Welche Bienenbeute für Anfänger? Die wichtigsten Systeme im Vergleich

Welche Bienenbeute für Anfänger geeignet ist, ist gar nicht so leicht zu beantworten. Als ich mich zum ersten Mal genauer mit diesem Thema beschäftigt habe, dachte ich zunächst: Eine Bienenbeute ist doch einfach eine Behausung für ein Bienenvolk. Dann bin ich auf Zander, Dadant, Langstroth, Einraumbeute, Golzbeute und Bienenkiste gestoßen – und plötzlich war die Sache längst nicht mehr so einfach.

Je mehr ich darüber gelesen habe, desto mehr beschäftigte mich die Frage: Warum gibt es eigentlich so viele verschiedene Beuten und worin unterscheiden sie sich? Und vor allem: Welche Bienenbeute wäre für jemanden sinnvoll, der gerade erst in die Imkerei einsteigen möchte?

Eine einzige richtige Antwort gibt es darauf nicht. Aber einige Systeme sind für Anfänger durchaus naheliegender als andere.

Was ist eine Bienenbeute eigentlich?

Eine Bienenbeute ist das Zuhause eines Bienenvolkes. Sie bietet den Bienen einen geschützten Raum für Brut, Futtervorräte und den Wabenbau. Gleichzeitig ermöglicht sie es dem Imker, das Volk zu betreuen, seinen Zustand zu kontrollieren und später auch Honig zu ernten.

Beim Blick auf eine moderne Beute wirkt das zunächst ziemlich übersichtlich: unten ein Boden mit Flugloch, darauf eine oder mehrere Zargen, innen Rähmchen und oben ein Deckel.

Das Entscheidende steckt allerdings im Detail.

Denn je nachdem, für welches System man sich entscheidet, unterscheiden sich Größe, Rähmchenmaß, Aufbau und Arbeitsweise deutlich.

Wer sich erst einmal grundsätzlich mit dem Einstieg in die Imkerei beschäftigen möchte, findet im Beitrag Hobbyimker werden: Gut vorbereitet in die Welt der Bienen einen guten Ausgangspunkt. Und wer wissen möchte, was im Laufe eines Bienenjahres überhaupt auf einen Imker zukommt, kann anschließend bei Mit Bienen durchs Jahr weiterlesen.

Die Magazinbeute: der Klassiker

Wenn man sich mit Bienenbeuten beschäftigt, begegnet einem die Magazinbeute vermutlich ziemlich schnell. Sie ist in Deutschland weit verbreitet und funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Die Zargen werden übereinandergestellt.

Wächst das Bienenvolk im Frühjahr und braucht mehr Platz, kann zusätzlicher Raum gegeben werden. Im Sommer kommen je nach Betriebsweise weitere Zargen dazu.

Das hat einen großen Vorteil: Das System lässt sich flexibel an das Bienenvolk und die jeweilige Betriebsweise anpassen.

Zu den bekannten Varianten gehören unter anderem Zander, Dadant und Langstroth. Auch die Hohenheimer Einfachbeute gehört zu den Magazinbeuten.

Für Anfänger kann die große Verbreitung ein echter Pluspunkt sein. Wenn in einem örtlichen Imkerverein viele Menschen mit demselben System arbeiten, ist es schließlich einfacher, Fragen zu stellen, Erfahrungen auszutauschen oder einmal eine Beute aus der Nähe anzusehen.

Einen Haken gibt es allerdings: Volle Honigzargen können richtig schwer werden. Wer nicht gerne schwere Lasten hebt oder körperlich auf eine möglichst rückenschonende Arbeitsweise achten möchte, sollte diesen Punkt bei der Auswahl nicht einfach beiseiteschieben.

Zander, Dadant oder Langstroth?

Damit war meine nächste Frage eigentlich schon vorprogrammiert: Wenn Magazinbeute so verbreitet ist, welches Maß nimmt man dann?

