Hitzestress bei Insekten ist mehr als ein heißer Sommertag. Ein Zeitungsartikel über eine aktuelle Untersuchung der Universität Regensburg hat mich auf ein Thema gebracht, das bei heißen Sommern leicht untergeht: Was passiert eigentlich mit Insekten, wenn die Temperaturen über längere Zeit sehr hoch sind?

In der Studie ging es um die Dunkle Erdhummel. Die Forschenden untersuchten, wie sich extreme Temperaturen während der Puppenentwicklung auswirken. Bei besonders hohen Temperaturen erreichten deutlich weniger Tiere das Erwachsenenstadium. Bei einigen der überlebenden Hummeln wurden außerdem deformierte Flügel und Veränderungen an den Antennen festgestellt. Auch ihre spätere Lebensdauer war verkürzt.

Die Hummel ist dabei ein konkretes Beispiel für ein größeres Thema. Hitzestress bei Insekten kann verschiedene Lebensphasen betreffen. Nicht nur erwachsene Tiere müssen mit hohen Temperaturen zurechtkommen. Auch Eier, Larven und Puppen können empfindlich reagieren.

Und gerade diese Entwicklungsstadien bekommen wir draußen kaum zu sehen.

Was macht extreme Hitze mit Insekten?

Insekten können ihre Körpertemperatur nicht so regulieren wie wir Menschen. Die Umgebungstemperatur beeinflusst deshalb ihre Aktivität und ihren Stoffwechsel.

Bei großer Hitze ziehen sich viele Tiere in geschützte Bereiche zurück. Manche sind während der heißesten Stunden weniger aktiv und werden erst wieder am frühen Morgen oder am Abend sichtbar.

Das funktioniert allerdings nicht für jedes Insekt und nicht in jeder Lebensphase.

Eine ausgewachsene Hummel kann einen schattigen Platz aufsuchen. Eine Larve oder Puppe kann ihren Entwicklungsort dagegen nicht einfach verlassen. Sie ist auf die Bedingungen angewiesen, die dort herrschen.

Genau hier liegt ein wichtiger Punkt beim Hitzestress: Extreme Temperaturen können die nächste Generation treffen, bevor wir überhaupt ein erwachsenes Tier zu Gesicht bekommen.

Die Hummel als Beispiel

Die Untersuchung der Universität Regensburg zeigt das besonders deutlich. Bei der Dunklen Erdhummel wurde die Puppenentwicklung unter unterschiedlichen Temperaturbedingungen untersucht.

Bei der stärksten Belastung stieg die Temperatur tagsüber auf bis zu 38 Grad Celsius. Auch nachts blieb es mit bis zu 34 Grad ungewöhnlich warm.

Unter diesen Bedingungen starben deutlich mehr Puppen beziehungsweise erreichten nicht das Erwachsenenstadium. Bei den Tieren, die sich trotz der Hitze weiterentwickelten, wurden teilweise körperliche Schäden beobachtet.

Das ist zunächst eine Untersuchung an einer bestimmten Hummelart unter kontrollierten Bedingungen. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass alle Insekten bei 38 Grad dieselben Folgen zeigen.

Die Studie macht aber etwas sichtbar, das für die gesamte Insektenwelt interessant ist: Hitze kann während der Entwicklung eines Tieres Schäden hinterlassen.

Nicht jeder Lebensraum wird gleich heiß

Ob ein Insekt unter hohen Temperaturen leidet, hängt auch von seinem Lebensraum ab.

Ein Nest im Boden erwärmt sich anders als ein Nest in einem trockenen Pflanzenstängel. Eine schattige Wiese bietet andere Bedingungen als eine Fläche aus Stein oder Beton. Unter einem Baum ist es an einem heißen Sommertag ebenfalls anders als auf einer völlig offenen Fläche.

Die Dunkle Erdhummel aus der Studie legt ihre Nester normalerweise unterirdisch an. Das kann einen gewissen Schutz vor der größten Hitze bieten. Andere Hummelarten nutzen dagegen oberirdische Nistplätze.

Auch bei anderen Insekten unterscheiden sich die Ansprüche erheblich. Manche Arten leben im Boden, andere in Totholz, Pflanzenstängeln oder unter Rinde. Wieder andere halten sich überwiegend auf Pflanzen auf.

Ein vielfältiger Lebensraum kann deshalb verschiedene Bedingungen anbieten, an denen sich Tiere zurückziehen können.

Hitze und Trockenheit kommen häufig zusammen

Hohe Temperaturen sind außerdem selten das einzige Problem.

Heiße Wetterperioden gehen häufig mit Trockenheit einher. Pflanzen können dann früher verblühen oder weniger Nektar und Pollen anbieten. Böden trocknen aus und manche kleinen Wasserstellen verschwinden.

Für Insekten können dadurch mehrere Belastungen gleichzeitig entstehen.

Ein Bestäuber braucht nicht nur eine einzelne Blüte. Er braucht über einen längeren Zeitraum Nahrung. Je nach Art kommen Nistplätze und geeignete Rückzugsorte hinzu.

Deshalb ist ein vielfältiger Garten mehr als eine Ansammlung schöner Blumen.

Wasser kann an heißen Tagen helfen

Bei großer Hitze wird Wasser auch für Insekten interessant. Eine flache Wasserstelle kann deshalb eine sinnvolle Ergänzung im Garten sein.

Dabei kommt es auf die Gestaltung an. Kleine Tiere können in tiefen Gefäßen leicht ertrinken. Steine, Äste oder andere Strukturen im Wasser bieten ihnen sichere Möglichkeiten, wieder herauszukommen.

