Wenn Wespen- und Hornissenköniginnen erwachen: Was im Frühjahr passiert im Leben vom Wespen und Hornissen und wie man damit umgeht. Sobald die ersten warmen Tage kommen, sind sie wieder unterwegs: große, einzeln fliegende Insekten, die systematisch Hauswände, Dachvorsprünge und Schuppen absuchen. Wer jetzt im Frühjahr eine auffallend große Wespe beobachtet, die allein und zielstrebig an Gebäuden entlang fliegt, sieht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Königin auf Nistplatzsuche. Was dann folgt, ist einer der faszinierendsten Abläufe im Insektenjahr oder auch Bienenjahr. Mit Bienen durchs Jahr
Wespen und Hornissen, zwei Tiere, ein Rhythmus
Wespen und Hornissen folgen einem sehr ähnlichen Jahresrhythmus, obwohl sie sich in Aussehen, Charakter und Lebensweise deutlich unterscheiden. Alle Wespenstaaten werden im Frühjahr von ihrer zuvor überwinternden Königin gegründet. Das gilt für die Gemeine Wespe genauso wie für die Hornisse, die biologisch gesehen ebenfalls eine Wespenart ist, nur deutlich größer und deutlich entspannter.
Im Frühjahr suchen Königinnen einzeln nach passenden Nistplätzen. Hornissen sind mit 25 bis 35 Millimetern deutlich größer als Wespenköniginnen. Hornissen haben einen rotbraunen Brust- und Vorderkörperbereich mit gelbem Hinterleib, Wespen sind durchgehend schwarz-gelb. Hornissen brummen deutlich tiefer und langsamer. Wer die beiden im Frühjahr auseinanderhält, kann besser einschätzen, was auf dem eigenen Balkon oder im Garten gerade passiert.
Der Nestbau beginnt allein
Im Frühjahr, in Mitteleuropa meist im April, verlassen die Königinnen ihr Winterquartier und suchen einen Ort zur Nestgründung. Hornissen bevorzugen trockene, dunkle Hohlräume: Baumhöhlen, Vogelnistkästen, Dachböden oder Schuppen. Oft nisten Hornissen mehrere Jahre hintereinander am selben Ort, legen aber jedes Jahr ein neues Nest an. Was die Bienen im April machen erfährst du hier: Bienen im April
Das Baumaterial ist bei beiden dasselbe: Aus zerkauten Holzfasern und Speichel mischen sie eine Art Pappmaché, damit bauen sie ihre wabenförmigen Nester. Hornissen verwenden dabei bevorzugt morsches, verwittertes Holz, was ihren Nestern eine charakteristische rotbraune Färbung gibt. Wespen nutzen eher frischeres Holz, ihre Nester wirken heller und fast papierweiß.
Die Königin beginnt allein mit dem Nestbau, indem sie aus zerkauten Holzfasern in einer nach unten hängenden Wabe Zellen formt, die sie meist unmittelbar nach Fertigstellung mit einem Ei belegt. Dieser erste Abschnitt dauert mehrere Wochen und ist die gefährlichste Phase für das entstehende Volk. Kälteeinbrüche, Fressfeinde oder Nahrungsmangel können die Gründung in diesem Stadium noch scheitern lassen.
Das Volk wächst
Sobald die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, verändert sich das Bild. Nach dem Schlupf von fünf bis zehn Arbeiterinnen verlässt die Königin das Nest nicht mehr. Die Arbeiterinnen übernehmen es, Baumaterial und Nahrung zu beschaffen, die Zellen zu bauen und die Brut zu versorgen. Die Königin legt nur noch Eier.
Von da an wächst das Nest zügig. Zwischen Mitte August und Mitte September ist das Hornissenvolk auf dem Höhepunkt seines Schaffens mit etwa 400 bis 700 Tieren, das Nest ist dann rund 60 Zentimeter hoch. Wespenvölker können je nach Art und Standort ähnlich groß werden, manchmal sogar deutlich größer.