Zander, Dadant und Langstroth sind keineswegs einfach verschiedene Namen für dieselbe Sache. Die Rähmchen unterscheiden sich in Größe und Anordnung, und damit verändert sich auch die Arbeitsweise.

Bei Zander findet man häufig ein einheitliches Rähmchenmaß für Brut- und Honigraum. Dadant arbeitet dagegen typischerweise mit einem größeren Brutraum und kleineren Honigräumen. Langstroth ist international sehr verbreitet und kommt ebenfalls in verschiedenen Ausführungen vor.

Für jemanden, der gerade erst anfängt, klingt das schnell nach einer Wissenschaft für sich.

Ich finde deshalb einen anderen Gedankengang viel hilfreicher: Nicht zuerst fragen, welches System theoretisch das beste ist, sondern schauen, welches System in der eigenen Umgebung verbreitet ist.

Denn wenn der örtliche Imkerverein überwiegend mit Zander arbeitet, kann es für einen Anfänger ziemlich praktisch sein, sich daran zu orientieren. Bei Fragen gibt es Ansprechpartner, und auch beim Material wird vieles einfacher.

Das klingt vielleicht weniger spektakulär als die Suche nach der „perfekten“ Bienenbeute. Praktisch ist es aber allemal.

Lagerbeuten: Die Waben bleiben auf einer Ebene

Dann bin ich auf eine ganz andere Art von Beute gestoßen: die Lagerbeute.

Hier werden die Rähmchen nicht in mehreren Zargen übereinander gestapelt. Stattdessen liegen sie nebeneinander in einem länglichen Kasten.

Das verändert die Arbeit am Bienenvolk.

Statt eine komplette Zarge anzuheben, arbeitet der Imker überwiegend mit einzelnen Waben. Das kann besonders dann interessant sein, wenn man das Heben schwerer Zargen vermeiden will.

Zu den bekannten Lagerbeuten gehören beispielsweise die Golzbeute und die Einraumbeute.

Natürlich hat auch diese Bauweise ihre Besonderheiten. Eine Lagerbeute braucht mehr Platz und die Arbeitsweise unterscheidet sich von der klassischen Magazinimkerei.

Aber genau das fand ich bei meiner Beschäftigung mit dem Thema spannend: Es gibt offenbar nicht nur unterschiedliche Kästen, sondern ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, wie man mit einem Bienenvolk arbeiten möchte.

Was hat die Beute mit der eigenen Arbeitsweise zu tun?

Eine spannende Frage gerade für Anfänger.

Wer später möglichst flexibel arbeiten und vielleicht mehrere Völker betreuen möchte, kann mit einer verbreiteten Magazinbeute gut zurechtkommen.

Wer dagegen möglichst wenig schwere Zargen bewegen möchte, sollte sich Lagerbeuten genauer ansehen.

Und wer vor allem Freude daran hat, die Bienen möglichst naturnah zu beobachten, findet wiederum andere Systeme interessant.

Die Beute bestimmt also ein Stück weit den späteren Alltag.

Das war für mich tatsächlich die wichtigste Erkenntnis bei diesem Thema. Von außen sehen verschiedene Bienenbeuten vielleicht zunächst nur nach unterschiedlich großen Holzkästen aus. Dahinter stecken aber verschiedene Arbeitsweisen.

Bienenkiste und Top-Bar-Hive

Neben den klassischen Beuten gibt es Systeme, die noch einmal einen anderen Weg gehen.

Die Bienenkiste ist beispielsweise deutlich anders aufgebaut als eine klassische Magazinbeute. Sie arbeitet nicht mit dem üblichen System aus übereinanderstehenden Zargen und austauschbaren Rähmchen.

Interessant finde ich sie vor allem deshalb, weil sie Menschen anspricht, die einen eher einfachen und naturnahen Zugang zur Bienenhaltung suchen.

