Das Bienenjahr im Februar: Erste Lebenszeichen und die Zeit der Vorbereitung

Der Februar fühlt sich für viele Menschen oft noch wie eine ruhige, fast unsichtbare Zeit im Bienenjahr an. Draußen herrscht oft noch klirrende Kälte, eine Schneedecke mag die Landschaft bedecken und die Bienen sitzen nach wie vor eng zusammen in ihrer schützenden Wintertraube. Wer sich nicht intensiv mit den Insekten beschäftigt, für den scheint die Welt am Bienenstand stillzustehen. Doch dieser Eindruck täuscht gewaltig. Hinter den Kulissen der Holzkästen passiert gerade jetzt viel Entscheidendes, das den Grundstein für das gesamte kommende Jahr legt.

Für alle die neugierig und gut vorbereitet in das erste Frühjahr starten wollen, ist der Februar die perfekte Gelegenheit, um das Wissen zu vertiefen, Materialien zu prüfen und die strategische Planung abzuschließen. Es ist die Brücke zwischen der tiefen Winterruhe und dem ersten großen Erwachen.

1. Ruhe vor dem Sturm: Was im Inneren des Stocks geschieht

In der Wintertraube tauschen die Bienen nach wie vor Körperwärme aus, um die Königin und den inneren Kern des Volkes zu schützen. Doch schon im Februar, oft ausgelöst durch die ersten länger werdenden Tage und kurze milde Phasen, beginnt die Königin wieder damit, vereinzelt Eier zu legen. Das Volk bereitet sich darauf vor, die Winterbienen durch junge, vitale Frühlingsbienen zu ersetzen.

Für uns Beobachter bedeutet das vor allem: beobachten, aber niemals stören. Wer jetzt aus Neugier die Beute öffnet, begeht einen fatalen Fehler. Die mühsam erzeugte Wärme entweicht innerhalb von Sekunden und die Brut könnte dauerhaften Schaden nehmen oder absterben. Kleine Flugversuche bei mildem Wetter, die sogenannten Reinigungsflüge, sind hingegen ein wunderbares Zeichen. Dabei entleeren die Bienen ihre Kotblase, was nach den langen Wintermonaten überlebenswichtig für die Hygiene im Stock ist. Wenn die Bienen ihre Winterruhe langsam auflösen, ist das wie ein leises, summenartiges Erwachen der gesamten Natur.

2. Die Theorie als Fundament: Wissen vertiefen

Der Februar ist der ideale Monat, um die Theorie zu festigen. Wer Bienen verstehen will, muss ihre Biologie begreifen. Da die Arbeit am Volk im Moment ruht, kann man die Zeit nutzen, um sich intensiv mit den Abläufen der kommenden Monate zu beschäftigen. Besonders drei Themenbereiche stehen jetzt im Fokus:

  • Die Biologie der Honigbiene: Wie entwickelt sich die Brut im Frühling und welche Rolle spielen die Drohnen, die bald wieder im Volk auftauchen?
  • Gesundheitsmanagement: Die Varroa Milbe ist und bleibt die größte Herausforderung. Jetzt ist der Moment, um die Strategien für den Spätsommer bereits im Kopf durchzuspielen.
  • Der Jahreskreis: Welche Aufgaben fallen im März und April an? Wer den zeitlichen Ablauf kennt, wird nicht von der rasanten Entwicklung im Mai überrascht.

Es lohnt sich in dieser Phase, Notizen zu machen oder ein kleines Bienenjournal zu führen. Auch Bilder von Beobachtungen am Flugloch helfen dabei, die Entwicklung Schritt für Schritt zu verstehen. Dies ist übrigens auch eine wunderbare Beschäftigung für Familien mit Kindern, um den Respekt vor den kleinsten Wundern der Natur zu fördern.

3. Ausrüstung prüfen: Ordnung ist die halbe Imkerei

Eine gute Vorbereitung im Februar spart im hektischen Mai wertvolle Nerven und Zeit. Jetzt ist der Moment gekommen, die gesamte Ausrüstung einer gründlichen Inspektion zu unterziehen. Nichts ist ärgerlicher, als mitten in der Schwarmzeit festzustellen, dass ein wichtiges Werkzeug fehlt oder die Schutzkleidung beschädigt ist.

