Olivenbäume und Bienen: Was finden Bienen an Olivenblüten?

Bienen können Olivenblüten besuchen und dabei Pollen sammeln. Als wichtige Nektarquelle für Honigbienen spielen Olivenblüten dagegen kaum eine Rolle. Deshalb ist auch echter Olivenblütenhonig ausgesprochen selten. Für Bienen ist bei einem Olivenhain vor allem entscheidend, welche Pflanzen zwischen und neben den Bäumen wachsen.

Das macht Olivenhaine zu einem interessanten Beispiel dafür, dass ein einzelner Baum noch keinen vollständigen Lebensraum für Bienen schafft.

Was finden Bienen an Olivenbäumen?

Olivenbäume blühen in den Anbaugebieten des Mittelmeerraums meist im Frühjahr. Die kleinen, eher unscheinbaren Blüten sitzen in Blütenständen und produzieren Pollen.

Honigbienen können die Blüten besuchen und den Pollen sammeln. Pollen ist für ein Bienenvolk wichtig, weil er unter anderem zur Versorgung und Aufzucht der Brut benötigt wird.

Beim Nektar sieht es anders aus. Olivenblüten gelten nicht als ergiebige Nektarquelle. Für ein Bienenvolk, das in einem Olivenhain steht, reicht die Olivenblüte deshalb nicht aus, um den gesamten Nahrungsbedarf zu decken.

Entscheidend ist also nicht allein der Olivenbaum, sondern das gesamte Umfeld.

Gibt es Olivenblütenhonig?

Die Bezeichnung Olivenblütenhonig klingt zunächst logisch, ist aber mit Vorsicht zu betrachten.

Da Olivenblüten nur wenig oder keinen für die Honigproduktion bedeutenden Nektar liefern, ist ein Honig, der ausschließlich aus Olivenblüten stammt, kaum zu erwarten. Bienen sammeln in einem Olivenhain deshalb meist auch an anderen Pflanzen.

Zwischen den Bäumen können beispielsweise Kräuter, Gräser und andere Blütenpflanzen wachsen. Je nach Region und Jahreszeit verändert sich dieses Angebot erheblich.

Ein Honig aus einer Olivenanbauregion muss deshalb nicht automatisch Olivenblütenhonig sein. Seine Zusammensetzung hängt davon ab, welche Trachtpflanzen die Bienen tatsächlich nutzen.

Der Olivenhain als Lebensraum

Für Bienen kann ein Olivenhain interessant sein, wenn zwischen den Bäumen unterschiedliche Pflanzen wachsen.

Bleibt der Boden weitgehend frei von Vegetation oder wird die natürliche Bodenflora regelmäßig entfernt, gibt es entsprechend weniger zusätzliche Blüten. Werden dagegen Kräuter und andere Pflanzen zugelassen, verlängert sich das Nahrungsangebot.

Das gilt nicht nur für Honigbienen.

Auch Wildbienen, Hummeln und andere Insekten profitieren von einem vielfältigen Pflanzenbestand. Unterschiedliche Pflanzen blühen zu unterschiedlichen Zeiten und stellen dadurch über längere Zeit Nahrung zur Verfügung.

Ein Olivenhain mit blühender Begleitvegetation ist deshalb ökologisch etwas anderes als eine intensiv gepflegte Fläche, auf der zwischen den Bäumen kaum etwas wächst.

Bienen brauchen mehr als einen einzelnen Baum

Das Beispiel Olivenbaum lässt sich auch auf den eigenen Garten übertragen.

Eine einzelne Pflanze kann für bestimmte Insekten interessant sein. Für ein dauerhaft gutes Nahrungsangebot kommt es aber auf die Vielfalt und die zeitliche Abfolge der Blüte an.

Im Frühjahr können beispielsweise Obstbäume und Weiden Nahrung liefern. Später folgen Kräuter, Sträucher und Stauden. Dadurch entsteht eine sogenannte Trachtfolge, bei der zu unterschiedlichen Zeiten verschiedene Nahrungsquellen zur Verfügung stehen.

Auch unsere Bienentracht beschäftigt sich mit diesem Zusammenhang.

Für Honigbienen ist das besonders wichtig, weil ein Bienenvolk über einen langen Zeitraum große Mengen an Nahrung benötigt.

