Asiatische Hornisse im Garten: Was Gartenfreunde jetzt wissen müssen

Asiatische Hornisse im Garten: Informationen zur Bestimmung, Meldung von Sichtungen und alles zum Schutz von Honigbienen und heimischen Hornissen.

Wer im Garten plötzlich eine große, dunkel gefärbte Hornisse entdeckt, erschrickt häufig im ersten Moment. Die Sorge ist verständlich, denn seit einigen Jahren breitet sich die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) auch in Deutschland immer weiter aus. In Baden-Württemberg gehört sie inzwischen längst nicht mehr zu den seltenen Gästen. Nicht jede große Hornisse ist automatisch eine Asiatische Hornisse aber immer häufiger werden Tiere oder Nester gemeldet – auch in Regionen, in denen sie vor wenigen Jahren noch unbekannt war.

Unsere heimische Europäische Hornisse ist aber trotzdem immer noch deutlich häufiger anzutreffen und steht unter besonderem Schutz. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick, bevor voreilige Schlüsse gezogen werden.

Wer die wichtigsten Merkmale kennt und weiß, wie man sich richtig verhält, schützt nicht nur Honigbienen und andere Insekten, sondern unterstützt auch die Fachleute, die die weitere Ausbreitung der invasiven Art überwachen.

Eine Hornisse sorgt für Schlagzeilen

Die Asiatische Hornisse stammt ursprünglich aus Südostasien. Vermutlich gelangte sie Anfang der 2000er-Jahre mit Warenlieferungen nach Frankreich. Von dort aus breitete sie sich innerhalb weniger Jahre über große Teile Europas aus. In Deutschland wurde sie zunächst nur vereinzelt nachgewiesen. Heute gehört Baden-Württemberg zu den Bundesländern mit den meisten bestätigten Vorkommen. Die Asiatische Hornisse in Deutschland

Der Grund für diese rasche Ausbreitung ist ihre hohe Vermehrungsrate. Im Herbst entstehen in jedem Volk zahlreiche Jungköniginnen. Nach der Überwinterung gründet jede von ihnen im Frühjahr ein eigenes Nest. So können sich aus wenigen Nestern innerhalb weniger Jahre zahlreiche neue Populationen entwickeln.

Die Europäische Union führt die Asiatische Hornisse deshalb auf der Liste invasiver gebietsfremder Arten. Ziel ist es, ihre weitere Ausbreitung möglichst einzudämmen und Schäden an heimischen Ökosystemen zu begrenzen.

Woran erkennst du die Asiatische Hornisse?

Viele Menschen verwechseln die Asiatische Hornisse mit unserer heimischen Europäischen Hornisse. Dabei unterscheiden sich beide Arten deutlich.

Die Europäische Hornisse besitzt einen überwiegend gelben Hinterleib mit schwarzen Zeichnungen sowie einen rotbraunen Kopf und Brustbereich. Sie wirkt insgesamt heller und kräftiger.

Die Asiatische Hornisse erscheint dagegen wesentlich dunkler. Typische Erkennungsmerkmale sind:

  • ein fast schwarzer Brustbereich,
  • ein überwiegend dunkler Hinterleib mit einem breiten orangefarbenen Ring,
  • auffällig gelbe Beinenden,
  • ein dunkler Kopf mit orangefarbener Gesichtszeichnung,
  • eine etwas geringere Körpergröße als die Europäische Hornisse.

Gerade die gelben Beinspitzen gelten als eines der zuverlässigsten Erkennungsmerkmale.

📌 Auf einen Blick

Asiatische Hornisse im Garten – richtig handeln

📷 Foto aufnehmen – wenn möglich aus sicherer Entfernung.

📍 Fundort notieren – genaue Ortsangaben erleichtern die Zuordnung.

📝 Sichtung melden – in Baden-Württemberg über die LUBW oder die App „Meine Umwelt“.

🚫 Nest nicht berühren – Nester dürfen nur von geschulten Fachkräften entfernt werden.

