Bienen im Oktober: Warum der Herbst über das Überleben im Winter entscheidet Bienen
Wenn die Tage im Oktober kürzer werden und der erste Nachtfrost droht, glauben viele, das Insektenjahr sei vorbei. Die emsigen Bienen scheinen von der Bildfläche verschwunden zu sein. Doch dieser Eindruck täuscht gewaltig. Während wir die Gartenmöbel verstauen, herrscht im Bienenstock Hochbetrieb, denn es ist die Zeit der letzten, lebenswichtigen Vorbereitungen.
In diesem Artikel räumen wir mit Mythen auf, korrigieren weitverbreitete Irrtümer über die Herbst-Bestäubung und zeigen dir, warum gerade der Oktober der wichtigste Monat für den Naturschutz im eigenen Garten ist.
1. Das Missverständnis der Herbst-Bestäubung
In vielen Texten liest man, Bienen würden im Oktober Äpfel, Birnen oder Kürbisse bestäuben. Das ist fachlich falsch. Diese Früchte sind im Oktober bereits reif oder längst geerntet. Die Bestäubung dafür fand im Frühjahr statt.
Warum sind Bienen im Oktober dann so wichtig?
Es geht jetzt nicht mehr um die Ernte für uns Menschen, sondern um die Biodiversität der Wildpflanzen und die Winterfestigkeit des Volkes. Pflanzen wie der Efeu, die Herbstaster oder die Goldrute blühen jetzt. Der Efeu ist dabei eine der wichtigsten Spättrachten überhaupt. Sein Nektar ist extrem hochwertig und liefert den Bienen die nötige Energie, um ihre Körpertemperatur im Winter konstant auf halten.
2. Die Entstehung der „Winterbienen“
Im Oktober passiert im Stock etwas Magisches: Die Königin stellt das Legen von Eiern fast ein, und die sogenannten Winterbienen schlüpfen.
- Sommerbienen leben nur etwa 4 bis 6 Wochen sie arbeiten sich buchstäblich zu Tode.
- Winterbienen hingegen müssen 6 bis 7 Monate überleben. Sie haben einen speziellen Fett-Eiweiß-Körper im Hinterleib, der als Energiespeicher dient.
Wenn im Oktober nicht genug Pollen (Eiweiß) von draußen hereinkommt, können diese Winterbienen nicht gesund heranwachsen. Ein Mangel im Oktober führt unweigerlich zum Sterben des Volkes im Februar. Hier schlägt die Brücke zum Naturschutz: Ein aufgeräumter, „toter“ Garten im Herbst ist für Bienen eine Wüste zur ungünstigsten Zeit.
3. Bienen als Klimaretter im Kleinen
Oft wird die Bestäubung nur mit Nahrungsmitteln verknüpft. Doch der ökologische Fußabdruck der Biene im Oktober reicht weiter. Durch die Bestäubung von Spätblühern sorgen Bienen dafür, dass diese Pflanzen Samen bilden können. Diese Samen sind im tiefen Winter eine überlebenswichtige Nahrungsquelle für Singvögel und kleine Nagetiere.
Zudem fördern die Bienen die Vermehrung von tiefwurzelnden Stauden und Sträuchern, die den Boden festigen und CO₂ binden. Der Schutz der Biene im Oktober ist also aktiver Klimaschutz vor deiner Haustür.
4. Naturschutz-Tipps für den goldenen Oktober
Du musst kein Imker sein, um einen Unterschied zu machen. Da ich selbst meine Pläne zur eigenen Bienenhaltung vorerst verschoben habe, konzentriere ich mich darauf, meinen Garten als Trittstein-Biotop zu gestalten.
Lass den Efeu blühen!
Efeu blüht erst, wenn er etwa 10 Jahre alt ist. Viele Gärtner schneiden ihn vorher radikal zurück. Tu das nicht! Wenn du eine blühende Efeu-Wand im Garten hast, bietest du im Oktober ein Buffet für tausende Insekten an. Es ist oft die letzte Chance für Bienen, ihren „Tank“ vor dem Winter zu füllen.
„Unordnung“ ist Leben
Statt den Garten im Oktober „winterfest“ (also kahl) zu machen, lass verblühte Stauden und hohle Stängel stehen.
- Wildbienen nutzen diese hohlen Halme oft zur Überwinterung.
- Laubhaufen bieten Schutz für Nützlinge, die im nächsten Jahr die Schädlinge in Schach halten.
Nisthilfen: Jetzt ist Wartungszeit
Oktober ist der perfekte Monat, um Insektenhotels zu kontrollieren. Achte darauf, dass sie trocken hängen. Wenn du noch keine hast, ist jetzt die Zeit, sie für das nächste Frühjahr zu planen oder bereits aufzuhängen, damit sie „auswittern“ können.
5. Unterstützung für regionale Imker
Da die Honigernte im Oktober längst vorbei ist, lagert der Honig nun in den Gläsern. Indem du lokalen Honig kaufst, unterstützt du die Menschen, die sich jetzt bei Wind und Wetter um die Gesundheit der Völker kümmern. Die Imkerei im Oktober ist geprägt von der Sorge um die Varroa-Milbe und die Futterkontrolle ist eine harte Arbeit, die oft im Hintergrund stattfindet.
Wenn du überlegst, über Nisthilfen hinaus eigene Honigbienen zu halten, solltest du vorher prüfen, ob das Hobby wirklich zu dir passt. Lies dazu meinen Beiträge Hobbyimker werden und Passt das Hobby Imkerei in meinen Alltag
6. Häufige Fragen zum Bienen-Oktober
- Sind Bienen im Oktober noch aktiv? Ja, an sonnigen Tagen über 10 Grad fliegen sie aus. Unter 10 Grad ziehen sie sich zur Wintertraube zusammen.
- Sollte man Bienen im Oktober füttern? Ein verantwortungsvoller Imker hat die Fütterung bereits im September abgeschlossen. Eine späte Fütterung im Oktober ist nur eine Notmaßnahme, da die Bienen das Wasser im Futter bei Kälte schlechter verdunsten können.
- Welche Blumen helfen jetzt wirklich? Herbstastern, Fetthenne (Sedum) und natürlich der blühende Efeu.
Fazit: Die Stille täuscht
Der Oktober ist nicht das Ende, sondern der strategische Anfang des neuen Bienenjahres. Ohne die Bestäubungsleistung und die Nektarsuche in diesen Wochen gäbe es im nächsten Frühjahr kein Summen in den Obstbäumen. Wir können alle beitragen, indem wir unsere Gärten weniger „sauber“ und dafür „lebendiger“ halten.
Planst du schon das nächste Bienenjahr? Schau dir an, was du bereits vorbereiten kann während es noch schneit, Imker-Planung im Januar, um deinen Garten optimal zu gestalten.