  • Beuten und Zargen: Müssen Kästen gereinigt oder neu gestrichen werden? Wer ökologische Farben nutzt, sollte dies jetzt tun, damit diese bis zum Einzug der Bienen vollständig ausdünsten können.
  • Schutzkleidung: Schleier und Anzüge sollten auf Risse oder Löcher geprüft werden. Eine Biene findet im Frühling jede noch so kleine Lücke in der Kleidung.
  • Werkzeuge: Der Smoker sollte gereinigt und der Stockmeißel geschärft werden. Auch die Honigschleuder und das Abfüllmaterial können jetzt schon einer Grundreinigung unterzogen werden, auch wenn die Ernte noch in weiter Ferne liegt.

Es ist erstaunlich wie viel Organisation hinter der Bienenhaltung steckt. Wer diese Arbeit jetzt gewissenhaft erledigt, kann sich im Frühjahr ganz auf die Beobachtung der Tiere konzentrieren. Auch die Urlaubsplanung sollte jetzt stehen, denn wer Bienen führt, muss im Mai und Juni vor Ort sein, um die Schwarmkontrolle zu gewährleisten.

4. Strategische Pläne für das erste Frühjahr

Der Februar ist perfekt geeignet, um den persönlichen Fahrplan für das Bienenjahr festzulegen. Wenn du planst in die Imkerei einzusteigen, solltest du dir jetzt folgende Fragen stellen:

  • Wann ist die erste Durchsicht geplant? Meist richtet sich dies nach der Blüte der Salweide.
  • Wie viele Völker sollen geführt werden? Für Einsteiger haben sich zwei bis drei Völker bewährt, um Vergleiche ziehen zu können.
  • Wer steht als Mentor zur Seite? Ein erfahrener Imkerpate ist in den ersten Jahren Gold wert. Der Februar ist die beste Zeit, um Kontakte in lokalen Vereinen zu knüpfen, da dort jetzt die Planungstreffen stattfinden.

Kleine Checklisten für die erste Durchsicht im März helfen dabei, den Kopf frei zu bekommen und die Aufregung in produktive Bahnen zu lenken.

5. Erste Anzeichen für Aktivität am Flugloch

Ab Ende Februar kann man bei sonnigen Tagen über zehn Grad oft die ersten echten Aktivitäten beobachten. Die Bienen bringen den ersten Pollen von Schneeglöckchen oder frühen Haselnusssträuchern ein. Dieser frische Pollen ist wie Kraftfutter für die neue Brut.

Als aufmerksame Beobachter merken wir: Die Natur beginnt ihr eigenes Timing. Wir können nicht bestimmen, wann es losgeht, sondern nur Schritt halten, indem wir aufmerksam bleiben. Es ist spannend zu sehen, wie schon diese winzigen Zeichen am Flugloch Aufschluss über das Wohlbefinden und die Stärke eines Volkes geben können.

6. Mentale Vorbereitung und die Tugend der Geduld

Bienen sind lebendige Wesen und keine starren Projekte. Im Februar wird besonders deutlich, dass wir Menschen eher Begleiter als Regisseure sind. Geduld ist die wichtigste Eigenschaft in dieser Phase. Wer zu früh eingreift, schadet mehr als er nützt.

Die Zeit der Ruhe sollte genutzt werden, um mentale Sicherheit aufzubauen. Wer theoretisch weiß, was zu tun ist, wird in der Praxis ruhiger agieren. Diese Gelassenheit überträgt sich direkt auf die Arbeit am Volk, denn Bienen spüren Unruhe oder Hektik des Menschen sofort.

Fazit: Vorbereitung statt Aktion

Der Februar ist kein Monat der großen Taten am Bienenstand, sondern der Monat der klugen Weichenstellung. Es geht darum Wissen zu erweitern, Materialien zu organisieren und die Sinne für die kommenden Veränderungen in der Natur zu schärfen. Wer diese Phase bewusst nutzt, startet informiert und ruhig in das neue Bienenjahr. Geduld und Respekt vor dem Rhythmus der Natur sind jetzt die wichtigsten Werkzeuge, noch bevor das große Summen im Frühling wieder einsetzt.

Falls du dich fragst, wie du deinen Garten schon jetzt auf die ersten Rückkehrer vorbereiten kannst, schau dir meine Tipps für einen insektenfreundlichen Außenbereich an.

Von Petra

„Ich bin Gartenfreundin und Honigliebhaberin, aber selbst keine Imkerin. Gemeinsam mit Imker Toni teile ich auf Hobby-Imker werden Erfahrungen, Tipps und Wissen rund um Bienen, Honig und das faszinierende Leben im Bienenstock. Dabei geht es auch um den Schutz der Natur und das Bewusstsein für die Bedeutung der Bienen.“

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