Erstes Bienenvolk anschaffen: So gelingt der Einstieg
Erstes Bienenvolk anschaffen: So gelingt der Einstieg
Je länger ich Toni durch die Welt der Bienen begleite, desto öfter frage ich mich, wie sich der Moment anfühlen muss, wenn plötzlich das erste eigene Bienenvolk im Garten steht. Anfangs dachte ich, man sucht sich einfach ein Volk aus und nimmt es mit nach Hause. Heute weiß ich, dass genau dieser Schritt einer der wichtigsten in der gesamten Imkerei ist.
Ein erstes Bienenvolk kauft man nicht spontan. Es geht nicht nur darum, Bienen zu erwerben, sondern Verantwortung für mehrere zehntausend Lebewesen zu übernehmen. Wer sich gut vorbereitet, erspart sich viele typische Anfängerfehler und schafft die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einstieg.
Passt die Imkerei überhaupt zu dir?
Noch bevor du dich auf die Suche nach einem Bienenvolk machst, solltest du dir eine ganz andere Frage stellen:
Passt die Imkerei überhaupt zu meinem Alltag?
Bienen benötigen regelmäßige Betreuung. Während der Saison lassen sich Kontrollen nicht einfach verschieben, weil gerade Urlaub geplant ist oder das Wetter besonders schön ist. Auch der finanzielle Aufwand, ein geeigneter Standort und die notwendige Ausrüstung gehören zu einer ehrlichen Planung dazu.
Wir selbst haben uns nach intensiver Vorbereitung zunächst gegen die aktive Imkerei entschieden. Nicht weil uns die Bienen nicht fasziniert hätten – ganz im Gegenteil. Sondern weil wir gemerkt haben, dass verantwortungsvolle Imkerei Zeit, Aufmerksamkeit und Verlässlichkeit braucht.
Genau deshalb entstand dieser Blog: aus der Begeisterung für die Welt der Bienen und dem Wunsch, sie besser zu verstehen.
Wenn du noch ganz am Anfang stehst, findest du im Beitrag Hobbyimker werden: Gut vorbereitet in die Welt der Bienen einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Voraussetzungen.
Wo bekommt man ein erstes Bienenvolk?
Wer sich für die Imkerei entscheidet, hat verschiedene Möglichkeiten, an sein erstes Bienenvolk zu gelangen.
Nicht jeder Weg eignet sich gleichermaßen für Anfänger.
Imkervereine und Lehrbienenstände
Der beste Einstieg führt häufig über einen örtlichen Imkerverein oder einen Lehrbienenstand.
Hier lernst du erfahrene Imker kennen, kannst verschiedene Beutensysteme vergleichen und erhältst oft die Möglichkeit, gesunde Ableger aus der Region zu übernehmen.
Viele Vereine bieten außerdem Anfängerkurse oder sogar eine Imkerpatenschaft an. Gerade in den ersten Monaten ist diese Unterstützung oft unbezahlbar.
Regionale Imker
Auch erfahrene Imker aus der eigenen Umgebung geben regelmäßig Ableger oder Wirtschaftsvölker ab.
Der große Vorteil liegt darin, dass diese Bienenvölker bereits an die regionalen Trachtverhältnisse und das Klima angepasst sind. Gleichzeitig hast du später einen Ansprechpartner in deiner Nähe, falls Fragen auftauchen.
Schwärme
Manche Einsteiger beginnen mit einem Naturschwarm.
Das klingt zunächst romantisch, erfordert jedoch einiges an Erfahrung. Außerdem sollte ein Schwarm immer sorgfältig auf seinen Gesundheitszustand überprüft werden.
Wie das Einfangen eines Schwarms abläuft, erfährst du im Beitrag Bienenschwarm einfangen – Ruhe bewahren und Schritt für Schritt vorgehen.
Vorsicht bei Paketbienen
Immer wieder werden sogenannte Paketbienen oder Kunstschwärme aus dem Ausland angeboten.
Für erfahrene Imker können sie durchaus interessant sein. Wer gerade erst beginnt, sollte jedoch möglichst auf regional angepasste Bienenvölker setzen. Sie kommen mit den klimatischen Bedingungen meist deutlich besser zurecht und erleichtern den Einstieg.
Welches Bienenvolk eignet sich für Anfänger?
Nicht jedes Bienenvolk stellt die gleichen Anforderungen.
Vor dem Kauf solltest du deshalb wissen, welche Unterschiede es gibt.
Der Ableger
Die meisten Einsteiger beginnen mit einem Ableger.
Dabei handelt es sich um ein junges Bienenvolk mit einer Königin, mehreren Brutwaben und ausreichend Futterreserven.
Ein Ableger entwickelt sich Schritt für Schritt. Dadurch bleibt genügend Zeit, die Abläufe im Bienenstock kennenzulernen und erste Erfahrungen zu sammeln.
Gerade deshalb empfehlen viele Imker diese Variante für den Einstieg.
Das Wirtschaftsvolk
Ein Wirtschaftsvolk hat bereits mindestens einen Winter überstanden und ist im Frühjahr sofort leistungsfähig. Es besitzt eine große Anzahl an Bienen und kann häufig schon im ersten Jahr Honig liefern.
