Lavendelhonig kennt man vielleicht noch, aber Avocadohonig, Kaffeeblütenhonig oder Olivenblütenhonig da denkt man schon eher was für ungewöhnliche Honigsorten. Tatsächlich sammeln Bienen den Nektar vieler Pflanzen, die wir nicht unbedingt mit Honig verbinden. Bei manchen Bezeichnungen lohnt sich allerdings ein genauer Blick: Nicht jede Pflanze, die auf einem Honigglas genannt wird, ist auch wirklich die botanische Herkunft des Honigs.
Honig entsteht aus dem Nektar oder Honigtau, den Bienen sammeln und im Bienenstock weiterverarbeiten. Welche Pflanzen dabei eine Rolle spielen, hängt stark von der Landschaft und der jeweiligen Blütezeit ab. Deshalb gibt es neben bekannten Sorten wie Raps-, Linden- oder Robinienhonig auch Honige aus Regionen, in denen ganz andere Pflanzen die Landschaft prägen.
Manche davon sind in Deutschland kaum bekannt. Andere werden hier angeboten, obwohl die Pflanzen selbst vor allem in wärmeren Ländern wachsen.
Was sind ungewöhnliche Honigsorten – Was ist Sortenhonig?
Ein Sortenhonig stammt überwiegend von einer bestimmten Pflanzenart oder Pflanzengruppe. Für die Bezeichnung reicht es nicht aus, dass die betreffende Pflanze irgendwo in der Umgebung der Bienenstöcke wächst.
Nach der deutschen Honigverordnung muss der Honig vollständig oder überwiegend aus der genannten Quelle stammen und die entsprechenden Merkmale dieser Herkunft aufweisen. Dazu können beispielsweise Farbe, Geruch, Geschmack, Pollenbild und weitere physikalisch-chemische Eigenschaften gehören.
Das bedeutet auch: Bienen sammeln nicht ausschließlich an einer einzigen Pflanzenart. Sie nutzen das Blütenangebot, das sie in ihrer Umgebung finden. Erst wenn eine bestimmte Tracht deutlich überwiegt und sich die Herkunft entsprechend nachweisen lässt, kann ein Honig als Sortenhonig bezeichnet werden.
Gehört Lavendelhonig zur Gruppe ungewöhnliche Honigsorten?
Lavendelhonig ist tatsächlich möglich. Wo größere Lavendelflächen blühen, können Bienen dort große Mengen Nektar sammeln.
Der Honig wird häufig mit einem feinen, blumigen Aroma verbunden. Je nach Herkunft kann sich sein Geschmack allerdings deutlich unterscheiden.
Auch für Lavendel gilt: Ein paar Pflanzen im heimischen Garten machen noch keinen Lavendelhonig. Dafür müsste die Pflanze in einem Umfang blühen, der den Bienen eine entsprechende Tracht bietet.
Lavendel selbst kann trotzdem eine wertvolle Ergänzung für einen bienenfreundlichen Garten sein. Für die Bienen zählt schließlich nicht nur eine einzelne Pflanze, sondern das gesamte Blütenangebot.
Gehört Avocadohonig zur Gruppe ungewöhnliche Honigsorten?
Avocadohonig klingt zunächst ungewöhnlich, ist aber tatsächlich belegt.
Die Bienen sammeln dabei Nektar aus den Blüten der Avocadobäume. Der Honig entsteht also nicht aus der Frucht und enthält auch nicht automatisch den Geschmack einer Avocado.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben Avocadohonig anhand seines Pollenspektrums und weiterer Eigenschaften untersucht. In entsprechenden Anbaugebieten kann die Avocado eine so wichtige Trachtquelle sein, dass Honig mit überwiegender botanischer Herkunft von der Avocado gewonnen werden kann.
Für deutsche Verbraucher ist diese Honigsorte vor allem deshalb interessant, weil sie zeigt, wie stark die Zusammensetzung eines Honigs von der jeweiligen Landschaft abhängt.
Ungewöhnliche Honigsorten: Kaffeeblütenhonig
Auch die Kaffeepflanze kann zur Honigproduktion beitragen. Dabei sammeln die Bienen an den Kaffeeblüten, nicht an den später geernteten Kaffeebohnen.
