Eine gute Bienenweide bietet vom Frühjahr bis in den Herbst hinein Nahrung und hilft dabei, Trachtlücken möglichst klein zu halten. Dafür kommt es vor allem auf die richtige Auswahl und Kombination der Pflanzen an. Seit ich mich intensiver mit der Welt der Bienen beschäftige, gehe ich deshalb mit ganz anderen Augen durch Gärten und Anlagen. Und ich habe festgestellt eine Bienenweide anlegen ist gar nicht so schwer.
Früher habe ich vor allem die Farben der Blumen bewundert. Heute schaue ich genauer hin: Was blüht gerade und finden Bienen hier eigentlich genügend Nahrung? Denn eine schöne Blüte allein macht noch keine gute Bienenweide. Entscheidend ist, dass über die Gartensaison hinweg immer wieder Pollen und Nektar zur Verfügung stehen.
Was bedeutet Bienenweide?
Als Bienenweide bezeichnet man Pflanzen, die Bienen Nahrung in Form von Nektar und Pollen bieten. In der Imkerei spielt dabei der Begriff Tracht eine wichtige Rolle. Gemeint ist das vorhandene Nahrungsangebot, das ein Bienenvolk in einer bestimmten Zeit nutzen kann.
Heute geht es bei einer Bienenweide längst nicht mehr nur um Honigbienen. Auch Wildbienen, Hummeln und andere Insekten profitieren von einem abwechslungsreichen Blütenangebot. Deshalb ist eine Mischung verschiedener Pflanzen sinnvoller als ein Beet, in dem alles gleichzeitig blüht.
Besonders wertvoll sind Pflanzen, deren Blütezeiten sich ergänzen. So beginnt die Nahrungssaison mit den ersten Frühblühern und reicht über Kräuter und Stauden bis zu spät blühenden Pflanzen im Spätsommer und Herbst.
Die Geschichte der Bienenweide
Der Gedanke ist allerdings viel älter als der heutige Begriff vom bienenfreundlichen Garten. Für Imker war es schon immer wichtig zu wissen, wo ihre Bienen Nahrung finden und welche Pflanzen zu welcher Jahreszeit blühen.
Wiesen, Obstbäume, Hecken, Weiden, Linden oder große Heideflächen konnten wichtige Trachtquellen sein. Die Landschaft selbst stellte die Bienenweide bereit. Mit der Veränderung der Landwirtschaft und der Landschaft veränderte sich auch dieses natürliche Angebot.
Eine interessante Verbindung zwischen früher und heute findet sich im Bauerngarten. Dort standen Gemüse, Obst, Kräuter und Blumen ganz selbstverständlich nebeneinander. Ringelblumen, Malven, Stockrosen und blühende Kräuter waren keine speziell geplante Insektenbepflanzung. Sie gehörten einfach zum Garten.
Aus heutiger Sicht war diese Mischung ausgesprochen wertvoll. Während eine Nutzpflanze verblühte, begann an anderer Stelle bereits die nächste zu blühen. Viele Dinge, die wir heute wieder bewusst für eine Bienenweide einsetzen, waren im traditionellen Bauerngarten längst selbstverständlich.
Frühblüher sorgen für den Start
Nach dem Winter sind die ersten Blüten besonders wichtig. Weiden, Krokusse, Schneeglöckchen, Blaustern und andere Frühblüher können bereits früh im Jahr Pollen und Nektar liefern.
Schon wenige Frühblüher können jetzt einen großen Unterschied machen. Viele dieser ersten Blüten wachsen aus Blumenzwiebeln, die bereits im Herbst in die Erde kommen und uns im Frühjahr mit Krokussen, Schneeglöckchen, Blaustern oder anderen frühen Blüten überraschen. Damit lässt sich auch auf kleinen Flächen frühzeitig ein wichtiges Nahrungsangebot für Bienen schaffen.
Auch blühende Obstbäume gehören zu den wichtigen Frühlingspflanzen. Besonders schön lässt sich das auf Streuobstwiesen beobachten, wo zahlreiche Bäume gleichzeitig blühen und damit zeitweise ein reiches Nahrungsangebot schaffen.
Von Kräutern bis zu Sommerblumen
Mit dem Frühling wächst die Auswahl. Borretsch, Katzenminze, Klee, Kornblumen, Ringelblumen, Phacelia und viele andere Pflanzen bringen Farbe in den Garten und bieten gleichzeitig Nahrung.
