Was du im Januar planen solltest für ein gutes Bienenjahr.

Imker-Planung im Januar: So findest du den perfekten Standort für deine Bienen. Tipps für Garten, Balkon und Stadt sowie Bauanleitung für eine Bienentränke

Der Januar ist für Imker ein Monat der Stille, zumindest am Bienenstand. Während die Völker in der Wintertraube sitzen und bei Temperaturen um 35°C ihr Überleben sichern, beginnt für uns Menschen die wichtigste Phase des Jahres nämlich die Imker-Planung im Januar. Wer im Mai mit den ersten Bienen starten möchte, muss jetzt die Weichen stellen. Die wichtigste Entscheidung dabei ist der richtige Standort.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie du den perfekten Platz für deine Bienen findest, egal ob du einen riesigen Garten, einen Stadtbalkon oder gar keine eigene Fläche besitzt.

1. Imker-Planung im Januar: Warum der Januar der ideale Planungsmonat ist

Vielleicht fragst du dich: „Warum jetzt? Es ist eiskalt!“ Doch genau das ist dein Vorteil.

  • Ruhe am Stand: Du kannst potenzielle Plätze besichtigen, ohne die Bienen durch deine Anwesenheit zu stören oder Flugbahnen zu kreuzen.
  • Behördenwege: Die Anmeldung beim Veterinäramt und der Tierseuchenkasse braucht Vorlaufzeit. Wer jetzt startet, hat zum Saisonbeginn alle Papiere beisammen.
  • Materialbeschaffung: Imkershops haben jetzt noch volle Lager. Sobald die Sonne im März das erste Mal wärmt, schießen die Lieferzeiten für Beuten und Zubehör oft in die Höhe.

2. Der klassische Garten-Standort: Die vier Säulen des Erfolgs

Die meisten Hobbyimker starten im eigenen Garten. Das ist logistisch ideal, erfordert aber eine genaue Platzwahl. Ein guter Bienenstandplatz sollte folgende Kriterien erfüllen:

Licht und Schatten

Bienen sind wechselwarme Tiere und lieben die Sonne, aber sie hassen Hitzestau. Ideal ist ein Platz, der morgens von der Sonne „geküsst“ wird. Das weckt die Fluggeister frühzeitig. Über die heiße Mittagszeit sollte die Beute jedoch im Halbschatten stehen. Ein Platz unter einem Laubbaum ist perfekt: Im Winter scheint die Sonne durch die kahlen Äste und wärmt, im Sommer spendet das dichte Laub wertvolle Kühle.

Flugbahn und Nachbarschaft

Bienen sind friedfertig, solange man ihre „Autobahnen“ respektiert. Stell deine Beuten so auf, dass die Flugbahn nicht direkt über den Grillplatz des Nachbarn oder den Sandkasten führt.

Ein Profi-Tipp: Eine 2 Meter hohe Hecke oder ein Flechtzaun in etwa zwei Metern Abstand vor dem Flugloch zwingt die Bienen, sofort steil nach oben zu steigen. So fliegen sie sicher über die Köpfe der Menschen hinweg.

Windschutz und Feuchtigkeit

Vermeide Senken, in denen sich nachts Kaltluft sammelt (Kaltluftseen). Feuchtigkeit ist im Winter der größte Feind der Bienengesundheit, da sie Schimmelbildung im Stock begünstigt. Ein leicht erhöhter, windgeschützter und trockener Platz ist die halbe Miete für eine erfolgreiche Überwinterung.

3. Urban Beekeeping: Bienen auf dem Balkon oder Flachdach

Imkern in der Stadt ist populär, bringt aber eigene Herausforderungen mit sich:

  • Windlast: Auf Balkonen oder Dächern weht oft ein scharfer Wind. Die Beuten müssen unbedingt gesichert oder beschwert werden, damit sie bei einem Sturm nicht umstürzen.
  • Absturzgefahr: Achte beim Arbeiten darauf, dass keine Werkzeuge oder Rähmchen in die Tiefe fallen können. Sicherheit geht vor!
  • Höhenflug: Bienen haben kein Problem mit der Höhe. Sie fliegen problemlos vom vierten Stock in den nächsten Park.

