Was ist Honigtauhonig und warum er für Bienen eine besondere Rolle spielt und welche Gefahr ihnen durch ihn drohen kann

Als ich begann mich intensiver mit Bienen zu beschäftigen, bin ich relativ schnell auf eine Frage gestoßen, die erstaunlich selten verständlich erklärt wird: Was genau ist eigentlich Honigtauhonig? Viele kennen ihn als dunklen, kräftigen Waldhonig. Doch seine Entstehung und seine Bedeutung für die Bienen sind weitaus komplexer, als es auf den ersten Blick scheint.

Dieser Beitrag richtet sich an Menschen, die Bienen ernst nehmen und verstehen wollen, welche faszinierenden Zusammenhänge hinter der Honiggewinnung stehen. Es geht um ein Produkt, das nicht in der Blüte entsteht, sondern tief im Wald.

Honigtauhonig ist kein Blütenhonig

Der wichtigste Unterschied zuerst: Honigtauhonig entsteht nicht aus Blütennektar. Während klassischer Honig aus dem Nektar von Pflanzen gewonnen wird, sammeln Bienen für Honigtauhonig eine ganz andere Substanz. Dieser Honigtau stammt nicht von den Pflanzen selbst, sondern von kleinen Verbündeten im Ökosystem Wald: den pflanzensaugenden Insekten.

Vor allem Blattläuse, Schildläuse und Rindenläuse ernähren sich vom Saft bestimmter Bäume. Dieser Pflanzensaft enthält so viel Zucker, dass die Insekten ihn gar nicht vollständig verwerten können. Den überschüssigen, hochkonzentrierten Zucker scheiden sie wieder aus. Er legt sich als glänzende, klebrige Tröpfchen auf Nadeln, Blätter und Rinde. Genau diesen wertvollen Honigtau sammeln die Bienen mit Begeisterung ein.

Wo die flüssigen Schätze des Waldes entstehen

Honigtauhonig findet man vor allem in waldreichen Gebieten. Es ist ein echtes Naturwunder, das von der Gesundheit unserer Wälder abhängt. Besonders häufig sammeln Bienen den Rohstoff bei Bäumen wie Fichten, Tannen, Kiefern, Eichen oder Ahorn.

Je nach Baumart und Herkunft sprechen wir dann von edlem Tannenhonig, würzigem Fichtenhonig oder allgemein von Waldhonig. Streng genommen ist das, was wir im Supermarkt als Waldhonig kaufen, oft eine Mischung verschiedener Honigtauquellen. Für die Bienen ist dabei weniger der Name wichtig als die spezielle Zusammensetzung der Mineralstoffe.

Woran du echten Honigtauhonig erkennst

Wenn du ein Glas Waldhonig öffnest, bemerkst du sofort den Unterschied zum hellen Raps oder Blütenhonig. Honigtauhonig besticht durch eine dunkle Farbe, die oft von tiefem Braun bis fast ins Schwarze reicht. Sein Geschmack ist kräftig, würzig und erinnert eher an Harz, Malz oder feuchtes Moos als an blumige Wiesen.

Ein weiterer Vorteil für uns Genießer: Durch seinen speziellen Zuckeranteil bleibt er oft sehr lange flüssig oder bildet eine besonders feine Kristallisation aus. Zudem ist er bekannt für seinen hohen Gehalt an Mineralstoffen, was ihn zu einem der hochwertigsten Honige überhaupt macht.

Warum Honigtauhonig für Bienen gefährlich sein kann

Für uns Menschen ist er eine Delikatesse, doch für die Bienen kann dieser dunkle Honig im Winter zur tödlichen Gefahr werden. Das Problem liegt in der Verdauung. Honigtauhonig enthält viele Mehrfachzucker und Mineralien, die für den Darm der Biene schwer verwertbar sind.

In der kalten Jahreszeit verlassen die Bienen den Stock nicht, um ihren Darm zu entleeren. Wenn sie nun ausschließlich auf Waldhonig sitzen, füllt sich ihr Darm zu schnell mit unverdaulichen Resten. Die Folge ist die sogenannte Ruhr, eine Durchfallerkrankung der Bienen. Dies führt zu verschmutzten Waben, einer hohen Keimbelastung im Bienenstock und kann im schlimmsten Fall zum Tod des gesamten Volkes führen.

Was das für angehende Hobbyimker bedeutet

Wer ernsthaft darüber nachdenkt Hobbyimker zu werden, muss diese Zusammenhänge verstehen. Es reicht nicht aus die Bienen einfach machen zu lassen. Ein verantwortungsvoller Imker beobachtet genau, was seine Tiere eintragen.

In Jahren mit einer starken Waldtracht wird dieser Honig in der Regel geerntet, um den Bienen ein sicheres Überwintern auf verträglicherem Zuckerfutter oder hellem Blütenhonig zu ermöglichen. Das ist kein Eingriff aus Profitgier, sondern notwendiger Tierschutz. Hier zeigt sich wieder einmal, dass erfolgreiches Imkern vor allem aus Beobachtung und Fachwissen besteht.

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Fazit: Ein ökologisches Meisterwerk

Honigtauhonig ist ein faszinierendes Waldprodukt. Er erzählt eine Geschichte über das Zusammenspiel von Bäumen, Insekten und dem Wetter. Ob es ein gutes Honigtaujahr gibt, hängt von vielen Faktoren ab, die wir Menschen kaum beeinflussen können. Das macht jedes Glas zu einem seltenen Geschenk der Natur.

Falls du dich nun fragst ob du selbst in dieses spannende Hobby einsteigen willst, solltest du dir auch meinen Hauptartikel ansehen. Dort erfährst du alles was du wissen musst bevor du startest.

Hobbyimker werden – Der ultimative Guide für deinen Start


Von Toni

Ich bin Michael, angehender Hobbyimker, Naturfreund und Familienvater. Als selbstständiger Unternehmer mit unserer Agentur 4everGlen finde ich meinen Ausgleich in der Natur – am liebsten inmitten summender Bienen. Für mich sind sie weit mehr als Honiglieferanten: Sie sind essenzielle Helfer eines gesunden und nachhaltigen Ökosystems. Mit meiner Begeisterung und meinem wachsenden Wissen möchte ich angehenden Hobbyimkern den Einstieg in die Imkerei erleichtern und das Bewusstsein für die Bedeutung der Bienen stärken. Mein Ziel ist eine Welt, in der Mensch und Natur im Einklang leben – für unsere Kinder und die Zukunft der Bienen.

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