Balkonpflanzen, die Bienen anlocken: So wird dein Balkon zur kleinen Bienenweide
Ein Balkon kann mehr sein als ein schöner Platz für Blumen und ein paar Kübelpflanzen. Mit der richtigen Auswahl an Balkonpflanzen die Bienen anlocken lässt sich daraus ein kleiner Lebensraum machen, den Bienen, Hummeln und andere Insekten regelmäßig besuchen.
Dabei kommt es nicht darauf an, möglichst viele Pflanzen unterzubringen. Viel wichtiger ist, dass die Pflanzen zu den Bedingungen auf dem eigenen Balkon passen und über einen möglichst langen Zeitraum Blüten vorhanden sind.
Welche Balkonpflanzen sind für Bienen geeignet?
Nicht jede blühende Balkonpflanze ist automatisch eine gute Nahrungsquelle. Entscheidend ist, ob die Blüten für Insekten zugänglich sind und tatsächlich Nektar oder Pollen anbieten.
Bei Zierpflanzen lohnt deshalb ein genauerer Blick. Besonders gefüllte Blüten sind häufig weniger geeignet, weil die zusätzlichen Blütenblätter den Zugang zu den Staubgefäßen erschweren können.
Für einen bienenfreundlichen Balkon eignen sich unter anderem:
Lavendel
Lavendel gehört zu den Pflanzen, bei denen man auf einem sonnigen Balkon nicht lange überlegen muss. Die Blüten werden gerne von Bienen und Hummeln besucht und die Pflanze kommt mit Wärme und eher trockenen Bedingungen gut zurecht.
Ein sonniger Standort und durchlässige Erde sind ideal.
Sonnenhut
Sonnenhut bringt im Sommer nicht nur auffällige Blüten auf den Balkon. Auch verschiedene Insekten besuchen die Blüten regelmäßig.
Für einen größeren Kübel ist die Pflanze gut geeignet. Wer etwas mehr Platz hat, kann sie mit niedrigeren Pflanzen kombinieren.
Kapuzinerkresse
Kapuzinerkresse eignet sich besonders für größere Kästen und Kübel. Ihre Blüten bringen Farbe auf den Balkon und die Pflanze kann bei ausreichend Platz auch über den Rand wachsen.
Ein weiterer Vorteil: Die Blüten sind essbar und können in der Küche verwendet werden.
Ringelblume
Ringelblumen sind unkompliziert und blühen bei passenden Bedingungen über einen langen Zeitraum. Damit eignen sie sich gut für Balkone, auf denen nicht nur für wenige Wochen etwas blühen soll.
Sie lassen sich außerdem leicht aus Samen ziehen.
Borretsch
Borretsch ist eine interessante Balkonpflanze, wenn etwas mehr Platz vorhanden ist. Die blauen Blüten werden gerne von Bienen und Hummeln besucht.
Die Pflanze kann allerdings ziemlich groß werden. Ein größerer Kübel ist deshalb sinnvoller als ein kleiner Balkonkasten.
Rosmarin
Auch Rosmarin kann während seiner Blüte von Bienen besucht werden. Auf einem sonnigen Balkon fühlt er sich wohl und liefert nebenbei frische Kräuter für die Küche.
Im Topf braucht er allerdings etwas mehr Aufmerksamkeit, besonders wenn er den Winter draußen verbringen soll.
Hibiskus auf dem Balkon: schön, aber nicht automatisch bienenfreundlich
Hibiskus darf bei einem Beitrag über Balkonpflanzen nicht fehlen. Die großen, auffälligen Blüten machen ihn zu einer beliebten Kübelpflanze und gerade deshalb stellt sich die Frage, ob er auch für Bienen interessant ist.
Die Antwort ist nicht ganz so einfach wie bei Lavendel oder Borretsch. Nicht jeder Hibiskus ist für Bienen gleichermaßen interessant. Art und Sorte spielen eine Rolle, ebenso der Aufbau der Blüte.
Wer Hibiskus gezielt für einen insektenfreundlichen Balkon auswählen möchte, sollte deshalb genauer hinschauen.
Wir haben uns dieses Thema bereits ausführlich angesehen: Hibiskus für Bienen: Ist Hibiskus wirklich bienenfreundlich?
Dort geht es genauer darum, welche Hibiskusarten für Bienen interessant sein können und worauf man bei der Auswahl achten sollte.
Nicht alle Pflanzen müssen gleichzeitig blühen
Ein Balkon sieht natürlich besonders schön aus, wenn alles gleichzeitig in voller Blüte steht. Für Insekten ist eine andere Planung allerdings interessanter.
Besser ist eine Mischung aus Pflanzen, deren Blütezeiten sich ergänzen. So gibt es nicht nur im Frühsommer ein großes Blütenangebot, sondern auch später noch Nahrung.
Gerade gegen Ende des Sommers und im Herbst kann es auf Balkonen schnell still werden. Spätblühende Pflanzen wie Fetthenne oder Herbstastern können dann noch einmal für Blüten sorgen.
Welche Pflanzen zu welcher Jahreszeit Nahrung bieten, haben wir ausführlicher im Beitrag Bienentracht: Welche Pflanzen Bienen Nahrung bieten zusammengestellt.