4. Die vergessene Tankstelle oder warum eine Bienentränke über Leben und Tod entscheidet

Ein oft unterschätzter Punkt bei der Standortwahl ist die Wasserversorgung. Bienen benötigen Wasser nicht nur zum Trinken, sondern vor allem als „Klimaanlage“. Durch das gezielte Verdampfen von Wasser im Stock kühlen sie die Bruttemperatur auf konstante 35°C herunter. Ein Volk kann an heißen Tagen bis zu einen halben Liter Wasser verbrauchen. Wenn am Standort keine natürliche Quelle (Bach, Teich) vorhanden ist, musst du eine Tränke anbieten.

Die perfekte Bienentränke bauen:

Bienen können nicht schwimmen und ertrinken in tiefem Wasser sofort. Deine Tränke braucht daher sichere „Landeplätze“.

  • Die Schalen-Methode: Nutze eine flache Tonschale und fülle sie mit Kieselsteinen, Murmeln oder Korken. Das Wasser sollte die Materialien nur zur Hälfte bedecken. So behalten die Bienen beim Trinken trockene Füße.
  • Moos als Schwamm: Moos ist der ideale Wasserspeicher. Es saugt sich voll und bietet eine weiche Landefläche. Zudem lieben Bienen das Aroma von leicht „angestandenem“ Wasser (mit Mineralien) viel mehr als frisches Leitungswasser.
  • Nachbarschaftshilfe bzw. Schutz des Nachbarn und auch dem eigenen Schutz durch Tränken: Besonders in der Stadt ist eine eigene Tränke aktiver Nachbarschaftsschutz. Bienen suchen sich sonst die nächste Feuchtigkeitsquelle und das ist oft der Pool des Nachbarn oder das nasse Handtuch auf der Liege. Wer eine attraktive eigene „Bar“ anbietet, lenkt den Flugverkehr gezielt um.

5. Was tun ohne eigenes Land? Die Suche nach Flächen

Du hast keinen eigenen Garten? Das Thema Lebensraum & Naturschutz bietet hier tolle Synergien:

  • Wanderplätze: Landwirte und Obstbauern freuen sich oft über Bestäuber. Ein freundliches Gespräch und ein späteres Glas Honig öffnen viele Tore.
  • Öffentliche Flächen: Manche Kommunen stellen im Rahmen von Biodiversitätsprojekten Flächen zur Verfügung.
  • Imkervereine: Viele Vereine haben Lehrbienenstände, an denen Anfänger oft eigene Völker aufstellen dürfen.

6. Imker-Planung im Januar: Deine Checkliste für den perfekten Standort

Gehe diese Liste durch, bevor du dich endgültig festlegst:

  • [ ] Erreichbarkeit: Kommst du auch bei Regen mit einer schweren Honigzarge (bis 25 kg) gut zum Stand?
  • [ ] Sonneneinstrahlung: Morgensonne vorhanden, Mittagsschatten möglich?
  • [ ] Stabilität: Steht die Beute waagerecht und sicher vor Sturm?
  • [ ] Trachtumfeld: Blüht im Umkreis von 3 km über das Jahr verteilt genug (Weiden, Obst, Linde, Efeu)?
  • [ ] Rechtliches: Ist die Anmeldung vorbereitet? Hast du mit den Nachbarn gesprochen?
  • [ ] Wasser: Ist ein Platz für die Bienentränke eingeplant?

Fazit: Jetzt ist die Zeit zum Handeln

Der Grundstein für ein erfolgreiches Bienenjahr wird im Winter gelegt. Ein gut gewählter Standort bedeutet weniger Stress für die Bienen und weniger Arbeit für dich. Nutze die kalten Tage, um deinen Plan zu finalisieren.

Falls du noch unsicher bist, ob du die volle Verantwortung für ein Volk tragen kannst oder welche Kosten auf dich zukommen, lies unbedingt meinen ausführlichen Ratgeber: Hobbyimker werden – Das solltest du unbedingt vorher wissen. Dort erfährst du alles über die rechtlichen Rahmenbedingungen und das nötige Startkapital.

Hast du schon einen Platz für deine zukünftigen Bienen im Auge? Schreib es mir gerne in die Kommentare und ich unterstütze dich gerne bei der Einschätzung!

Von Petra

„Ich bin Gartenfreundin und Honigliebhaberin, aber selbst keine Imkerin. Gemeinsam mit Imker Toni teile ich auf Hobby-Imker werden Erfahrungen, Tipps und Wissen rund um Bienen, Honig und das faszinierende Leben im Bienenstock. Dabei geht es auch um den Schutz der Natur und das Bewusstsein für die Bedeutung der Bienen.“