Kaffeeblütenhonig wird unter anderem aus Anbaugebieten in Asien angeboten. Wissenschaftliche Untersuchungen haben solche Honige ebenfalls untersucht und ihre Eigenschaften mit der botanischen Herkunft in Verbindung gebracht.
Der Name kann deshalb leicht in die Irre führen: Mit Kaffee im Sinne eines zugesetzten Aromas muss ein solcher Honig nichts zu tun haben.
Die Bienen nutzen schlicht die Blüten der Kaffeepflanze.
Thymian-, Rosmarin- und Eukalyptushonig
Auch einige Kräuter und andere Pflanzen, die wir eher aus Küche oder Mittelmeerregion kennen, können die Grundlage für Sortenhonige bilden.
Thymianhonig wird beispielsweise aus Regionen angeboten, in denen Thymian in größerem Umfang vorkommt. Ähnliches gilt für Rosmarinhonig.
Bei Eukalyptushonig ist die botanische Herkunft ebenfalls beschrieben. Die deutschen Leitsätze für Honig berücksichtigen Eukalyptushonig ausdrücklich anhand bestimmter Merkmale.
Solche Honige zeigen, dass „Blütenhonig“ nicht zwangsläufig bedeutet, dass die Bienen auf einer bunten Mischung aus vielen Gartenblumen gesammelt haben. Auch einzelne Pflanzenarten können unter passenden Bedingungen eine wichtige Tracht darstellen.
Olivenblütenhonig ist nicht dasselbe wie Honig mit Oliven
Beim Begriff Olivenhonig lohnt sich eine genauere Unterscheidung.
Olivenbäume blühen und ihre Blüten können von Bienen besucht werden. Es gibt deshalb tatsächlich Honig, der in Olivenhainen gewonnen und als Olivenblütenhonig angeboten wird.
Das bedeutet aber nicht, dass die Bienen Nektar aus den Oliven selbst sammeln. Die Früchte entstehen erst später aus den Blüten.
Außerdem kann ein Produkt mit Honig und Olivenbestandteilen ebenfalls unter einer ähnlichen Bezeichnung angeboten werden. Das ist etwas anderes als ein Honig, dessen botanische Herkunft auf den Olivenblüten beruht.
Bei einem ungewöhnlichen Honig lohnt sich deshalb der Blick auf Bezeichnung, Herkunft und Zutaten.
Hibiskushonig
Beim Hibiskushonig ist die Situation nicht ganz so eindeutig wie bei Lavendel- oder Avocadohonig.
Hibiskusblüten werden von Honigbienen besucht. Untersuchungen haben beispielsweise bei Hibiscus sabdariffa gezeigt, dass Honigbienen während der Blüte Nektar und Pollen nutzen.
Daraus folgt aber nicht automatisch, dass jeder Honig mit der Bezeichnung „Hibiskushonig“ ein monofloraler Hibiskushonig ist.
Im Handel findet man Produkte, bei denen Honig und Hibiskus miteinander kombiniert werden. Hier kann Hibiskus beispielsweise als Blüte oder Bestandteil des Produkts vorkommen.
Ist Hibiskus bienenfreundlich?
Für die Beurteilung ist deshalb entscheidend, was genau auf dem Etikett steht.
Ein Honig, dem Hibiskus nachträglich zugesetzt wurde, ist nicht dasselbe wie ein Honig, dessen botanische Herkunft überwiegend auf Hibiskusblüten zurückgeht. Nach der deutschen Honigverordnung darf Honig grundsätzlich keine anderen Stoffe als Honig enthalten.
Nicht jede ungewöhnliche Honigsorte ist selten
Ob ein Honig ungewöhnlich erscheint, hängt auch davon ab, wo man lebt.
In Deutschland sind Raps, Obstbäume, Löwenzahn, Robinie oder Linde typische Trachtpflanzen. In anderen Regionen bestimmen dagegen Lavendel, Avocado, Kaffee, Eukalyptus oder Zitruspflanzen das Blütenangebot.