Ähnlich spannend ist der Top-Bar-Hive. Hier bauen die Bienen ihre Waben an sogenannten Oberträgern. Der natürliche Wabenbau spielt dabei eine größere Rolle als bei klassischen Rähmchenbeuten.

Für jemanden, der sich gerade erst für Bienen interessiert, sind solche Systeme durchaus faszinierend. Sie sind allerdings nicht einfach eine besonders einfache Variante der Magazinbeute. Die Betriebsweise unterscheidet sich wesentlich.

Wer sich mit dem Thema naturnahe Bienenhaltung beschäftigen möchte, findet dazu auch in meinem Beitrag Ethische Bienenhaltung weitere Gedanken.

Holz oder Styropor?

Wenn das Beutensystem mal gefunden ist, ist die Zeit der Entscheidungen noch nicht vorbei. Denn selbst wenn das Beutensystem feststeht, stellt sich noch die Frage nach dem Material.

Holz ist der Klassiker. Viele Menschen mögen die natürliche Optik und die Vorstellung, dass eine Bienenbeute aus einem natürlichen Werkstoff besteht. Holz ist robust, braucht aber Pflege und sollte vor Witterung geschützt werden.

Daneben gibt es Beuten aus Kunststoff beziehungsweise Hartschaum. Sie sind leichter und haben gute Dämmeigenschaften.

Gerade das Gewicht kann ein Argument sein, das man bei der Auswahl nicht unterschätzen sollte. Wenn eine volle Zarge ohnehin ordentlich Gewicht auf die Waage bringt, macht es einen Unterschied, ob die Beute selbst schon schwer ist oder eher leicht.

Auch hier würde ich deshalb nicht von „richtig“ oder „falsch“ sprechen. Es geht vielmehr darum, welche Eigenschaften im eigenen Fall wichtig sind.

Welche Bienenbeute passt zu welchem Anfänger?

Je länger ich mich mit den verschiedenen Systemen beschäftige, desto weniger überzeugt mich die Frage nach der besten Bienenbeute.

Die bessere Frage lautet:

Welche Bienenbeute passt zu meiner Art, später zu imkern?

Also sollte ich mich wirklich dafür entscheiden damit anzufangen. Ich tendiere zur Lösung Verein. Wer ein weit verbreitetes System sucht, Unterstützung in einem Imkerverein haben möchte und flexibel bleiben will, landet dann auch wahrscheinlich bei einer Magazinbeute.

Wer das Heben schwerer Zargen möglichst vermeiden möchte, sollte sich allerdings Lagerbeuten ansehen.

Wer sich besonders für natürlichen Wabenbau und eine andere Form der Bienenhaltung interessiert, kann Bienenkiste oder Top-Bar-Hive in die Überlegungen einbeziehen.

Und, wer noch völlig am Anfang steht, sollte sich nicht von den vielen Namen verrückt machen lassen. Es muss nicht sofort die endgültige Entscheidung fürs ganze Imkerleben fallen. Sinn macht es auf jeden Fall, verschiedene Systeme einmal in der Praxis anzuschauen.

Der Imkerverein ist bei der Entscheidung ein wichtiger Punkt

Auf Bildern im Internet sehen Beuten oft ziemlich ähnlich aus. Wenn man aber einmal davorsteht und sieht, wie die einzelnen Zargen bewegt werden, wie Rähmchen herausgenommen werden und wie unterschiedlich die Arbeitsabläufe sind, bekommt man einen ganz anderen Eindruck. Viele Vereine arbeiten zudem mit bestimmten Rähmchenmaßen. Ein Punkt den man beachten sollte. Wenn im eigenen Umfeld beispielsweise fast alle mit Zander arbeiten, ist es praktisch, dieses System nutzen. Man kann leichter Fragen stellen, Erfahrungen austauschen und im besten Fall auch einmal Material übernehmen oder ausleihen.

Die Beute sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden. Sie ist Teil einer ganzen Arbeitsweise, des Systems.