Eine Wasserstelle für Insekten muss dabei weder groß noch aufwendig sein. Wichtig ist vor allem, dass sie regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf mit frischem Wasser versorgt wird.

Damit wird aus einem einfachen Gartenelement ein weiterer Bestandteil eines vielfältigen Lebensraums.

Schatten und Pflanzen schaffen unterschiedliche Bedingungen

Auch Pflanzen selbst können dazu beitragen, dass ein Garten unterschiedliche Temperaturbereiche bietet.

Bäume und Sträucher spenden Schatten. Dichter bewachsene Beete schützen den Boden vor direkter Sonne. Eine nicht ständig kurz gemähte Wiese kann ebenfalls andere Bedingungen schaffen als eine vollständig offene Rasenfläche.

Es geht dabei nicht darum, den gesamten Garten möglichst dicht zu bepflanzen. Unterschiedliche Bereiche sind interessanter als eine überall gleiche Gestaltung.

Bienenfreundliche Bäume und Sträucher

Sonne gehört genauso dazu wie Schatten.

Gerade bei zunehmender Hitze kann diese Mischung aus verschiedenen Lebensräumen wichtig werden.

Ein Insektenhotel allein reicht nicht

Auch bei Nisthilfen lohnt sich der Blick auf das gesamte Umfeld.

Ein Insektenhotel kann bestimmten Wildbienen und anderen Tieren geeignete Nistmöglichkeiten bieten. Viele Insekten nutzen solche Nisthilfen allerdings überhaupt nicht. Einige Wildbienen nisten beispielsweise im Boden, andere brauchen Pflanzenstängel oder Totholz.

Noch vielfältiger lässt sich ein Lebensraum mit einem Lebensturm gestalten, in dem unterschiedliche Materialien und Strukturen zusammenkommen.

Trotzdem sollte man solche Einrichtungen nicht als Einzelmaßnahme betrachten. Entscheidend ist das Umfeld. Nahrung, Wasser, Nistmöglichkeiten, Schatten und unterschiedliche Pflanzen gehören zusammen.

Was Insekten bei Hitze brauchen

Welche Bedingungen ein Insekt benötigt, hängt von seiner Art und seiner Lebensweise ab. Deshalb gibt es auch keine einzelne Maßnahme, die allen Arten hilft.

Ein Garten kann aber verschiedene Möglichkeiten bieten: blühende Pflanzen, schattige Bereiche, offene Bodenstellen, Totholz, Wasser und Rückzugsmöglichkeiten.

Auch bei den Pflanzen lohnt sich Vielfalt. Wenn unterschiedliche Arten zu verschiedenen Zeiten blühen, bleibt das Nahrungsangebot länger erhalten. Das kann gerade während trockener Sommer wichtig sein.

Wie groß die Gruppe überhaupt ist, wird schnell deutlich, wenn man sich einmal genauer mit Insekten beschäftigt. Bienen, Käfer, Schmetterlinge, Fliegen, Libellen und viele andere Tiere haben ganz unterschiedliche Lebensweisen.

Entsprechend unterschiedlich sind auch ihre Ansprüche. Was sind Insekten überhaupt das ist ganz spannend an dieser Stelle.

Hitzestress betrifft die nächste Generation

Die Untersuchung an Hummeln zeigt vor allem, dass die Folgen extremer Hitze nicht erst bei erwachsenen Tieren beginnen müssen.

Wenn Eier, Larven oder Puppen unter ungünstigen Bedingungen nicht richtig entwickelt werden, fehlt später ein Teil der nächsten Generation. Bei einer einzelnen Art lässt sich daraus noch keine Aussage über die gesamte Insektenwelt ableiten.

Trotzdem passt die Beobachtung in ein größeres Bild. Lebensräume verändern sich, Sommer werden heißer und trockener und extreme Wetterlagen können häufiger auftreten.

Für die Artenvielfalt wird deshalb nicht nur die Frage wichtig, ob irgendwo genügend Nahrung vorhanden ist. Auch die Bedingungen für Entwicklung und Rückzug spielen eine Rolle.

Vielfalt macht Lebensräume widerstandsfähiger

Ein Garten kann das Wetter natürlich nicht verändern. Er kann auch keine Hitzewelle verhindern.

Er kann aber unterschiedliche Lebensbedingungen anbieten.

Eine Mischung aus Bäumen, Sträuchern, Stauden, Wiesenbereichen, offenen Bodenstellen und natürlichen Strukturen ist für viele Tiere interessanter als eine vollständig einheitliche Fläche. Wasserstellen und geeignete Nisthilfen können weitere Elemente sein.

Das hilft nicht automatisch jeder Art und löst auch das größere Problem des Klimawandels nicht. Aber es schafft mehr Möglichkeiten für Tiere, mit schwierigen Bedingungen zurechtzukommen.

Die Hummel aus der Studie ist dafür ein gutes Beispiel. Ihr Problem beginnt möglicherweise nicht erst bei der Nahrungssuche an einem heißen Tag, sondern schon während der Entwicklung im Nest.

Hitzestress bei Insekten betrifft damit nicht nur das, was wir draußen sehen. Er kann bereits dort beginnen, wo die nächste Generation entsteht.

Von Petra

Ich liebe die Natur, meinen Garten und Honig – und bin neugierig auf das faszinierende Leben der Bienen. Ich bin selbst keine Imkerin, sondern begleite die Welt der Imkerei mit offenen Augen und vielen Fragen. Gemeinsam mit meinem Imkerfreund Toni entdecke ich auf Hobbyimker-werden die Welt der Bienen und teile Wissen, Erfahrungen und Geschichten für alle, die Bienen und ihre Welt besser verstehen möchten.