Invasive Pflanzenarten erkennen: Wenn fremde Pflanzen zum Problem werden

Eine Pflanze kann schön blühen, schnell wachsen und trotzdem für einen Lebensraum zum Problem werden. Bei invasiven Pflanzenarten geht es deshalb nicht einfach darum, ob eine Pflanze ursprünglich aus Deutschland stammt oder von Menschen hierhergebracht wurde. Entscheidend ist, wie sie sich an ihrem neuen Standort verhält.

Wer invasive Pflanzenarten erkennen möchte, sollte deshalb genauer hinschauen: Breitet sich eine Pflanze stark aus? Verdrängt sie andere Pflanzen? Verändert sie einen Lebensraum so, dass heimische Arten schlechtere Bedingungen bekommen?

Das Thema betrifft auch den eigenen Garten. Denn wenn einzelne Pflanzen immer größere Flächen einnehmen, kann die Vielfalt zurückgehen. Und mit den Pflanzen verändern sich auch die Lebensbedingungen für Bienen, Wildbienen, Hummeln und andere Insekten.

Wer Balkon oder Garten für Insekten gestalten möchte, findet dazu auch unseren Beitrag Insektenfreundlicher Balkon.

Nicht jede fremde Pflanze ist invasiv

Das Wort „invasiv“ wird im Alltag schnell verwendet. Fachlich ist die Unterscheidung genauer.

Eine gebietsfremde Pflanze ist zunächst nur eine Art, die ursprünglich nicht in einem bestimmten Gebiet vorkam und durch menschlichen Einfluss dorthin gelangt ist. Viele solcher Pflanzen können sich bei uns etablieren, ohne größere Probleme zu verursachen.

Nur ein Teil breitet sich so stark aus, dass heimische Arten, Lebensgemeinschaften oder Lebensräume beeinträchtigt werden. Dann sprechen Fachleute von invasiven Arten.

Eine Pflanze muss also nicht automatisch entfernt werden, nur weil sie ursprünglich aus einer anderen Region stammt. Interessanter ist die Frage, was sie an ihrem neuen Standort macht.

Wenn eine Pflanze plötzlich überall wächst

Manchmal beginnt es ganz unscheinbar. Eine Pflanze steht am Rand des Grundstücks. Im nächsten Jahr sind es mehrere Exemplare. Danach findet man sie hinter dem Gartenzaun, am Wegrand oder einige Meter weiter.

Manche Pflanzen bilden sehr viele Samen, andere verbreiten sich über Ausläufer oder unterirdische Rhizome. Einige kommen mit trockenen, nährstoffarmen oder gestörten Standorten besonders gut zurecht.

Problematisch wird es vor allem dann, wenn daraus dichte Bestände entstehen. Wo vorher verschiedene Gräser, Kräuter und Stauden wuchsen, bleibt dann immer weniger Platz für andere Pflanzen.

Gerade an Flussufern, Waldrändern oder auf empfindlichen Flächen kann das Folgen für die heimische Pflanzenwelt haben.

Was invasive Pflanzen mit Bienen zu tun haben

Eine invasive Pflanze ist nicht automatisch nutzlos für Insekten. Manche gebietsfremden Pflanzen werden von Honigbienen, Wildbienen oder Hummeln besucht und liefern Nektar oder Pollen.

Die Robinie ist dafür ein gutes Beispiel. Ihre Blüten sind für Bienen interessant und sie ist in der Imkerei als Trachtpflanze bekannt. Gleichzeitig kann sie durch ihre Fähigkeit zur Stickstoffanreicherung die Bedingungen eines Standorts verändern. Auf nährstoffarmen Flächen können dadurch Pflanzen zurückgedrängt werden, die genau solche Bedingungen benötigen.

Das eigentliche Problem liegt deshalb häufig nicht in einer einzelnen Blüte, sondern in der Pflanzenvielfalt insgesamt.

Eine artenreiche Wiese bietet im Laufe des Jahres unterschiedliche Blüten. Im Frühjahr blühen beispielsweise Obstbäume und Weiden, später kommen Kräuter und Stauden hinzu. Wenn eine stark wachsende Pflanzenart andere verdrängt, verschwinden auch deren Blüten.

Für Wildbienen kann das besonders wichtig sein. Einige Arten sind auf bestimmte Pflanzen oder Pflanzengruppen angewiesen. Verschwindet die benötigte Pflanze aus einem Lebensraum, wird es auch für diese Bienenart schwieriger.