Die wichtigsten Bienenbeuten im Vergleich

BeutensystemVorteileMögliche NachteileInteressant für
Magazinbeuteflexibel, weit verbreitet, viele Möglichkeitenvolle Zargen können schwer seinviele Einsteiger und klassische Hobbyimkerei
Zanderweit verbreitet, überschaubares SystemArbeiten mit ZargenEinsteiger, die ein verbreitetes System suchen
Dadantgroßer Brutraum, eigene Betriebsweiseunterschiedliche RähmchengrößenImker mit passender Betriebsweise
Lagerbeute / GolzbeuteWaben liegen auf einer Ebene, weniger schweres Hebenbenötigt mehr PlatzMenschen mit Interesse an ergonomischer Arbeit
Einraumbeutewabenweise Arbeitsweise, übersichtlicher Aufbauandere Betriebsweise als MagazinbeutenMenschen mit Interesse an alternativen Systemen
Bienenkistebesonderer, naturnaher Ansatzweniger flexibel als klassische RähmchenbeutenNaturfreunde und Interessierte
Top-Bar-Hivenatürlicher Wabenbau möglichandere BetriebsweiseMenschen mit Interesse an alternativen Beutensystemen

Gibt es die perfekte Bienenbeute?

Je länger ich mich jetzt selbst mit diesem Thema beschäftigt habe, desto klarer ist mir: Die eine perfekte Bienenbeute gibt es nach all dem nicht.

Und eigentlich ist das auch ganz logisch.

Ein Mensch, der mehrere Bienenvölker betreuen und Honig ernten möchte, hat andere Anforderungen als jemand, der vor allem das Leben eines Bienenvolkes beobachten möchte.

Wer körperlich schwere Arbeiten vermeiden möchte, wird wiederum anders entscheiden als jemand dem das egal ist.

Und wer gerade erst anfängt, braucht vor allem ein System, das verständlich ist und bei dem er Unterstützung finden kann.

Deshalb würde ich die Entscheidung nicht davon abhängig machen, welche Beute im Internet besonders häufig empfohlen wird. Viel interessanter ist es, verschiedene Systeme kennenzulernen und sich zu überlegen, welche Arbeitsweise einem selbst am meisten liegt und wen man im Umfeld hat mit dem man sich austauschen oder zusammenarbeiten will.

Fazit: Welche Bienenbeute für Anfänger?

Für viele Einsteiger ist eine verbreitete Magazinbeute ein guter Ausgangspunkt. Sie bietet viele Möglichkeiten und macht es leichter, Erfahrungen und Unterstützung von anderen Imkern zu bekommen.

Aber auch Lagerbeuten können eine interessante Alternative sein – vor allem dann, wenn das Arbeiten mit schweren Zargen nicht infrage kommt. Bienenkiste und Top-Bar-Hive wiederum sprechen eher Menschen an, die sich für alternative und naturnahe Formen der Bienenhaltung interessieren.

Am Ende geht es also weniger um die Frage „Welche Bienenbeute ist die beste?“ als um die Frage:

„Welche Bienenbeute passt zu mir und zu der Art, wie ich später mit Bienen arbeiten möchte?“

Genau deshalb würde ich vor einer Anschaffung möglichst verschiedene Beuten in der Praxis anschauen. Denn zwischen einem Bild im Internet und einer echten Beute am Bienenstand liegt manchmal doch ein ziemlich großer Unterschied. 🐝

Von Petra

Ich liebe die Natur, meinen Garten und Honig – und bin neugierig auf das faszinierende Leben der Bienen. Ich bin selbst keine Imkerin, sondern begleite die Welt der Imkerei mit offenen Augen und vielen Fragen. Gemeinsam mit meinem Imkerfreund Toni entdecke ich auf Hobbyimker-werden die Welt der Bienen und teile Wissen, Erfahrungen und Geschichten für alle, die Bienen und ihre Welt besser verstehen möchten.

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