Libellen im Sommer: Sind sie eine Gefahr für Bienen?
Libellen gehören für mich zu den schönsten Erscheinungen eines Sommertages. Plötzlich taucht eine auf, schwebt über dem Teich oder zieht mit erstaunlicher Geschwindigkeit über den Garten und ist im nächsten Moment wieder verschwunden. Gerade wenn man Bienen hält oder sich für Insekten interessiert, kommt irgendwann die Frage auf: Können Libellen eigentlich Bienen fangen?
Ja, Libellen sind geschickte Räuber und können verschiedene Fluginsekten erbeuten. Für ein Bienenvolk stellen sie aber keine nennenswerte Gefahr dar. Bienen und Libellen nutzen unterschiedliche Lebensräume und haben im Garten ganz unterschiedliche Aufgaben.
Wer eine Libelle am Bienenstand entdeckt, muss sich deshalb keine Sorgen um seine Bienen machen. Viel spannender ist die Frage, was diese außergewöhnlichen Flugkünstler eigentlich den ganzen Sommer über machen.
Libellen verbringen ihre Jugend unter Wasser
Was wir im Sommer über Teichen, Bächen und Wiesen sehen, ist nur ein kleiner Teil des Lebens einer Libelle.
Den größten Teil ihrer Entwicklung verbringen Libellen als Larven im Wasser. Je nach Art kann diese Zeit mehrere Monate oder sogar mehrere Jahre dauern. Die Larven leben räuberisch und erbeuten unter anderem kleine Wasserinsekten und andere Kleintiere.
Erst wenn die Entwicklung abgeschlossen ist, klettert die Larve aus dem Wasser. Die Haut platzt auf und nach und nach schlüpft das erwachsene Tier. Die zunächst noch weichen Flügel härten aus und die Libelle beginnt ihr Leben als Flugjäger.
Genau dieser Wechsel macht ihren Lebenszyklus so besonders: Aus einem Wasserbewohner wird innerhalb kurzer Zeit ein hochspezialisierter Fluginsektenjäger.
Libellen sind echte Flugkünstler
Wer einer Libelle zusieht, versteht schnell, woher die Faszination kommt.
Sie können blitzschnell die Richtung wechseln, auf der Stelle stehen und sogar rückwärts fliegen. Ihre beiden Flügelpaare lassen sich weitgehend unabhängig voneinander bewegen. Dadurch können sie Flugmanöver durchführen, die für viele andere Insekten unmöglich wären.
In Deutschland kommen zahlreiche Libellenarten vor. Zu den bekannteren gehören beispielsweise die Große Königslibelle, die Blaugrüne Mosaikjungfer und verschiedene Heidelibellen.
Man muss allerdings kein Libellenexperte sein, um sie zu beobachten. Ein sonniger Platz am Gartenteich reicht oft schon aus.
Können Libellen Bienen fangen?
Hier wird es für Imker interessant.
Libellen sind Räuber und fangen andere fliegende Insekten. Zu ihrer Beute gehören vor allem Mücken, Fliegen und verschiedene kleinere Insekten. Auch eine kleine Biene kann theoretisch einmal zur Beute einer Libelle werden.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Libellen Bienenstöcke jagen oder eine Gefahr für Bienenvölker darstellen.
Honigbienen sind für Libellen keine bevorzugte Beute, und vor allem halten sich beide Tiere häufig in unterschiedlichen Bereichen auf. Die Bienen fliegen zu Blüten und zum Bienenstock, während Libellen bevorzugt an Gewässern und über feuchten Lebensräumen unterwegs sind.
Ein paar erbeutete Einzelinsekten sind deshalb etwas völlig anderes als ein Problem für das Bienenvolk.
Wer sich Sorgen um Bienenverluste durch einen großen Fluginsektenjäger macht, sollte eher andere mögliche Ursachen betrachten. Besonders wichtig ist beispielsweise die Asiatische Hornisse, die tatsächlich Honigbienen jagt.
Libellen stechen nicht
Eine weitere Sorge ist schnell ausgeräumt: Libellen können nicht stechen.