Jungköniginnen: der Übergang zum nächsten Jahr
Ab Ende August dreht sich alles um die Zukunft des Volkes. Gegen Spätsommer schlüpfen die sogenannten Geschlechtstiere: die neuen Jungköniginnen sowie die männlichen Drohnen. Die Jungköniginnen fliegen ab September aus dem Nest, fressen sich zunächst einen Vorrat für den Winter an und finden sich dann zum Paarungsflug mit den Drohnen ein.
Nach der Paarung suchen die Jungköniginnen schnellstmöglich ein Winterquartier. Sie überwintern einzeln, meist in Mauerspalten oder selbst ausgenagten Hohlräumen in totem Holz. Die alte Königin, die Arbeiterinnen und die Drohnen sterben mit dem ersten Frost. Alte Nester aus dem Vorjahr werden im Folgejahr nicht wieder besiedelt. Was aussieht wie ein verlassenes Wespennest am Dachbalken, kann also bedenkenlos entfernt werden, aber erst im Winter, wenn das Volk sicher erloschen ist.
Wespen, Hornissen und der Mensch: wer ist eigentlich hier wem lästig?
Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Nur zwei Wespenarten werden an der Kaffeetafel wirklich lästig: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Andere Wespenarten oder auch Hornissen verhalten sich beim Picknick oder Grillen meist deutlich zurückhaltender. Hornissen interessieren sich schlicht nicht für Kuchen oder Limonade, ihre Nahrung sind Insekten und Pflanzensäfte.
Aber Achtung achte auf die: Asiatische Hornisse im Garten
Hornissen wirken aktiv der Massenvermehrung von Schädlingen entgegen. Manche Völker vertilgen täglich bis zu 500 Gramm Insekten, darunter Fliegen, Mücken, Nachtfalter und sogar Wespen. Wer also ein Hornissenvolk in der Nähe hat, hat in gewissem Sinne einen stillen Mitarbeiter im Garten. Außer es dreht sich um die Asiatische Hornisse in Deutschland.
Was tun, wenn Wespen den Balkon entdecken?
Wer sich im Sommer nicht über Wespennester auf dem Balkon oder im Garten ärgern möchte, kann im Frühjahr reagieren. Wenn sich die Wespenkönigin an sonnigen Tagen im April oder Mai aufmacht, einen geeigneten Nestplatz zu suchen, kann man sie durch sanftes Anspritzen mit Wasser in der Nähe des Einflugortes vertreiben, bevor ein Nest entsteht. Das ist der einfachste und schonendste Weg.
Mit gezielten Baumaßnahmen in den Wintermonaten lässt sich eine Wiederbesiedlung attraktiver Stellen im Frühjahr effizient verhindern: alte Einfluglöcher stabil verschließen, Lückensysteme wie hinterlüftete Holzfassaden mit feinen Gittern absichern. Für Aussenrollos bieten viele Hersteller Abstreifbürsten an, die verhindern, dass sich Wespen in Rollladenkästen ansiedeln.
Artenschutz gilt für beide
Hornissen und eine Reihe von Wespenfamilien stehen unter Artenschutz. Das Entfernen von Nestern ist nur im äußersten Notfall erlaubt. Wer ein Nest entfernen will, braucht eine Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde. Diese wird nur erteilt, wenn das Nest eine konkrete Gefahr darstellt, etwa für Allergiker oder direkt am Eingangsbereich. Die Bußgelder bei unbefugtem Eingriff sind empfindlich hoch.
Wer ein Nest entdeckt, das niemanden gefährdet, tut am besten: nichts. Beobachten, Abstand halten, das Treiben verfolgen. Ein Hornissenvolk in der Nähe ist kein Grund zur Sorge, sondern ein Zeichen dafür, dass die nähere Umgebung noch genug Lebensraum für solche Tiere bietet.

