Die Asiatische Hornisse in Deutschland (Vespa velutina) und warum wir jetzt gemeinsam handeln müssen

(Überarbeitete Fassung – Stand Februar 2026) Die Asiatische Hornisse in Deutschland ist endgültig angekommen, sie breitet sich rasant aus und ist nicht nur eine Gefahr für unsere Bienen. Wenn wir uns im Bienenjahr bewegen, liegt unser Fokus meist auf dem Schutz und der Fürsorge für unsere Honigbienen. Doch seit einigen Jahren sieht sich die heimische Natur mit einer Herausforderung konfrontiert, die Jahr für Jahr größere Ausmaße annimmt: Die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina). Was als punktuelles Problem begann, hat sich zu einer ernsthaften Bedrohung für unsere Ökologie, den Obstbau und die Imkerei entwickelt.

In diesem aktualisierten Leitfaden erfährst du, warum die Bekämpfungspflicht allein nicht mehr ausreicht, wie du die gefährlichen Primärnester im März erkennst und warum wir jetzt von einer reinen Bekämpfung zu einem aktiven Management der Schadbegrenzung übergehen müssen.

Die Asiatische Hornisse in Deutschland: Eine Bedrohung, die Jahr für Jahr wächst

Es ist kein Geheimnis mehr: Die Asiatische Hornisse ist gekommen, um zu bleiben. Die Ausbreitung lässt sich kaum noch verhindern, weshalb Experten mittlerweile dazu aufrufen, den Fokus auf die Schadbegrenzung zu legen. Das Problem betrifft nicht mehr nur Imker. Auch Besitzer von Streuobstwiesen, in Süddeutschland liebevoll „Stückle“ genannt, sowie Gartenpfleger, Weinbauern und Naturliebhaber sind zunehmend alarmiert.

Die Invasoren gefährden die ökologische Vielfalt, da sie nicht nur Honigbienen, sondern eine Vielzahl heimischer Insekten jagen. Für Obst- und Weinbauern drohen massive Ertragseinbußen, da die Hornissen reife Früchte schädigen und die Arbeit im Weinberg durch das Risiko von Stichen gefährlicher machen.

Primärnest vs. Sekundärnest: Den Zyklus verstehen

Um effektiv zu helfen, müssen wir den Lebenszyklus dieser Art kennen. Ab März erwachen die Jungköniginnen aus ihrem Winterschlaf und beginnen mit dem Bau des sogenannten Primärnestes.

Das Primärnest (März bis Juni)

Diese Nester sind zu Beginn kaum größer als ein Tischtennisball und wachsen bis zur Faustgröße heran. Sie bestehen aus einer papierartigen Masse und werden oft an geschützten, dunklen Orten errichtet. Suche oder achte jetzt im Frühjahr an/auf folgenden Stellen:

  • In Schuppen, Gartenhäuschen und Garagen.
  • Unter Dachvorsprüngen oder auf Balkonen.
  • Aber Achtung: Im Gegensatz zu vielen anderen Arten bauen sie auch bodennah in dichten Hecken, Büschen oder sogar in Erdlöchern.

Das Sekundärnest (ab Sommer)

Sobald das Volk wächst, ziehen die Hornissen oft um. Sie bauen ein Sekundärnest, das gigantische Ausmaße von bis zu einem Meter Durchmesser annehmen kann. Diese Nester hängen meist in schwindelerregender Höhe in Baumwipfeln. Hier liegt das große Problem: Durch die dichten Blätter im Sommer sind diese Nester vom Boden aus kaum zu erkennen. Erst im Spätherbst, wenn das Laub fällt, werden sie sichtbar aber oft ist es dann für eine Bekämpfung bereits zu spät, da die neuen Königinnen das Nest schon verlassen haben.

Verwechslungsgefahr: Die heimische Hornisse schützen

Bevor wir über Meldungen sprechen, ist ein Punkt von höchster Bedeutung: Unsere heimische Europäische Hornisse (Vespa crabro) ist eine streng geschützte Art! Sie ist friedlich, nützlich und darf unter keinen Umständen getötet oder gestört werden.

