollte zu diesem Zeitpunkt bereits vom Imker vorbereitet sein. Im Oktober geht es deshalb vor allem darum, zu beobachten und sicherzustellen, dass die Völker gut versorgt in die kalte Jahreszeit gehen.

Die letzten Blüten des Jahres

Auch im Oktober finden Bienen noch Nahrung. Besonders im Fokus sind nun spät blühende Pflanzen wie Efeu, Herbstastern, Fetthenne oder verschiedene spät blühende Stauden.

Wie wertvoll eine Pflanze für Bienen tatsächlich ist, hängt allerdings nicht allein davon ab, dass sie von Bienen besucht wird. Entscheidend sind unter anderem Blütezeit, Nektarangebot und Pollenangebot.

Welche Pflanzen zu welcher Jahreszeit Nahrung liefern, lässt sich im Beitrag Bienentracht: Welche Pflanzen Bienen Nahrung bieten genauer nachlesen.

Der Efeu ist im Herbst eine besonders auffällige Trachtpflanze. Seine Blüte beginnt vergleichsweise spät, wenn viele andere Pflanzen bereits verblüht sind. Für Honigbienen kann er deshalb zu dieser Jahreszeit noch einmal eine interessante Nahrungsquelle darstellen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Bienenvolk im Oktober ausschließlich auf Efeu angewiesen ist. Wie viel Nahrung tatsächlich zur Verfügung steht, hängt vom Standort und vom Wetter ab.

Die Winterbienen entstehen

Eine der wichtigsten Veränderungen im Oktober betrifft jetzt die Zusammensetzung des Bienenvolkes.

Während des Sommers besteht ein Volk überwiegend aus kurzlebigen Sommerbienen. Sie übernehmen zahlreiche Aufgaben im Stock und außerhalb des Bienenstocks. Die später geborenen Winterbienen sind dagegen darauf ausgelegt, mehrere Monate zu leben.

Sie unterscheiden sich unter anderem durch ihre körperlichen Reserven. Besonders wichtig sind die Fettkörper, die als Speicher für Nährstoffe dienen. Dadurch können Winterbienen das Volk während der kalten Jahreszeit lange erhalten.

Die Bildung gesunder Winterbienen beginnt nicht erst an einem bestimmten Oktobertag. Sie ist ein Prozess, der bereits im Spätsommer und Herbst stattfindet und von verschiedenen Faktoren abhängt.

Dazu gehören vor allem eine gesunde Königin, ausreichend Nahrung, genügend Eiweiß aus Pollen und ein möglichst gesundes Bienenvolk.

Was jetzt im Oktober geschieht, hat seinen Ursprung schon in den Monaten davor. Wie gut ein Bienenvolk durch den Winter kommt, hängt nämlich auch davon ab, was im August und September passiert ist.

Warum Pollen im Herbst wichtig bleibt

Bei der Vorbereitung auf den Winter denkt man schnell nur an Honig beziehungsweise Futter. Für die Entwicklung der Winterbienen spielt aber auch Pollen eine wichtige Rolle.

Pollen liefert Eiweiß und weitere Nährstoffe, die für die Aufzucht der Brut benötigt werden. Ein abwechslungsreiches Angebot an blühenden Pflanzen kann deshalb auch im Spätsommer und Herbst wertvoll sein.

Für den eigenen Garten bedeutet das: Nicht alles was so aussieht nun auch im Herbst zurückschneiden!

Die spät blühenden Pflanzen können den Bienen nämlich noch Nahrung bieten. Gleichzeitig können verblühte Stängel und Pflanzenreste auch für andere Tiere interessant sein.

Mehr darüber, wie ein Garten auch nach dem Sommer Lebensraum bieten kann, steht im Beitrag Insektenfreundliche Gartenarbeit: Weniger Ordnung für mehr Leben.

Nicht jede Biene verschwindet im Oktober

Wenn die ersten kühlen Tage kommen, scheint es manchmal, als seien die Bienen plötzlich verschwunden. Ganz weg sind sie aber nicht. Tatsächlich richtet sich ihre Aktivität aber sehr stark nach dem Wetter.

An warmen, sonnigen Tagen können die Honigbienen weiterhin lustig ausfliegen. Bei niedrigen Temperaturen bleiben sie dagegen lieber im Stock.

Mit zunehmender Kälte verändert sich dann auch das Verhalten des gesamten Volkes. Die Bienen bilden die Wintertraube und sie halten sich so gegenseitig warm.

Das ist keine starre Reaktion auf einen bestimmten Kalendertag. Temperatur, Wetterlage und Zustand des Volkes bestimmen, wann sich das Volk stärker zurückzieht.