Wie unterschiedlich die Ansprüche unserer Wildbienen sind, zeigt unser Beitrag Wildbienenarten in Deutschland.

Fünf Pflanzen, bei denen genaueres Hinsehen sinnvoll ist

Einige gebietsfremde Pflanzen sind in Deutschland besonders bekannt. Dazu gehören Götterbaum, Japanischer Staudenknöterich, Riesen Bärenklau und Drüsiges Springkraut. Auch die Robinie zeigt, wie unterschiedlich die Auswirkungen sein können.

PflanzeProblematische WirkungErkennungsmerkmal
Götterbaum (Ailanthus altissima)Kann sich stark ausbreiten und heimische Vegetation verdrängenSchnell wachsender Baum mit großen gefiederten Blättern
Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica)Bildet dichte Bestände und kann andere Pflanzen zurückdrängenGroße Blätter und kräftige, hohle Stängel
Riesen Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)Kann Lebensräume verändern und ist für Menschen gefährlichSehr große Pflanze mit weißen Dolden
Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)Kann dichte Bestände bilden und heimische Ufervegetation verdrängenRosa bis purpurfarbene Blüten und auffällige Samenkapseln
Robinie (Robinia pseudoacacia)Kann durch Stickstoffanreicherung bestimmte Lebensräume verändernWeiße Blütentrauben und gefiederte Blätter

Götterbaum und Robinie zeigen die unterschiedlichen Seiten

Der Götterbaum fällt zunächst nicht unbedingt als problematische Pflanze auf. Er wächst schnell, kommt mit schwierigen Bedingungen zurecht und kann auch an Verkehrswegen oder in Städten auftreten. Insekten besuchen seine Blüten. Das allein macht ihn aber noch nicht zu einer guten Wahl für einen naturnahen Garten.

Unser Beitrag Götterbaum im Garten beschäftigt sich ausführlicher mit seiner Ausbreitung und seinem Nutzen für Insekten.

Auch bei der Robinie zeigt sich, warum eine einzelne Eigenschaft nicht für die Beurteilung einer Pflanze ausreicht. Für Bienen kann sie eine wichtige Nahrungsquelle sein, gleichzeitig kann sie bestimmte Lebensräume verändern.

Eine Pflanze kann also für Bienen interessant und aus naturschutzfachlicher Sicht trotzdem problematisch sein.

Der Riesen Bärenklau ist auch für Menschen ein Problem

Beim Riesen Bärenklau kommt ein weiterer Aspekt hinzu. Die Pflanze kann mehrere Meter hoch werden und fällt schon deshalb auf. Ihre großen weißen Blütenstände erinnern an andere Doldenblütler, weshalb eine sichere Bestimmung wichtig ist.

Der Pflanzensaft kann in Verbindung mit Sonnenlicht schwere Hautreaktionen auslösen. Wer eine solche Pflanze entdeckt, sollte deshalb nicht einfach mit bloßen Händen zur Schere greifen.

Hier geht es nicht nur um Naturschutz, sondern auch um die eigene Sicherheit.

Was invasive Pflanzen im Garten bedeuten

Wer seinen Garten naturnah gestalten möchte, muss nicht bei jeder unbekannten Pflanze sofort eingreifen.

Zuerst sollte die Pflanze sicher bestimmt werden. Danach lässt sich beurteilen, ob sie tatsächlich problematisch werden kann. Eine schnell wachsende Pflanze ist noch keine invasive Art. Auch eine Pflanze, die sich selbst aussät, muss nicht automatisch aus dem Garten verschwinden.

Anders sieht es aus, wenn sie andere Pflanzen zunehmend verdrängt oder sich über den Garten hinaus ausbreitet.

Auch bei der Entsorgung ist Vorsicht angebracht. Pflanzenreste problematischer Arten gehören nicht an den Waldrand, in die freie Landschaft oder an einen Bachlauf. Manche Pflanzen können sich sogar aus kleinen Pflanzenteilen weitervermehren.

Welche Entsorgung richtig ist, hängt von der jeweiligen Art und den örtlichen Vorgaben ab.

Vielfalt ist wichtiger als die einzelne Blüte

Beim Thema Bienen wird häufig über einzelne besonders bienenfreundliche Pflanzen gesprochen. Viel wichtiger ist aber die Kombination verschiedener Pflanzen und Blühzeiten.