Auch Kräuter dürfen dabei ihren Platz bekommen. Salbei, Thymian, Oregano oder andere Küchenkräuter sind nicht nur praktisch, wenn man sie ernten kann. Lässt man sie blühen, werden sie zu einer zusätzlichen Nahrungsquelle. Gerade diese Verbindung von Nutzgarten und Bienenweide erinnert wieder an den traditionellen Bauerngarten. So lassen sich Kräuter für Bienen ganz selbstverständlich in die Gartenplanung einbeziehen.
Im Sommer kommt es darauf an, nicht nach den ersten großen Blüten nachzulassen. Lavendel, ungefüllte Dahlien, Sonnenblumen, Fetthenne und Bartblume können je nach Standort für weitere Blüten sorgen. Wer unterschiedliche Pflanzen miteinander kombiniert, kann damit Zeiten überbrücken, in denen auf Wiesen oder in der Umgebung gerade wenig blüht.
Welche Pflanzen wann Nahrung liefern, lässt sich dabei gut über die verschiedenen Trachtpflanzen und ihre Blütezeiten planen.
Auch weniger bekannte Pflanzen können dazugehören und auf einer Bienenweide gedeihen
Bei der Auswahl muss es nicht immer die klassische Bienenpflanze sein. Interessant sind auch Pflanzen, die etwas weniger bekannt sind und eine passende Blütezeit mitbringen.
Dazu gehören beispielsweise Garten-Salbei, Eisenkraut, Sommer-Zierlauch, Schafgarbe, Sonnenauge und Blauraute. Sie bringen unterschiedliche Blütenformen und Blütezeiten in den Garten und können dadurch die vorhandene Auswahl ergänzen.
Dabei sollte man allerdings nicht jede Pflanze pauschal als „bienenfreundlich“ oder „nicht bienenfreundlich“ einordnen. Hibiskus ist dafür ein schönes Beispiel. Hibiskus ist nicht gleich Hibiskus. Je nach Art und Sorte können die Pflanzen für Bienen unterschiedlich interessant sein. Gerade deshalb lohnt es sich, bei der Auswahl genauer hinzuschauen und nicht allein nach Blütenfarbe oder Aussehen zu entscheiden.
Eine Bienenweide anlegen braucht nicht viel Platz und auch nicht viel Geld
Wer eine Bienenweide anlegen möchte, braucht keinen großen Garten. Ein kleines Beet, ein Hochbeet, ein Balkonkasten oder eine sonnige Ecke können bereits etwas bewirken.
Wichtig ist vor allem eine abwechslungsreiche Auswahl. Dabei muss nicht alles gleichzeitig blühen. Im Gegenteil: Unterschiedliche Blütezeiten sind erwünscht.
Auch ein wenig Unordnung darf dazugehören. Verblühte Stauden müssen nicht sofort abgeschnitten werden. Trockene Pflanzenstängel und offene Bodenstellen können Wildbienen als Lebensraum dienen. So wird aus einer reinen Blütenfläche nach und nach ein vielseitiger Gartenbereich.
Wer die Entwicklung über die Jahreszeiten beobachtet, bekommt dabei ein ganz anderes Gefühl für den Garten. Im Frühjahr erscheinen die ersten Bienen an den Krokussen, später summt es im Salbei und Lavendel, und im Herbst sind es andere Blüten, die noch besucht werden. Genau dieser Wechsel macht eine Bienenweide lebendig.
Eine Bienenweide anzulegen bedeutet deshalb nicht, möglichst viele Blumen zu kaufen. Es geht vielmehr darum, über das Jahr hinweg Nahrung anzubieten und dabei wieder mehr Vielfalt in den eigenen Garten zu bringen.
Vielleicht ist das auch ein schöner Gedanke, den uns die Geschichte der Bienenweide mitgibt: Vieles, was heute wieder als naturnahe Gartengestaltung empfohlen wird, war früher ganz selbstverständlich. Der Bauerngarten, blühende Obstwiesen und vielfältige Landschaften boten den Bienen Nahrung, ohne dass dafür eigens ein „Insektengarten“ geplant werden musste.
Heute können wir diese Idee im Kleinen wieder aufgreifen. Ein paar gut ausgewählte Pflanzen reichen oft aus, um aus einem Stück Garten oder einem Balkon einen Ort zu machen, an dem es summt und blüht. Eine kleine private Bienenweide.