Sie besitzen keinen Stachel wie Honigbienen, Wespen oder Hornissen. Mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen können sie ihre Beute greifen und zerkleinern.
Einen Menschen greifen sie normalerweise nicht an. Wer eine Libelle in Ruhe lässt, hat von ihr nichts zu befürchten.
Auch deshalb lohnt es sich, die Tiere einfach zu beobachten, statt sie als bedrohliche Insekten wahrzunehmen.
Wo Libellen leben
Libellen sind eng an Wasser gebunden. Dort beginnt schließlich ihr Leben als Larve.
Teiche, Tümpel, Bäche und andere naturnahe Gewässer können deshalb wichtige Lebensräume sein. Dabei muss es nicht unbedingt ein großer See sein. Auch ein kleiner Gartenteich kann interessant werden, wenn er möglichst naturnah angelegt ist.
Wer einen solchen Lebensraum schafft, unterstützt allerdings nicht nur Libellen. Rund um Wasserstellen finden sich häufig Frösche, Molche, Wasserinsekten und zahlreiche weitere Tiere.
Auch für Bienen kann Wasser wichtig sein. Mehr dazu gibt es im Beitrag über Wasserstellen für Bienen.
Libellen brauchen naturnahe Lebensräume
Wie viele andere Insekten profitieren auch Libellen von möglichst vielfältigen Lebensräumen.
Verschwinden kleine Gewässer, werden Uferbereiche stark verändert oder trocknen Feuchtgebiete aus, gehen wichtige Lebensräume verloren. Naturnahe Gewässer mit unterschiedlichen Pflanzen und möglichst wenig Störung bieten dagegen gute Voraussetzungen für die Entwicklung der Tiere.
Damit passt die Libelle wunderbar zu einem Thema, das sich durch viele Beiträge hier zieht: Artenvielfalt entsteht nicht durch eine einzelne Pflanze oder ein einzelnes Insektenhotel, sondern durch unterschiedliche Lebensräume.
Ein Teich, eine wilde Gartenecke, heimische Pflanzen, Totholz und möglichst wenig aufgeräumte Bereiche können zusammen wesentlich mehr bewirken als eine perfekt gepflegte Rasenfläche.
Auch die insektenfreundliche Gartenarbeit gehört dazu.
Eine Libelle am Bienenstand ist kein Grund zur Sorge
Wenn im Sommer eine Libelle über dem Bienenstand kreist, muss der Imker deshalb nicht eingreifen.
Sie gehört vielmehr zu dem vielfältigen Leben, das rund um einen Bienenstand stattfinden kann. Die Libelle jagt andere Insekten, die Bienen sammeln Nektar und Pollen und irgendwo im Boden, im Wasser oder im Totholz leben noch zahlreiche weitere Arten.
Gerade darin liegt für mich der Reiz: Nicht jedes Insekt muss für die Bienen nützlich sein, um in einem gesunden Garten seinen Platz zu haben.
Natur funktioniert nicht nach dem Prinzip, dass jedes Tier einen direkten Nutzen für uns oder unsere Honigbienen haben muss.
Fazit: Libellen gehören zum Sommer
Libellen sind faszinierende Räuber und können durchaus kleinere Fluginsekten erbeuten. Für Honigbienenvölker sind sie jedoch keine relevante Gefahr.
Wer eine Libelle im Garten oder am Bienenstand entdeckt, kann sie deshalb einfach beobachten. Vielleicht führt der Weg sogar zum nächsten kleinen Gewässer, denn dort beginnt der Lebenszyklus dieser außergewöhnlichen Tiere.
Eine der schönsten Seiten eines naturnahen Gartens: Man weiß irgendwann nicht mehr nur, welche Blumen blühen und wo die Bienen fliegen. Man beginnt auch die anderen Bewohner wahrzunehmen, die dazugehören.
Eine Libelle, die an einem warmen Sommertag über dem Teich ihre Runden dreht, ist dann nicht mehr einfach ein schönes Insekt. Sie ist ein kleiner Teil eines ziemlich beeindruckenden Systems. 🐝🪻