Was im Oktober noch kontrolliert wird

Die wichtigsten Vorbereitungen für die Überwinterung sollten bereits erledigt sein. Dazu gehören insbesondere eine ausreichende Futterversorgung und die Kontrolle des Gesundheitszustands des Volks.

Im Oktober kann dann noch einmal geprüft werden, ob das Volk wirklich ausreichend Futtervorräte hat und ob die Beute gut auf die bevorstehende kalte Jahreszeit vorbereitet ist.

Auch ein Schutz vor Mäusen kann jetzt wichtig werden. Kleine Tiere könnten nämlich versuchen, im Herbst oder Winter in die Beute zu gelangen. Eine passende Fluglochöffnung kann hier abhelfen.

Große Eingriffe in das Bienenvolk sind bei kühler werdendem Wetter zunehmend ungünstig. Jede unnötige Störung des Wintersitzes sollte unbedingt vermieden werden.

Wer wissen möchte, welche Grundlagen für die Bienenhaltung wichtig sind, findet im Beitrag Hobby-Imker werden: Gut vorbereitet in die Welt der Bienen einen Einstieg in das Thema.

Füttern im Oktober?

Die Frage nach der Fütterung lässt sich nicht pauschal mit einem Ja oder Nein beantworten.

Grundsätzlich sollte ein Bienenvolk mit ausreichenden Vorräten in den Winter gehen. Wenn im Herbst tatsächlich Futtermangel besteht, kann eine Fütterung notwendig sein. Ob und wie sie erfolgt, hängt unter anderem vom Zustand des Volkes, der vorhandenen Futtermenge und den örtlichen Bedingungen ab.

Eine vorsorgliche Fütterung nach dem Motto „sicher ist sicher“ ist dagegen nicht automatisch sinnvoll.

Auch deshalb sollte der Futtervorrat möglichst schon vorher richtig eingeschätzt worden sein.

Was Gartenbesitzer im Oktober für Bienen tun können

Wer selbst keine Bienen hält, kann natürlich trotzdem etwas für die Insektenwelt tun.

Statt im Herbst sämtliche Stauden auf wenige Zentimeter zurückzuschneiden, kann ein Teil der Pflanzen bis zum Frühjahr stehen bleiben. So bleiben Samenstände und Pflanzenstrukturen erhalten und manche spät blühende Pflanze kann auch noch Nahrung bieten.

Auch Efeu sollte nicht ausgerechnet dann entfernt oder stark zurückgeschnitten werden, wenn er blüht.

Eine Wasserstelle ist ebenfalls eine sinnvolle Ergänzung im Garten. Gerade während warmer Herbsttage können Bienen und andere Insekten davon profitieren. Wie eine solche Stelle sicher gestaltet wird, erklären wir im Beitrag Wasserstellen für Bienen: So wird die kleine Tränke im Garten sicher.

Wer noch mehr Lebensraum schaffen möchte, kann unterschiedliche Strukturen miteinander verbinden. Eine Nisthilfe für Wildbienen im Garten oder ein Sandarium für Wildbienen richtet sich allerdings an Wildbienen und erfüllt eine andere Funktion als die Unterstützung eines Honigbienenvolkes.

Der Oktober ist ein Übergang

Im Oktober wird deutlich, wie eng die einzelnen Monate des Bienenjahres miteinander verbunden sind. Die Entwicklung der Winterbienen und die Versorgung des Volkes hängen auch davon ab, was in den Monaten zuvor passiert ist.

Draußen werden die Blüten weniger, während sich im Bienenstock langsam die Winterruhe vorbereitet. An warmen Tagen herrscht noch Betrieb, an kalten Tagen bleibt das Volk zunehmend im Stock.

Für den Garten bedeutet das: Du solltest noch nicht alles wegräumen.

Für das Bienenvolk bedeutet es: Die Zeit der großen Aktivität geht zu Ende.

Das Summen wird leiser, aber das Bienenjahr ist noch nicht vorbei.

Was im September wichtig war: Das Bienenjahr im September

Von Toni

Ich bin Michael, angehender Hobbyimker, Naturfreund und Familienvater. Als selbstständiger Unternehmer mit unserer Agentur 4everGlen finde ich meinen Ausgleich in der Natur – am liebsten inmitten summender Bienen. Für mich sind sie weit mehr als Honiglieferanten: Sie sind essenzielle Helfer eines gesunden und nachhaltigen Ökosystems. Mit meiner Begeisterung und meinem wachsenden Wissen möchte ich angehenden Hobbyimkern den Einstieg in die Imkerei erleichtern und das Bewusstsein für die Bedeutung der Bienen stärken. Mein Ziel ist eine Welt, in der Mensch und Natur im Einklang leben – für unsere Kinder und die Zukunft der Bienen.

Schreibe einen Kommentar