🐝 Heimische Hornissen schützen – Nicht jede große Hornisse ist eine Asiatische Hornisse. Die Europäische Hornisse ist eine geschützte und nützliche Art.

Nicht jede Hornisse im Garten ist ein Problem

Hornissen gehören zu den faszinierendsten Insekten unserer heimischen Tierwelt. Die Europäische Hornisse erbeutet Fliegen, Bremsen, Mücken und andere Insekten und trägt damit sogar zum natürlichen Gleichgewicht im Garten bei. Sie ist deutlich friedlicher, als ihr Ruf vermuten lässt. Wildbienenarten in Deutschland

Auch die Asiatische Hornisse greift Menschen normalerweise nicht grundlos an. Gefährlich wird es erst, wenn ihr Nest gestört oder sie bedrängt wird. Deshalb gilt grundsätzlich: Abstand halten und Ruhe bewahren.

Ein einzelnes Tier im Garten ist kein Grund zur Panik. Häufig handelt es sich lediglich um ein Tier auf Nahrungssuche, das nach kurzer Zeit wieder verschwindet.

Honigbienen geraten besonders unter Druck

Während Menschen nur selten mit der Asiatischen Hornisse in Konflikt geraten, sieht die Situation für Honigbienen anders aus. Sie gehören zu den bevorzugten Beutetieren der Asiatischen Hornisse.

Besonders im Spätsommer beobachten Imker häufig ein typisches Jagdverhalten. Die Hornissen schweben direkt vor den Fluglöchern der Bienenstöcke und warten auf heimkehrende Sammelbienen. Sobald eine Biene landet oder in den Stock zurückkehren möchte, wird sie im Flug ergriffen.

Anschließend entfernt die Hornisse Kopf, Flügel und Hinterleib. Der eiweißreiche Brustbereich wird in das Hornissennest gebracht und dient dort als Nahrung für die Larven.

Schon wenige Hornissen reichen aus, um ein Bienenvolk erheblich zu verunsichern. Viele Bienen wagen sich kaum noch aus dem Stock. Die Folge sind Stress, geringere Nektar- und Polleneinträge, was sich negativ auf die Entwicklung des gesamten Volkes auswirken kann.

Neben Honigbienen stehen auch Wildbienen, Wespen, Schwebfliegen und zahlreiche andere Insekten auf dem Speiseplan der Asiatischen Hornisse. Deshalb beobachten Naturschützer ihre weitere Ausbreitung mit großer Aufmerksamkeit.

Was tun, wenn du eine Asiatische Hornisse im Garten entdeckst?

Die wichtigste Regel lautet: Ruhe bewahren.

Ein einzelnes Tier stellt normalerweise keine unmittelbare Gefahr dar. Versuche nicht, die Hornisse zu fangen oder zu töten. Ebenso solltest du nicht versuchen, ihr bis zu einem möglichen Nest zu folgen. Das übernehmen speziell geschulte Fachleute.

Hilfreich ist dagegen eine gute Dokumentation. Wenn es gefahrlos möglich ist, fotografiere das Tier. Achte dabei auf ausreichenden Abstand. Ein scharfes Foto erleichtert Experten später die sichere Bestimmung erheblich.

Notiere dir außerdem den Fundort und möglichst auch das Datum der Beobachtung. Diese Angaben können bei einer Meldung wertvolle Hinweise liefern.

Noch wichtiger ist Vorsicht bei einem Nest. Entdeckst du ein Hornissennest im Garten, solltest du dich ihm nicht nähern und auf keinen Fall versuchen, es selbst zu entfernen. Hornissen verteidigen ihr Nest energisch, wenn sie sich bedroht fühlen. Außerdem darf die Entfernung der Asiatischen Hornisse in vielen Fällen nur von entsprechend geschulten Fachkräften durchgeführt werden.

So geht Baden-Württemberg gegen die Asiatische Hornisse vor

Mit der zunehmenden Ausbreitung der Asiatischen Hornisse hat Baden-Württemberg ein landesweites Meldesystem aufgebaut. Ziel ist es, neue Vorkommen möglichst früh zu erkennen und Nester zu finden, bevor sich weitere Jungköniginnen ausbreiten können.