So unterscheidest du sie:

  • Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina): Etwas kleiner, schwarzer Grundkörper, gelbe Beinspitzen („gelbe Socken“), orangefarbenes Gesicht, Hinterleib fast ganz schwarz mit nur einem gelben Segment.
  • Die Europäische Hornisse (Vespa crabro): Größer, rötlich brauner Brustabschnitt, Beine durchgehend braun, Hinterleib typisch gelb schwarz gestreift (wie eine große Wespe).

Laien laufen oft Gefahr, die geschützte heimische Art mit der invasiven zu verwechseln. Deshalb gilt das eiserne Gebot: Niemals selbst Hand anlegen!

Warum du Nester niemals selbst entfernen darfst

Es gibt zwei Gründe, warum die Entfernung ausschließlich Profis überlassen werden muss. Erstens das Risiko: Die Asiatische Hornisse verteidigt ihr Nest im Vergleich zur heimischen Art deutlich aggressiver, wenn man ihr zu nahe kommt. Zweitens der Artenschutz: Die Gefahr ist zu groß, dass fälschlicherweise ein geschütztes Nest der Europäischen Hornisse vernichtet wird, was mit hohen Bußgeldern geahndet werden kann.

Es gibt mittlerweile speziell geschulte Imker und Fachkräfte, die mit Schutzausrüstung und Teleskopstangen ausgestattet sind, um die Nester sicher zu entfernen.

Was kannst du tun? Melden und Helfen!

Da die Behörden und Imker darauf angewiesen sind, die Nester so früh wie möglich zu finden, ist deine Aufmerksamkeit gefragt. Das Ziel meiner Seite ist es, genau für diese Zusammenhänge in der Natur zu sensibilisieren. Wir müssen die Augen offen halten, um das ökologische Gleichgewicht zu bewahren.

  1. Beobachte im März: Kontrolliere deine Schuppen, Dachüberstände und Hecken nach faustgroßen Papierkugeln.
  2. Foto machen: Wenn du eine Hornisse oder ein Nest siehst, versuche ein Foto zu machen (aus sicherer Distanz!).
  3. Meldung erstatten: Nutze die offiziellen Meldeportale deines Bundeslandes. In vielen Regionen gibt es mittlerweile spezialisierte Apps oder Online-Plattformen der Umweltämter.

Management statt Ausrottung: Eine neue Realität

Wir müssen einer Tatsache ins Auge blicken: Eine vollständige Ausrottung der Asiatischen Hornisse in Deutschland ist nach aktuellem Stand nicht mehr realistisch. Das Management der Art steht nun im Vordergrund. Das bedeutet:

  • Schutz der Imkerei: Unterstützung für Imker beim Schutz ihrer Stände (z.B. durch Harfen oder spezielle Fluglochgitter).
  • Gefahrenabwehr: Entfernung von Nestern in der Nähe von Kindergärten, Schulen oder öffentlichen Plätzen.
  • Aufklärung: Naturliebhaber und Gartenpfleger müssen wissen, wie sie sich bei einer Begegnung verhalten.

Fazit: Aufmerksamkeit ist der beste Naturschutz

Die Asiatische Hornisse fordert uns heraus, genauer hinzusehen. Sie erinnert uns daran, wie vernetzt unsere Umwelt ist. Ein Schaden bei den Bienen führt zu Ernteausfällen im Obstbau und gefährdet die Singvögel, denen die Insekten als Nahrung fehlen.

Indem du Funde meldest und deine Nachbarn informierst, leistest du einen unschätzbaren Beitrag zur Schadensbegrenzung. Lass uns gemeinsam dafür sorgen, dass unsere heimischen Arten trotz dieser neuen Herausforderung eine Chance haben.


Von Petra

„Ich bin Gartenfreundin und Honigliebhaberin, aber selbst keine Imkerin. Gemeinsam mit Imker Toni teile ich auf Hobby-Imker werden Erfahrungen, Tipps und Wissen rund um Bienen, Honig und das faszinierende Leben im Bienenstock. Dabei geht es auch um den Schutz der Natur und das Bewusstsein für die Bedeutung der Bienen.“