Was haben Oliven und Honig miteinander zu tun?

Honig aus Regionen mit Olivenanbau kann natürlich trotzdem eine besondere regionale Prägung haben. Das liegt aber nicht automatisch an den Olivenblüten.

Welche Pflanzen die Bienen tatsächlich anfliegen, hängt unter anderem von der Landschaft, der Jahreszeit und dem verfügbaren Blütenangebot ab.

In mediterranen Regionen können beispielsweise Thymian, Rosmarin, Zitruspflanzen oder andere typische Pflanzen zur Tracht beitragen. In anderen Gegenden sieht die Zusammensetzung wieder anders aus.

Deshalb sollte man bei einem Honig nicht allein vom Standort der Bienenstöcke auf eine bestimmte Tracht schließen.

Das gilt auch für Honige, die in der Nähe von Olivenhainen erzeugt werden.

Olivenanbau und Artenvielfalt

Für die Artenvielfalt ist die Bewirtschaftung eines Olivenhains entscheidend.

Wo zwischen den Bäumen natürliche Vegetation stehen bleiben darf, entstehen zusätzliche Nahrungs- und Rückzugsangebote. Blühende Kräuter können Insekten Nahrung bieten, während Bodenstrukturen und Totholz weiteren Arten Lebensraum geben können.

Eine möglichst vielfältige Bewirtschaftung kann deshalb mehr für die Insektenwelt leisten als die bloße Anwesenheit von Olivenbäumen.

Das ist ein wichtiger Unterschied: Nicht der Olivenbaum allein macht einen Olivenhain bienenfreundlich.

Und was ist mit der Bestäubung der Oliven?

Auch hier lohnt sich ein genauer Blick.

Olivenbäume werden überwiegend durch den Wind bestäubt. Bienen sind deshalb für die Bestäubung der Olivenblüten nicht in dem Maß notwendig, wie es beispielsweise bei vielen Obstpflanzen der Fall ist.

Trotzdem können Insekten die Blüten besuchen und dabei Pollen aufnehmen.

Die Beziehung zwischen Olivenbaum und Bienen ist daher weniger eine gegenseitige Abhängigkeit als ein Beispiel dafür, wie verschiedene Arten denselben Lebensraum nutzen.

Was können wir daraus für den eigenen Garten lernen?

Ein Olivenbaum kann auch in einem Garten interessant sein, wenn das Klima und der Standort passen. Für die heimische Insektenwelt sollte man sich aber nicht darauf verlassen, dass ein einzelner Baum automatisch ein gutes Nahrungsangebot schafft.

Viel sinnvoller ist eine Kombination verschiedener Pflanzen mit unterschiedlichen Blühzeiten.

Wer seinen Garten für Bienen und andere Insekten interessant machen möchte, findet dazu auch Anregungen im Beitrag Bienenfreundliche Pflanzen.

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Pflanzen nebeneinanderzusetzen. Entscheidend ist, dass über einen möglichst langen Zeitraum unterschiedliche Nahrungsquellen vorhanden sind.

Fazit: Olivenbäume und Bienen sind keine klassische Symbiose

Bienen können Olivenblüten besuchen und deren Pollen sammeln. Als bedeutende Nektarquelle für Honigbienen sind Olivenblüten jedoch nicht bekannt. Deshalb ist echter Olivenblütenhonig ausgesprochen selten.

Für die Bienenwelt eines Olivenhains ist vielmehr die gesamte Vegetation entscheidend. Blühende Pflanzen zwischen den Bäumen können das Nahrungsangebot deutlich erweitern und damit nicht nur Honigbienen, sondern auch Wildbienen und andere Insekten unterstützen.

Der Olivenbaum zeigt damit etwas Grundsätzliches: Für Bienen zählt nicht die einzelne Pflanze, sondern das Angebot des gesamten Lebensraums.

Von Petra

Ich liebe die Natur, meinen Garten und Honig – und bin neugierig auf das faszinierende Leben der Bienen. Ich bin selbst keine Imkerin, sondern begleite die Welt der Imkerei mit offenen Augen und vielen Fragen. Gemeinsam mit meinem Imkerfreund Toni entdecke ich auf Hobbyimker-werden die Welt der Bienen und teile Wissen, Erfahrungen und Geschichten für alle, die Bienen und ihre Welt besser verstehen möchten.

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