Wer eine Asiatische Hornisse oder ein Nest entdeckt, kann die Beobachtung über die Meldeplattform der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) oder über die App „Meine Umwelt“ melden. Wichtig sind dabei möglichst genaue Angaben zum Fundort sowie ein Foto. Erst dadurch können Fachleute die Art sicher bestimmen.

Die eingehenden Meldungen werden geprüft und dokumentiert. Bestätigt sich der Verdacht, beginnen speziell geschulte Fachkräfte mit der Suche nach dem Nest. Gerade diese Arbeit entscheidet darüber, ob sich die Asiatische Hornisse in einer Region weiter ausbreiten kann.

Die LUBW – mehr als nur eine Meldestelle

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) koordiniert das landesweite Monitoring der Asiatischen Hornisse. Sie sammelt Meldungen, stellt Informationen für Bürger und Imker bereit und arbeitet eng mit den Naturschutzbehörden sowie der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim zusammen.

Durch diese Zusammenarbeit entsteht ein aktuelles Bild der Ausbreitung in Baden-Württemberg. Die gewonnenen Daten helfen dabei, Schwerpunkte zu erkennen und die Bekämpfung gezielt zu planen.

Wenn aus einer Beobachtung ein Einsatz wird

Nicht jede gemeldete Hornisse führt sofort zu einer Nestsuche. Zunächst überprüfen Fachleute anhand der Fotos, ob es sich tatsächlich um eine Asiatische Hornisse handelt.

Bestätigt sich der Verdacht, beginnt die eigentliche Arbeit. Die Suche nach einem Nest kann sehr aufwendig sein. Die Tiere fliegen oft mehrere hundert Meter zwischen Nest und Jagdgebiet hin und her. Deshalb beobachten die Experten zunächst die Flugrichtung der Hornissen. Teilweise kommen dabei auch Ferngläser, Drohnen oder Hubsteiger zum Einsatz, wenn sich ein Nest hoch oben in Baumkronen befindet.

Viele Nester bleiben zunächst unentdeckt, weil sie hervorragend getarnt sind. Erst im Spätsommer erreichen sie ihre volle Größe und werden in den kahler werdenden Baumkronen sichtbar.

Die Entfernung eines Nestes gehört in erfahrene Hände

Immer wieder versuchen Grundstücksbesitzer, ein Hornissennest selbst zu entfernen. Davon ist dringend abzuraten.

Zum einen verteidigen Hornissen ihr Nest sehr energisch. Zum anderen dürfen Nester der Asiatischen Hornisse in Baden-Württemberg nur von entsprechend geschulten Fachkräften entfernt werden.

Je nach Lage kommen dabei verschiedene Verfahren zum Einsatz. Häufig werden die Tiere zunächst abgesaugt oder das Nest wird verschlossen und anschließend vollständig entfernt. Die eingesetzten Fachkräfte tragen spezielle Schutzkleidung und verfügen über die notwendige Ausrüstung, um auch hoch gelegene Nester sicher zu erreichen.

Die Entfernung erfolgt möglichst so, dass keine Tiere entkommen und sich an anderer Stelle erneut ansiedeln können.

Schulungen für Imker und Fachkräfte

Mit der zunehmenden Ausbreitung wächst auch der Bedarf an gut ausgebildeten Helfern. Deshalb bietet Baden-Württemberg regelmäßig Schulungen an.

Dabei gibt es unterschiedliche Angebote.

Informationsveranstaltungen für Imker vermitteln die sichere Bestimmung der Asiatischen Hornisse sowie den richtigen Umgang mit Sichtungen und Nestern.

Darüber hinaus werden Multiplikatoren ausgebildet. Dabei handelt es sich um erfahrene Imker oder Fachberater, die ihr Wissen anschließend in den örtlichen Imkervereinen weitergeben. Auf diese Weise gelangen aktuelle Informationen schnell in die Praxis.

