Tropilaelaps und der Kleine Beutenkäfer sind Schädlinge für Honigbienen, die in Deutschland besonders aufmerksam beobachtet werden. Beide sind hierzulande bislang nicht als etablierte Schädlinge für Honigbienen angekommen. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick auf die beiden kleinen Tiere. Denn was heute noch als mögliche Gefahr gilt, kann sich durch den internationalen Handel und den Transport von Bienen und Imkereimaterial über große Entfernungen verbreiten.
Wer sich mit Honigbienen beschäftigt, kennt vermutlich zuerst die Varroamilbe. Sie ist längst ein fester Bestandteil des Bienengesundheitsmanagements. Doch die Varroamilbe ist nicht der einzige Parasit, der einem Bienenvolk gefährlich werden kann. Mit Tropilaelaps und dem Kleinen Beutenkäfer stehen zwei weitere Schädlinge im Fokus der Bienenüberwachung.
Tropilaelaps: eine winzige Milbe mit großer Wirkung
Tropilaelaps-Milben sind mit ungefähr einem Millimeter Länge und etwa einem halben Millimeter Breite sehr klein. Sie sind damit sogar kleiner als Varroamilben. Ihr Körper ist länglich und rötlich-braun gefärbt.
Auf einer Wabe sind die Milben allerdings nicht unbedingt leicht zu entdecken. Ein Grund dafür ist ihre auffallend schnelle Fortbewegung. Während sich Varroamilben eher langsam bewegen, sind Tropilaelaps-Milben ausgesprochen flink.
Noch wichtiger ist jedoch ihre Lebensweise. Die Milben vermehren sich in der verdeckelten Bienenbrut. Dort können sie sich schnell vermehren und die Entwicklung der jungen Bienen beeinträchtigen. Ein starker Befall kann zu geschädigter oder absterbender Brut, geschwächten Bienen und schließlich zu einem Zusammenbruch des Bienenvolkes führen.
Das Friedrich-Loeffler-Institut beschreibt die Auswirkungen eines starken Befalls als vergleichbar mit denen eines starken Varroabefalls. Ohne geeignete Maßnahmen kann ein betroffenes Volk innerhalb eines Jahres zusammenbrechen.
Wo kommt Tropilaelaps vor?
Die ursprüngliche Verbreitung der Tropilaelaps-Milben liegt vor allem in Süd- und Zentralasien. Dort sind verschiedene Arten bekannt, die Honigbienen beziehungsweise deren Brut befallen können.
Inzwischen hat sich das Verbreitungsgebiet nach Westen ausgedehnt. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts wurden Vorkommen unter anderem in der Region Krasnodar in Russland und in Georgien festgestellt. Eine weitere Ausbreitung wird als möglich beziehungsweise wahrscheinlich angesehen.
Für Deutschland bedeutet das nicht, dass nun überall mit Tropilaelaps gerechnet werden muss. Vielmehr geht es um Früherkennung und Überwachung, damit ein möglicher Eintrag möglichst schnell erkannt werden kann.
Der Kleine Beutenkäfer ist tatsächlich winzig
Der zweite Schädling trägt einen Namen, der fast harmlos klingt: Kleiner Beutenkäfer. Sein wissenschaftlicher Name lautet Aethina tumida.
Der erwachsene Käfer wird nur etwa fünf Millimeter lang und drei Millimeter breit. Zum Vergleich: Eine Arbeiterbiene ist ungefähr zwölf bis fünfzehn Millimeter lang. Der Kleine Beutenkäfer ist also tatsächlich ein ziemlich kleiner Bewohner einer Bienenbeute.
Seine Färbung verändert sich mit dem Alter. Junge Käfer sind zunächst eher rötlich-braun und werden später dunkler. Auffällig sind die relativ kurzen Deckflügel. Sie bedecken nicht den gesamten Hinterleib, sodass dessen Ende sichtbar bleibt.
Für die Gesundheit eines Bienenvolkes sind jedoch vor allem die Larven des Kleinen Beutenkäfers problematisch.
Die Larven können großen Schaden anrichten
Die Larven können ungefähr einen Zentimeter lang werden und sind cremefarben. Auf den ersten Blick lassen sie sich unter Umständen mit Larven der Wachsmotte verwechseln.
Bei genauerem Hinsehen gibt es jedoch Unterschiede. Die Larven des Kleinen Beutenkäfers besitzen drei Beinpaare und charakteristische Fortsätze am Körper beziehungsweise am hinteren Körperende.
Die Larven fressen unter anderem Bienenbrut und Vorräte. Bei einem starken Befall kann das Wabenwerk erheblich geschädigt werden. Zusätzlich können die Aktivitäten der Larven dazu führen, dass Honig verdirbt und für die Bienen nicht mehr nutzbar ist.
Ein befallenes Volk kann dadurch erheblich geschwächt werden.
Auch beim Kleinen Beutenkäfer ist deshalb die frühe Erkennung besonders wichtig. Für die Überwachung gibt es unter anderem Fallen, mit denen erwachsene Käfer in den Beuten nachgewiesen werden können.
