Das Bienenjahr im August: Die Geburtsstunde der Winterbienen

Der August ist im Bienenjahr ein Monat der leisen, aber entscheidenden Veränderungen. Während wir Menschen die heißen Tage des Hochsommers genießen, bereiten sich die Bienenvölker bereits mit Hochdruck auf die kalte Jahreszeit vor. Wer die Bienen beobachtet merkt schnell, dass die sommerliche Hektik der großen Trachtflüge nachlässt. Doch der Schein trügt: Im Inneren des Stocks findet jetzt die wichtigste Weichenstellung statt. Der August ist die Geburtsstunde der Winterbienen, und ihre Gesundheit entscheidet darüber, ob der Kasten im nächsten Frühling noch mit Leben gefüllt ist.

In diesem Beitrag erfährst du warum der August so kritisch für den Erfolg im nächsten Jahr ist und welche Aufgaben jetzt im Mittelpunkt stehen, um die Völker sicher durch den Winter zu bringen.

1. Das Phänomen der Winterbienen

Um zu verstehen warum der August so wichtig ist, muss man sich die Biologie der Bienen genauer ansehen. Eine Sommerbiene arbeitet sich in der Zeit der großen Tracht förmlich zu Tode. Sie lebt oft nur vier bis sechs Wochen, da das Sammeln von Nektar und Pollen enorme körperliche Anstrengung bedeutet.

Die Bienen die jetzt im August schlüpfen, haben eine völlig andere Bestimmung. Sie müssen nicht sechs Wochen, sondern bis zu sechs Monate überleben. Sie fliegen kaum noch zur Tracht aus. Ihr Körper ist darauf ausgelegt, Energie zu speichern. Sie bilden einen sogenannten Fett Eiweiß Körper aus, der als biologischer Akku fungiert. Dieser Speicher ermöglicht es ihnen, im tiefsten Winter die Königin zu wärmen und im Februar die erste neue Brut aufzuziehen. Ohne gesunde Winterbienen gibt es kein Überleben des Volkes.

2. Der Schutz der Winterbrut vor Parasiten

Das größte Risiko für die jungen Winterbienen ist die Varroa Milbe. Da die Anzahl der Bienen im August bereits leicht sinkt, die Anzahl der Milben aber ihren Jahreshöchststand erreicht, steigt der Druck auf das einzelne Tier massiv an. Eine Biene die bereits als Larve von einer Milbe geschwächt wurde, wird niemals die nötige Langlebigkeit für den Winter erreichen.

Wer Bienen hält, muss deshalb im August die Varroa Kontrolle zur obersten Priorität machen. Es geht nicht nur darum die Milben zu zählen, sondern die Behandlung so rechtzeitig abzuschließen, dass die Winterbrut in einer möglichst milbenfreien Umgebung aufwachsen kann. Dies geschieht meist mit organischen Säuren oder biotechnischen Verfahren, um die Gesundheit der Insekten nicht durch Rückstände zu gefährden.

3. Die Auffütterung: Vorräte für die dunkle Zeit

Im August ist die Natur oft schon im Spätsommer Modus. Die großen Massentrachten wie Raps oder Linde sind längst vorbei. Da der Imker im Juli meist den Honig geerntet hat, sind die Völker auf Hilfe angewiesen. Ein Bienenvolk benötigt je nach Region und Wetter zwischen fünfzehn und zwanzig Kilogramm Futter für den Winter.

Die Auffütterung sollte zügig erfolgen. Es hat sich bewährt, das Futter in größeren Portionen zu geben, damit die Bienen es schnell einlagern und verdeckeln können. Geschieht dies zu spät im September oder Oktober, wenn die Nächte bereits kalt sind, können die Bienen das Wasser im Futtersirup nicht mehr ausreichend verdunsten. Das Futter könnte gären, was im Winter zu schweren Darmproblemen bei den Bienen führt.

4. Pollen: Das wertvolle Eiweiß für den Nachwuchs

Oft wird nur über Zucker und Honig gesprochen, doch für die Winterbienen ist Pollen fast noch wichtiger. Pollen ist die einzige Eiweißquelle für die Brut. Nur wenn im August genug Pollen von Goldrute, Springkraut oder späten Wildblumen eingetragen wird, können die Bienen den lebenswichtigen Fett Eiweiß Körper aufbauen.

Wer seinen Garten bienenfreundlich gestalten möchte, sollte deshalb gerade auf Spätblüher setzen. Pflanzen die im August und September noch Pollen liefern, sind für die Bienen wertvoller als jede bunte Sommerblume im Juni. Es ist die Zeit in der die Natur bereits zur Ruhe kommt, die Bienen aber noch einmal volle Speicher benötigen.

5. Beobachtung am Flugloch: Räuberei verhindern

Ein besonderes Phänomen im August ist die Gefahr der Räuberei. Da es kaum noch natürliche Tracht gibt, suchen hungrige Bienen aus anderen Völkern oder Wespen nach einfachen Futterquellen. Ein schwaches Volk kann in dieser Zeit innerhalb weniger Stunden von einem starken Nachbarvolk ausgeraubt werden.

Besonders beim Auffüttern ist Vorsicht geboten. Man sollte das Futter idealerweise in den Abendstunden geben, um keine Unruhe am Stand zu stiften. Es ist wichtig das Flugloch im August deutlich zu verengen. Ein kleines Flugloch können die Wächterbienen eines Volkes viel leichter gegen Eindringlinge verteidigen als eine scheunentorgroße Öffnung.

6. Die Rolle der Königin im Spätsommer

Im August reduziert die Königin langsam ihre Legetätigkeit. Das ist ein ganz natürlicher Prozess um die Volksstärke an die sinkenden Temperaturen anzupassen. Dennoch muss man darauf achten, dass die Königin noch genug Platz für die Winterbrut hat. Wenn die Bienen den Brutraum zu schnell mit Winterfutter füllen, wird die Königin „eingeschnürt“ und kann nicht mehr genug Winterbienen produzieren. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Futtereinlagerung und Brutplatz ist die hohe Kunst der Bienenführung im August.

7. Fazit: Verantwortung für die Zukunft

Der August ist kein Monat für schnelle Erfolge oder große Ernten. Er ist ein Monat der Investition in die Zukunft. Jede Minute die man jetzt in die Gesundheit der Winterbienen und die Qualität des Futters steckt, spart man im nächsten Frühjahr an Sorgen und Verlusten.

Wenn die Tage im August kürzer werden und die erste kühle Brise den herannahenden Herbst ankündigt, wissen wir: Die Basis ist gelegt. Das Volk ist bereit für die große Herausforderung des Winters.


Von Petra

Ich liebe die Natur, meinen Garten und Honig – und bin neugierig auf das faszinierende Leben der Bienen. Ich bin selbst keine Imkerin, sondern begleite die Welt der Imkerei mit offenen Augen und vielen Fragen. Gemeinsam mit meinem Imkerfreund Toni entdecke ich auf Hobbyimker-werden die Welt der Bienen und teile Wissen, Erfahrungen und Geschichten für alle, die Bienen und ihre Welt besser verstehen möchten.