Oxymel: Das vergessene Elixier aus Honig und Essig
Wer sich intensiv mit Bienenprodukten beschäftigt, stößt früher oder später auf einen Begriff, der fast wie ein Zaubertrank klingt: Oxymel. In einer Zeit, in der wir uns wieder mehr auf natürliche Heilmittel besinnen, erlebt dieser sogenannte Sauerhonig eine wahre Renaissance. Doch was verbirgt sich hinter dieser griechischen Bezeichnung, und warum findet man dieses Fläschchen heute wieder vermehrt in den Vorratsschränken gesundheitsbewusster Menschen?
Oxymel ist im Grunde eine Mischung aus zwei der ältesten Lebensmittel der Menschheit: Honig (meli) und Essig (oxys). Schon in der Antike, bei Hippokrates und später in der Klostermedizin des Mittelalters, war dieses Elixier als Stärkungsmittel und Basis für Kräuterauszüge bekannt.
Die Kraft der zwei Komponenten
Das Besondere an Oxymel ist die Synergie seiner Grundzutaten. Honig liefert wertvolle Enzyme, Mineralstoffe und eine sanfte Süße, während naturtrüber Apfelessig die Verdauung anregt und den Säure Basen Haushalt des Körpers unterstützt.
Zusammen bilden sie eine Tinktur, die ohne Alkohol auskommt. Das macht Oxymel zu einer idealen Alternative für Kinder oder Menschen, die bewusst auf alkoholische Pflanzenauszüge verzichten möchten. Oft werden in diese Basis noch Heilkräuter wie Thymian, Salbei oder Rosmarin eingelegt, deren Wirkstoffe durch die Essigsäure und den Honig extrahiert und konserviert werden.
Oxymel vs. Honigwein: Wo liegt der Unterschied?
Oft wird Oxymel mit Honigwein, dem klassischen Met, verwechselt. Doch die beiden Produkte haben grundlegend unterschiedliche Entstehungsgeschichten und Wirkweisen:
Honigwein (Met)
Honigwein entsteht durch Gärung. Hierbei wird Honig mit Wasser verdünnt und durch die Zugabe von Hefe in Alkohol umgewandelt. Met ist ein Genussmittel mit einer langen kulturellen Tradition, das oft warm oder kalt getrunken wird. Der Fokus liegt hier auf dem Aroma und dem Alkoholgehalt, der meist zwischen zehn und fünfzehn Prozent liegt.
Oxymel (Sauerhonig)
Der Sauerhonig ist ein Auszugsmittel und kein alkoholisches Getränk. Es findet keine alkoholische Gärung statt. Stattdessen nutzt man die konservierende Wirkung von Honig und Essig. Während Met ein Wein ist, ist Oxymel eher eine medizinische Tinktur oder ein alkoholfreier Sirup. Der Geschmack ist eine spannende Balance aus süß und sauer, die den Gaumen erfrischt und den Körper vitalisiert.
Wie verwendet man Oxymel im Alltag?
Wenn du ein Fläschchen Oxymel im Kühlschrank hast, besitzt du ein echtes Multitalent. Die klassische Anwendung ist die Morgenschorle: Rühre ein bis zwei Esslöffel Oxymel in ein Glas lauwarmes Wasser und trinke es auf nüchternen Magen. Es weckt die Lebensgeister und bereitet den Magen optimal auf den Tag vor.
In der Küche lässt sich Oxymel wunderbar als Basis für Salatdressings verwenden. Die Kombination aus Säure und Süße ist bereits perfekt ausbalanciert, sodass du oft nur noch etwas Öl und Salz hinzufügen musst. Auch als natürlicher Isodrink nach dem Sport, gemischt mit Mineralwasser, ist es eine hervorragende Alternative zu künstlichen Erfrischungsgetränken.
Warum Oxymel in die moderne Hausapotheke gehört
Besonders in der kalten Jahreszeit ist Oxymel ein treuer Begleiter. Bei ersten Anzeichen von Halsschmerzen wirkt die Mischung antibakteriell und beruhigend auf die Schleimhäute. Es ist faszinierend zu sehen, wie ein Wissen, das über Jahrhunderte in Vergessenheit geraten war, heute wieder so aktuell ist. Das Elixier zeigt uns einmal mehr, dass die Bienen uns weit mehr schenken als nur ein süßes Lebensmittel: Sie liefern uns die Basis für eine ganzheitliche Gesundheit im Einklang mit der Natur.
Wer Bienen beobachtet und ihr Jahr begleitet, lernt auch den Wert ihrer Produkte neu zu schätzen. Ein Löffel Oxymel ist im Grunde ein Schluck konzentrierte Naturkraft, die uns gut durch das Jahr trägt.
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