Was ist Honigtauhonig und warum er für Bienen eine besondere Rolle spielt
Was ist Honigtauhonig? Hier findest du die Erklärung zur Entstehung, zu Unterschieden gegenüber Blütenhonig und warumer für Bienen im Winter problematisch sein kann.
Als ich begann, mich intensiver mit Bienen zu beschäftigen, bin ich relativ schnell auf eine Frage gestoßen, die erstaunlich selten verständlich erklärt wird: Was genau ist eigentlich Honigtauhonig? Viele kennen ihn als dunklen, kräftigen Waldhonig. Doch seine Entstehung und seine Bedeutung für die Bienen sind komplexer, als es auf den ersten Blick scheint.
Dieser Beitrag richtet sich an Menschen, die Bienen ernst nehmen, sich informieren möchten und verstehen wollen, welche Zusammenhänge hinter Honig und Bienenhaltung stehen unabhängig davon, ob sie selbst Imker werden wollen oder nicht.
Honigtauhonig ist kein Blütenhonig
Der wichtigste Unterschied zuerst: Honigtauhonig entsteht nicht aus Blütennektar.
Während Blütenhonig aus dem Nektar von Pflanzen gewonnen wird, sammeln Bienen für Honigtauhonig eine andere Substanz, den sogenannten Honigtau. Dieser stammt nicht von Pflanzen selbst, sondern von pflanzensaugenden Insekten.
Vor allem Blattläuse, Schildläuse und Rindenläuse ernähren sich vom Saft bestimmter Bäume. Der Pflanzensaft enthält viel Zucker, mehr als diese Insekten verwerten können. Der überschüssige Zucker wird wieder ausgeschieden und legt sich als klebrige Tröpfchen auf Nadeln, Blätter und Rinde. Genau diesen Honigtau sammeln die Bienen.
Wo Honigtauhonig entsteht
Honigtauhonig findet man vor allem in waldreichen Gebieten. Besonders häufig entsteht er bei Bäumen wie:
- Fichte
- Tanne
- Kiefer
- Eiche
- Ahorn
Je nach Baumart spricht man von Tannenhonig, Fichtenhonig oder allgemein von Waldhonig. Streng genommen ist Waldhonig oft eine Mischung verschiedener Honigtauquellen.
Für die Bienen ist dabei weniger die Bezeichnung wichtig als die Zusammensetzung des gesammelten Honigs.
Woran man Honigtauhonig erkennt
Honigtauhonig unterscheidet sich deutlich von hellem Blütenhonig:
- dunkle Farbe, oft braun bis fast schwarz
- kräftiger, würziger Geschmack
- weniger blumige Aromen
- höherer Mineralstoffgehalt
- oft lange flüssig oder sehr fein kristallisierend
Viele Menschen empfinden Honigtauhonig als weniger süß, obwohl er ebenfalls viel Zucker enthält. Sein Geschmack erinnert eher an Wald, Harz oder Malz als an Blüten.
Warum Honigtauhonig für Bienen problematisch sein kann
Für Menschen ist Honigtauhonig ein geschätztes Naturprodukt. Für Bienen kann er vor allem im Winter jedoch problematisch werden.
Honigtauhonig enthält mehr sogenannte Mehrfachzucker und Mineralstoffe als Blütenhonig. Diese Stoffe können von den Bienen schwerer verdaut werden. Im Winter verlassen Bienen den Stock nicht, um Kot abzusetzen. Wenn die Verdauung belastet ist, füllt sich der Darm schneller.
Die Folge kann Durchfall sein, in der Imkerei als Ruhr bezeichnet. Das führt zu:
- verschmutzten Waben
- erhöhter Keimbelastung im Stock
- geschwächten oder sterbenden Völkern
Deshalb gilt Honigtauhonig als ungeeignetes Winterfutter für Bienen.
Was das für angehende Hobbyimker bedeutet
Wer darüber nachdenkt, Hobbyimker zu werden, sollte diese Zusammenhänge kennen. Es reicht nicht aus, Bienen einfach Honig sammeln zu lassen. Entscheidend ist zu wissen, welche Tracht die Bienen eingetragen haben.
In Jahren mit starkem Honigtauanteil wird dieser Honig in der Regel geerntet. Anschließend werden die Bienen gezielt zugefüttert, damit sie gut über den Winter kommen. Das ist kein Eingriff aus Bequemlichkeit, sondern Teil verantwortungsvoller Bienenhaltung.
Gerade an diesem Punkt zeigt sich, dass Imkerei Beobachtung, Wissen und rechtzeitiges Handeln erfordert.
Honigtauhonig und Naturzusammenhänge
Was mich an Honigtauhonig besonders fasziniert, ist der größere Zusammenhang. Seine Entstehung hängt ab von:
- Waldgesundheit
- Baumarten
- Insektenpopulationen
- Wetter und Klima
Honigtaujahre sind unregelmäßig und stark wetterabhängig. In manchen Jahren gibt es kaum Honigtau, in anderen sehr viel. Auch das zeigt, wie sensibel das ökologische Gleichgewicht ist, in dem sich Bienen bewegen.
Selbst Insekten, die oft nur als Schädlinge wahrgenommen werden, haben in diesem System also eine Rolle.
Honigtauhonig einordnen lernen
Honigtauhonig ist weder besser noch schlechter als Blütenhonig. Er ist ein anderes Produkt, mit einer anderen Herkunft und einer anderen Bedeutung für Menschen wie für Bienen.
Wer Honig nicht nur als Süßungsmittel, sondern als Naturprodukt versteht, beginnt hier meist genauer hinzuschauen. Und genau dieses Hinschauen ist eine gute Grundlage für alle, die sich ernsthaft mit Bienen beschäftigen möchten.
Fazit
Honigtauhonig ist ein echtes Waldprodukt. Er erzählt viel über Bäume, Insekten und ökologische Zusammenhänge. Für Menschen ist er ein geschmacklich besonderer Honig. Für Bienen erfordert er Aufmerksamkeit und Wissen, besonders mit Blick auf den Winter.
Also auch bei diesem Thema ist es wichtig Bescheid zu wissen falls man Hobbyimker werden möchte.
Auch in folgendem Beitrag erfährst du mehr zur artgerechten Bienenhaltung:
Hobbyimker werden – was man wirklich wissen sollte
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