Das klingt zunächst verlockend, bringt aber auch mehr Verantwortung mit sich.
Schwarmkontrollen, Honigernte und regelmäßige Durchsichten beginnen praktisch sofort. Wer noch keine Erfahrung hat, fühlt sich mit einem Ableger oft sicherer und kann die Entwicklung des Volkes von Anfang an miterleben.
Wie wichtig die Schwarmzeit für jedes Bienenvolk ist, erfährst du im Beitrag Schwarmkontrolle im Mai.
Der Kunstschwarm
Ein Kunstschwarm besteht aus einer größeren Anzahl von Bienen und einer jungen Königin, besitzt jedoch zunächst keine eigenen Waben.
Dadurch kann er unabhängig vom bisherigen Beutensystem in eine neue Beute eingeschlagen werden. Gleichzeitig benötigt ein Kunstschwarm in den ersten Wochen besondere Aufmerksamkeit. Er muss sorgfältig gefüttert werden und baut seine Waben vollständig neu auf.
Für Anfänger ist diese Form deshalb meist etwas anspruchsvoller als ein Ableger.
Gesundheitszeugnis und Herkunft
Ganz gleich, für welche Art von Bienenvolk du dich entscheidest – ein aktuelles Gesundheitszeugnis sollte selbstverständlich sein.
Es bestätigt, dass das Volk frei von meldepflichtigen Krankheiten wie der Amerikanischen Faulbrut ist und ohne Einschränkungen an einen neuen Standort gebracht werden darf.
Ebenso wichtig ist die Herkunft der Bienen. Regionale Bienenvölker sind an Klima, Trachtpflanzen und Jahresverlauf angepasst. Sie entwickeln sich häufig stabiler als importierte Bienen und erleichtern gerade Einsteigern den Start.
Welche Bienenrasse passt zu dir?
Früher dachte ich, eine Honigbiene sei einfach eine Honigbiene. Erst durch Toni habe ich gelernt, dass es unterschiedliche Zuchtlinien mit ganz eigenen Eigenschaften gibt.
In Deutschland begegnet man vor allem drei Gruppen:
Carnica gilt als sanftmütig, ruhig auf den Waben und besitzt eine vergleichsweise geringe Schwarmneigung. Sie ist deshalb besonders bei Hobbyimkern weit verbreitet.
Buckfast zeichnet sich durch ihre Leistungsfähigkeit, Vitalität und Anpassungsfähigkeit aus. Auch sie gilt als ausgesprochen friedlich und wird von vielen Imkern geschätzt.
Daneben gibt es die Dunkle Europäische Biene, unsere ursprüngliche heimische Honigbiene. Sie spielt heute vor allem in Erhaltungszuchten eine wichtige Rolle.
Letztlich ist jedoch weniger die Bienenrasse entscheidend als eine gesunde Königin und ein vitales Volk. Bienenarten
Den richtigen Standort nicht vergessen
Ein Punkt wird beim Kauf des ersten Bienenvolkes leicht übersehen: der spätere Standort.
Übernimmst du ein bestehendes Volk, sollte der neue Standort mindestens drei Kilometer vom bisherigen entfernt liegen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass viele Flugbienen zu ihrem alten Standort zurückkehren.
Auch die Wahl der passenden Beute spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie beeinflusst nicht nur deine spätere Arbeitsweise, sondern begleitet dich oft viele Jahre.
Welche Bienenbeute passt zu dir? Die wichtigsten Systeme im Vergleich
Der Bien – mehr als viele einzelne Bienen
Je länger ich mich mit Bienen beschäftige, desto weniger sehe ich einzelne Tiere.
Ich sehe den Bien.
In der Imkerei beschreibt dieser Begriff das gesamte Bienenvolk als einen einzigen Organismus. Tausende Bienen übernehmen unterschiedliche Aufgaben und arbeiten doch wie ein großes Ganzes zusammen. Während die Königin für den Nachwuchs sorgt, sammeln Arbeiterinnen Nektar und Pollen, pflegen die Brut oder verteidigen den Stock. Gemeinsam halten sie im Brutnest eine Temperatur von etwa 35 Grad und sichern so das Überleben des gesamten Volkes.
Vielleicht ist genau das das Faszinierendste an der Imkerei: Man kauft nicht einfach ein paar Bienen. Man übernimmt die Verantwortung für einen perfekt organisierten Superorganismus, dessen Zusammenhalt seit Millionen von Jahren funktioniert.
Fazit
Ein erstes Bienenvolk anzuschaffen ist weit mehr als eine Kaufentscheidung. Es ist der Beginn eines Hobbys, das Geduld, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft verlangt, ständig dazuzulernen.
Wer sich Zeit nimmt, verschiedene Möglichkeiten vergleicht, regionale Imker um Rat fragt und mit einem gesunden Volk beginnt, schafft die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einstieg.
Ich selbst habe auf dieser Entdeckungsreise gelernt, dass gute Imkerei lange vor dem ersten Bienenvolk beginnt. Sie beginnt mit dem Wunsch, die faszinierende Welt der Bienen zu verstehen. Und genau das macht für mich bis heute ihren besonderen Reiz aus. 🐝