Frühblüher können den Anfang machen, Obstbäume und Sträucher folgen, später kommen Kräuter und Stauden hinzu. So entsteht über einen längeren Zeitraum ein unterschiedliches Nahrungsangebot.

Auch die Bienentracht zeigt diesen Zusammenhang. Für Bienen zählt nicht nur eine einzelne Blüte, sondern das gesamte Angebot in ihrer Umgebung.

Ein Garten mit verschiedenen Blühzeiten kann deshalb wertvoller sein als eine Fläche, die nur für wenige Wochen spektakulär blüht.

Ein Insektenhotel allein reicht nicht

Auch bei Nisthilfen zeigt sich, dass einzelne Maßnahmen selten für sich allein stehen.

Ein Insektenhotel im Garten kann bestimmten Wildbienen geeignete Nistplätze bieten. Es ersetzt aber weder Nahrung noch andere Lebensräume. Viele Wildbienen nisten außerdem im Boden und nutzen solche Nisthilfen überhaupt nicht.

Für bodennistende Arten kann ein Sandarium interessant sein. Entscheidend bleibt das Zusammenspiel: Nahrung, Nistmöglichkeiten und geeignete Lebensräume müssen zusammenpassen.

Streuobstwiesen zeigen, wie Vielfalt funktioniert

Ein gutes Beispiel für einen vielfältigen Lebensraum sind Streuobstwiesen.

Dort stehen unterschiedliche Obstbäume, darunter wächst eine Wiese mit verschiedenen Pflanzen und über das Jahr verändert sich das Blütenangebot. Im Frühjahr öffnen sich die Obstblüten, später kommen die Pflanzen der Wiese hinzu. Warum Streuobstwiesen wichtig sind

Solche Lebensräume zeigen anschaulich, dass Artenvielfalt nicht aus einer einzigen besonders wertvollen Pflanze entsteht. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Arten und Strukturen.

Auch im kleinen Garten lässt sich dieser Gedanke aufgreifen.

Nicht jede fremde Pflanze muss verschwinden

Das ist der wichtigste Punkt bei diesem Thema.

Wer invasive Pflanzenarten erkennen möchte, sollte nicht mit der einfachen Regel „fremd gleich schlecht“ arbeiten. Entscheidend ist die tatsächliche Wirkung einer Pflanze.

Breitet sie sich stark aus? Verdrängt sie heimische Pflanzen? Verändert sie einen empfindlichen Lebensraum?

Oder wächst sie einfach seit Jahren unauffällig im Garten?

Diese Unterschiede sind entscheidend.

Wer sich mit Pflanzen beschäftigt, schaut irgendwann anders durch den eigenen Garten. Man achtet darauf, wann eine Pflanze blüht, welche Insekten sie besuchen und ob sie sich plötzlich an immer mehr Stellen ausbreitet.

Aus Gartenarbeit wird Beobachtung.

Und genau diese Beobachtung kann ein guter Anfang für Naturschutz sein.

Fazit

Invasive Pflanzenarten zu erkennen hilft dabei, Veränderungen im Garten und in der Natur rechtzeitig wahrzunehmen. Problematisch sind nicht alle gebietsfremden Pflanzen, sondern Arten, die sich stark ausbreiten und heimische Pflanzen oder Lebensräume beeinträchtigen.

Für Bienen ist vor allem die Vielfalt entscheidend. Wo unterschiedliche Pflanzen wachsen und über eine längere Zeit Blüten zur Verfügung stehen, finden Honigbienen, Wildbienen und andere Insekten ein abwechslungsreicheres Nahrungsangebot.

Ein naturnaher Garten muss dafür nicht groß und perfekt sein. Unterschiedliche Pflanzen, verschiedene Blühzeiten, geeignete Nistmöglichkeiten und ein aufmerksamer Blick können bereits viel bewirken.

Denn manchmal beginnt Naturschutz ganz einfach damit, dass man im eigenen Garten stehen bleibt und sich fragt:

Was wächst hier eigentlich?

Von Petra

Ich liebe die Natur, meinen Garten und Honig – und bin neugierig auf das faszinierende Leben der Bienen. Ich bin selbst keine Imkerin, sondern begleite die Welt der Imkerei mit offenen Augen und vielen Fragen. Gemeinsam mit meinem Imkerfreund Toni entdecke ich auf Hobbyimker-werden die Welt der Bienen und teile Wissen, Erfahrungen und Geschichten für alle, die Bienen und ihre Welt besser verstehen möchten.