Für besonders anspruchsvolle Aufgaben gibt es außerdem Schulungen zur professionellen Nestentfernung. Diese richten sich an Personen, die später im Auftrag der Behörden tätig werden und über die notwendige Schutzausrüstung verfügen.

Was kannst du selbst tun?

Auch ohne Spezialausbildung kannst du einen wichtigen Beitrag leisten.

Beobachte aufmerksam, welche Insekten sich in deinem Garten aufhalten. Entdeckst du eine auffällig dunkle Hornisse mit gelben Beinenden, lohnt sich ein genauer Blick.

Fotografiere das Tier möglichst aus sicherer Entfernung und melde die Beobachtung über die offiziellen Meldewege. Ein einzelnes Foto kann dazu beitragen, ein bisher unbekanntes Nest zu entdecken.

Verzichte darauf, Fallen aufzustellen oder Hornissen eigenständig zu bekämpfen. Unsachgemäße Fallen fangen häufig auch geschützte heimische Insekten und können mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Wer Honigbienen hält, sollte seine Bienenvölker insbesondere im Spätsommer regelmäßig beobachten. Mehrere Hornissen vor dem Flugloch können ein Hinweis darauf sein, dass sich in der Nähe ein Nest befindet.

Die häufigsten Irrtümer

Rund um die Asiatische Hornisse kursieren viele Behauptungen, die sich bei genauerem Hinsehen als falsch herausstellen.

„Die Asiatische Hornisse ist besonders aggressiv.“

Nein. Einzelne Tiere verhalten sich meist nicht aggressiver als unsere heimische Hornisse. Gefährlich wird es vor allem in unmittelbarer Nähe eines Nestes.

„Jede große Hornisse ist eine Asiatische Hornisse.“

Das stimmt nicht. In vielen Fällen handelt es sich um die geschützte Europäische Hornisse oder um andere heimische Wespenarten.

„Ein Nest kann man selbst entfernen.“

Davon ist dringend abzuraten. Neben der Verletzungsgefahr besteht das Risiko, dass Tiere entkommen und sich an anderer Stelle erneut ansiedeln.

„Die Asiatische Hornisse frisst nur Honigbienen.“

Honigbienen gehören zwar zu ihren bevorzugten Beutetieren, sie jagt jedoch auch zahlreiche andere Insekten wie Wildbienen, Wespen, Schmetterlinge und Fliegen.

Fazit

Die Asiatische Hornisse wird uns in den kommenden Jahren weiter beschäftigen. Eine vollständige Ausrottung gilt inzwischen als kaum noch realistisch. Umso wichtiger ist ein verantwortungsvoller Umgang mit dieser invasiven Art.

Wer eine Hornisse im Garten entdeckt, sollte zunächst Ruhe bewahren und genau hinschauen. Nicht jede Hornisse ist automatisch eine Asiatische Hornisse. Bestätigt sich der Verdacht, helfen Fotos und eine Meldung über die offiziellen Stellen dabei, die Ausbreitung zu dokumentieren und neue Nester frühzeitig zu entdecken.

Für Gartenbesitzer bedeutet das vor allem: beobachten statt bekämpfen. Für Imker heißt es, ihre Bienenvölker aufmerksam im Blick zu behalten und aktuelle Informationen der Imkerverbände und Behörden zu verfolgen.

Nur wenn Behörden, Wissenschaft, Imker und Bürger zusammenarbeiten, lässt sich die weitere Ausbreitung der Asiatischen Hornisse möglichst wirksam begrenzen. Mehr zu Wespen und Hornissen im Beitrag.

Von Petra

Ich liebe die Natur, meinen Garten und Honig – und bin neugierig auf das faszinierende Leben der Bienen. Ich bin selbst keine Imkerin, sondern begleite die Welt der Imkerei mit offenen Augen und vielen Fragen. Gemeinsam mit meinem Imkerfreund Toni entdecke ich auf Hobbyimker-werden die Welt der Bienen und teile Wissen, Erfahrungen und Geschichten für alle, die Bienen und ihre Welt besser verstehen möchten.