Wie kommen solche Schädlinge nach Europa?
Bienen sind längst Teil eines internationalen Transportsystems. Königinnen, Bienenvölker, Waben und anderes Imkereimaterial können über große Entfernungen bewegt werden.
Das ist praktisch, birgt aber auch ein Risiko: Krankheitserreger und Schädlinge können auf diese Weise in Regionen gelangen, in denen sie bisher nicht vorkamen.
Beim Kleinen Beutenkäfer ist dieses Risiko in Europa schon seit Jahren bekannt. Seit 2014 gibt es Vorkommen in Süditalien. Von dort aus wird die weitere Situation aufmerksam beobachtet.
Auch Tropilaelaps breitet sich nach Westen aus. Gerade deshalb ist es wichtig, mögliche neue Vorkommen früh zu erkennen.
Denn bei einem eingeschleppten Schädling ist der Unterschied zwischen einem einzelnen entdeckten Befall und einer bereits weit verbreiteten Population enorm.
Was bedeutet das für Deutschland?
Für Deutschland ist ein wichtiger Punkt besonders relevant: Sowohl der Befall mit Tropilaelaps-Milben als auch der Befall mit dem Kleinen Beutenkäfer ist anzeigepflichtig.
Das bedeutet, dass ein Verdacht nicht einfach ignoriert werden sollte. Bei einem auffälligen Befund sind die zuständigen Behörden einzuschalten. So kann untersucht werden, ob tatsächlich ein meldepflichtiger Schädling vorliegt und welche Maßnahmen erforderlich sind.
Das Friedrich-Loeffler-Institut ist für beide Schädlinge das zuständige Nationale Referenzlabor und stellt umfangreiche Informationen und Bildmaterial zur Verfügung.
Für Menschen, die sich mit Bienen beschäftigen, ist deshalb vor allem eines wichtig: auffällige Tiere oder ungewöhnliche Veränderungen nicht vorschnell selbst einordnen.
Eine unbekannte Milbe auf der Wabe muss nicht automatisch Tropilaelaps sein. Eine Larve muss nicht zwangsläufig zum Kleinen Beutenkäfer gehören. Eine sichere Bestimmung ist Aufgabe entsprechender Fachstellen.
Tropilaelaps oder Varroamilbe?
Gerade bei Milben liegt ein Vergleich mit der Varroamilbe natürlich nahe.
Tropilaelaps-Milben sind kleiner und länglicher als Varroamilben und bewegen sich deutlich schneller. Beide Parasiten nutzen jedoch die Bienenbrut zur Vermehrung und können ein Bienenvolk erheblich schwächen.
Der Unterschied ist deshalb nicht nur eine Frage des Aussehens. Auch die Lebensweise und die Möglichkeiten zur Bekämpfung unterscheiden sich.
Hier lohnt sich später der Blick auf unseren Beitrag zur Varroamilbe, denn dort lässt sich genauer erklären, wie sich die beiden Parasiten unterscheiden und weshalb die Varroamilbe für die Imkerei eine so große Rolle spielt.
Warum Früherkennung bei neuen Schädlingen so wichtig ist
Bei einem neuen Bienenschädling geht es nicht darum, Angst zu verbreiten. Im Gegenteil: Gute Beobachtung und schnelles Handeln können dazu beitragen, eine Ausbreitung zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen.
Das gilt besonders für Schädlinge, die in Deutschland noch nicht dauerhaft etabliert sind.
Tropilaelaps und der Kleine Beutenkäfer zeigen dabei sehr anschaulich, wie eng die Bienenhaltung heute international miteinander verbunden ist. Ein kleiner Käfer oder eine winzige Milbe kann große Entfernungen überwinden, wenn sie unbemerkt mittransportiert wird.
Deshalb gehören Beobachtung, Kontrolle und eine schnelle Meldung verdächtiger Funde zu den wichtigsten Möglichkeiten, neue Gefahren frühzeitig zu erkennen.
Zwei kleine Tiere, Schädlinge für Honigbienen, die man im Blick behalten sollte
Tropilaelaps und der Kleine Beutenkäfer sind derzeit vor allem ein Thema der Überwachung. Für Deutschland bedeutet das nicht, dass jedes Bienenvolk von diesen Schädlingen bedroht ist.
Trotzdem lohnt es sich, die beiden Namen zu kennen.
Die Tropilaelaps-Milbe zeigt, dass neben der bekannten Varroamilbe weitere parasitische Milben eine Rolle spielen können. Der Kleine Beutenkäfer wiederum erinnert daran, dass auch ein nur wenige Millimeter großes Tier ein Bienenvolk erheblich beeinträchtigen kann.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Bei der Gesundheit von Honigbienen lohnt sich der genaue Blick. Nicht jeder kleine Bewohner einer Wabe ist eine Gefahr. Aber wenn etwas ungewöhnlich aussieht oder sich ungewöhnlich verhält, sollte man genauer hinsehen und im Zweifel fachkundige Hilfe holen.
Gerade für noch nicht so bekannte Schädlinge für Honigbienen gilt je früher ein Problem erkannt wird, desto besser lässt sich darauf reagieren.