Das lässt sich auch an der Imkerei auf dem Balkan beobachten. Die unterschiedlichen Landschaften und Pflanzenwelten bringen dort eigene Trachtbedingungen und regionale Honigspezialitäten hervor.
In Slowenien beispielsweise hat die Bienenhaltung eine lange Tradition und ist eng mit der regionalen Kultur verbunden. Die berühmten bemalten Bienenstockstirnbretter, die Panjske končnice, erzählen davon auf ganz besondere Weise.
Woran erkennt man einen ungewöhnlichen Sortenhonig?
Bei einem Honig mit ungewöhnlichem Namen sollte man nicht nur auf die Vorderseite des Glases schauen.
Interessant sind zunächst die Herkunftsangabe und die genaue Bezeichnung. Wird eine bestimmte Pflanze als botanische Herkunft genannt oder handelt es sich um einen Honig, der mit dieser Pflanze kombiniert wurde?
Auch die Zutatenliste ist wichtig. Bei echtem Honig darf nach der deutschen Honigverordnung grundsätzlich nichts anderes zugesetzt sein.
Bei Sortenhonigen lässt sich die botanische Herkunft außerdem anhand verschiedener Merkmale überprüfen. Dazu gehört unter anderem die Pollenanalyse. Sie kann zeigen, welche Pflanzen im Honig vertreten sind.
Allerdings bedeutet ein bestimmter Pollenanteil nicht bei jeder Pflanze automatisch dasselbe. Die botanische Beurteilung von Honig ist deshalb eine Aufgabe für Fachleute und nicht einfach eine Frage, die sich mit einem Blick durch ein Honigglas beantworten lässt.
Honig und die Pflanzenwelt
Ungewöhnliche Honigsorten erzählen viel über die Landschaft, in der die Bienen unterwegs sind.
Lavendelhonig verbindet man mit großen Lavendelfeldern, Avocadohonig mit Avocadoplantagen und Kaffeeblütenhonig mit den Anbaugebieten der Kaffeepflanze. Bei Eukalyptushonig können ausgedehnte Eukalyptusbestände die Tracht bestimmen.
Das macht Honig auch aus Sicht der Imkerei interessant. Die Bienen sind auf das angewiesen, was in ihrer Umgebung blüht und ausreichend Nahrung bietet.
Wie sich das Blütenangebot im Jahresverlauf verändert, zeigt sich auch bei der Bienentracht. Für ein Bienenvolk ist nicht nur eine einzelne Tracht entscheidend. Auch die zeitliche Abfolge verschiedener Blüten spielt eine wichtige Rolle.
Ungewöhnliche Namen genau anschauen
Bei Honigsorten wie Lavendel, Avocado oder Kaffee ist die ungewöhnliche Bezeichnung tatsächlich auf die Blüten zurückzuführen, an denen die Bienen gesammelt haben können.
Bei anderen Produkten muss man genauer hinsehen. Olivenblütenhonig und Honig mit Olivenbestandteilen sind nicht dasselbe. Auch bei Hibiskushonig sollte man die konkrete Produktbezeichnung prüfen, bevor man von einem klassischen Sortenhonig ausgeht.
Das macht ungewöhnliche Honige nicht weniger interessant. Im Gegenteil: Wer sich mit ihrer Herkunft beschäftigt, bekommt einen ganz anderen Blick auf die Verbindung zwischen Bienen, Pflanzen und Landschaft.
Fazit
Lavendelhonig, Avocadohonig und Kaffeeblütenhonig sind keine erfundenen Kuriositäten. Wo die entsprechenden Pflanzen in ausreichender Menge blühen, können Bienen daraus Honig erzeugen, der aufgrund seiner botanischen Herkunft als Sortenhonig eingeordnet werden kann.
Bei Bezeichnungen wie Olivenhonig oder Hibiskushonig lohnt sich dagegen eine genauere Betrachtung. Entscheidend ist, ob die Pflanze tatsächlich die botanische Herkunft des Honigs beschreibt oder ob sie auf andere Weise Bestandteil des Produkts ist.
Am Ende führt die Frage nach einer ungewöhnlichen Honigsorte immer zurück zu den Bienen und ihrer Umgebung: Welche Pflanzen blühen dort, und was finden die Bienen tatsächlich vor?