Ein Balkonkasten muss nicht perfekt geplant sein
Man muss nicht gleich den gesamten Balkon neu bepflanzen. Oft reicht es, nach und nach einzelne Pflanzen zu ergänzen.
Ein Balkonkasten mit geeigneten Blühpflanzen kann genauso interessant sein wie mehrere einzelne Kübel. Auch eine vorhandene Kübelpflanze muss nicht weichen, nur weil sie für Bienen wenig Bedeutung hat.
Man kann sie einfach mit Pflanzen ergänzen, die tatsächlich Nahrung anbieten.
So entsteht mit der Zeit eine Mischung aus Zierpflanzen, Nutzpflanzen und blühenden Pflanzen, die auch für Insekten interessant ist.
Der Standort entscheidet mit
Was auf einem Balkon gut wächst, hängt stark von den vorhandenen Bedingungen ab.
Ein sonniger Südbalkon stellt andere Anforderungen als ein schattiger Balkon auf der Nordseite. Auch Wind kann eine Rolle spielen und in einem Balkonkasten trocknet die Erde wesentlich schneller aus als im Gartenboden.
Vor dem Kauf lohnt deshalb ein kurzer Blick auf:
- Sonnenstunden
- Wind
- Größe von Balkonkasten und Kübeln
- Wasserbedarf
- Möglichkeiten zur Überwinterung
Eine Pflanze, die am vorhandenen Standort gut zurechtkommt, ist langfristig meist die bessere Wahl als eine besonders attraktive Pflanze, die ständig unter ungeeigneten Bedingungen leidet.
Auch Kräuter können dazugehören
Kräuter können eine schöne Ergänzung zu blühenden Balkonpflanzen sein. Thymian, Salbei, Oregano oder andere Kräuter dürfen deshalb durchaus Teil einer bienenfreundlichen Bepflanzung sein.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Sie sind für uns nützlich und können gleichzeitig während ihrer Blüte von Insekten besucht werden.
Welche Küchenkräuter sich besonders eignen und wie man sie miteinander kombinieren kann, haben wir im eigenen Beitrag Kräuter für Bienen: Diese Küchenkräuter bieten Nektar und Pollen beschrieben.
Zwergobst passt ebenfalls auf den Balkon
Wer etwas mehr Platz hat, kann sogar einen kleinen Obstbaum im Kübel aufstellen.
Zwergapfel, Zwergkirsche oder Zwergbirne bringen im Frühjahr Blüten und später Früchte. Gerade die frühe Blüte kann interessant sein, wenn nach dem Winter wieder mehr Nahrung gebraucht wird.
Bei Obstbäumen sollte allerdings auf die jeweilige Sorte und ihre Befruchtungsverhältnisse geachtet werden. Nicht jeder Baum ist selbstfruchtbar.
Auch hier gilt: Ein Balkon muss nicht ausschließlich aus Blühpflanzen bestehen. Eine Kombination verschiedener Pflanzen kann den vorhandenen Platz viel abwechslungsreicher machen.
Wasser gehört ebenfalls dazu
Neben Nahrung benötigen Bienen an warmen Tagen auch Wasser. Eine kleine flache Wasserstelle kann deshalb eine sinnvolle Ergänzung sein.
Auf einem Balkon muss sie allerdings besonders sicher stehen. Das Wasser darf weder für die Tiere zur Falle werden noch für Nachbarn darunter zum Problem.
Wie eine solche Wasserstelle gestaltet werden kann, erklären wir im Beitrag Wasserstellen für Bienen: So wird die kleine Tränke im Garten sicher.
Ein Balkon kann auch für Wildbienen interessant sein
Auf einem blühenden Balkon werden nicht nur Honigbienen auftauchen. Je nach Umgebung können auch Hummeln und verschiedene Wildbienen die Blüten besuchen.
Welche Arten tatsächlich erscheinen, hängt unter anderem davon ab, welche Pflanzen in der Umgebung wachsen und welche Nistmöglichkeiten vorhanden sind.
Ein Balkon ersetzt natürlich keinen vielfältigen Lebensraum. Er kann aber ein kleiner Baustein zwischen anderen Grünflächen sein.
Wer mehr über die verschiedenen Wildbienen erfahren möchte, findet im Beitrag Wildbienenarten in Deutschland: Wer summt eigentlich in unserem Garten? weitere Informationen.
Ein paar Pflanzen reichen schon
Ein bienenfreundlicher Balkon muss weder groß noch perfekt durchgestylt sein.
Lavendel, Sonnenhut, Ringelblume, Kapuzinerkresse oder Borretsch können zusammen mit passenden Kräutern und anderen Balkonpflanzen ein abwechslungsreiches Blütenangebot schaffen. Mit einem Hibiskus kommt eine beliebte Kübelpflanze dazu, bei der es sich lohnt, etwas genauer auf Art und Sorte zu schauen.
Am Ende geht es nicht darum, aus jedem Balkon eine Insektenstation zu machen. Es reicht schon, wenn zwischen Töpfen und Kästen regelmäßig etwas blüht und sich dort plötzlich Leben zeigt.
Vielleicht sitzt man irgendwann mit dem Kaffee draußen und bemerkt, dass der Balkon nicht mehr nur schön aussieht. Es summt, flattert und krabbelt.
Und genau dann merkt man, dass selbst ein kleiner Balkon ein Stück Natur sein kann.

