Bienentracht: Welche Pflanzen Bienen Nahrung bieten
Wenn im Frühjahr die ersten Weiden blühen und plötzlich wieder überall Bienen unterwegs sind, beginnt für ein Bienenvolk eine wichtige Zeit. Die Natur liefert jetzt nach und nach Nektar und Pollen.
Imker sprechen dabei von Bienentracht. Gemeint ist damit das Nahrungsangebot, das Bienen in ihrer Umgebung vorfinden. Welche Pflanzen dazu beitragen und wie reich dieses Angebot ausfällt, hängt von der Jahreszeit, der Landschaft und natürlich auch vom Wetter ab.
Für Honigbienen ist die Tracht die Grundlage für die Entwicklung des Volkes und die Anlage der Vorräte. Für Wildbienen entscheidet ein vielfältiges Blütenangebot ebenfalls darüber, ob sie genügend Nahrung finden.
Was bedeutet Bienentracht?
Bienentracht bezeichnet das Angebot an Nektar und Pollen, das Bienen in einem bestimmten Zeitraum und in einer bestimmten Umgebung nutzen können.
Dabei geht es nicht nur um einzelne Pflanzen. Für ein Bienenvolk ist entscheidend, was in der gesamten Umgebung blüht und wie sich das Angebot über das Jahr verändert.
Nektar liefert vor allem Kohlenhydrate und damit Energie. Pollen versorgt die Bienen unter anderem mit Eiweiß und weiteren wichtigen Nährstoffen und wird für die Aufzucht der Brut benötigt.
Eine gute Tracht bedeutet deshalb nicht einfach nur viele Blüten. Wichtig ist auch, was blüht und wann.
Was sind Trachtpflanzen?
Als Trachtpflanzen werden Pflanzen bezeichnet, die Bienen Nektar, Pollen oder beides in nutzbarer Menge anbieten.
Welche Pflanzen besonders interessant sind, verändert sich im Laufe des Jahres.
Frühling: Die ersten wichtigen Nahrungsquellen
Nach dem Winter sind blühende Pflanzen für die Bienen besonders wichtig. Weiden gehören zu den bedeutenden frühen Nahrungsquellen. Auch Obstbäume und Löwenzahn können zum Nahrungsangebot beitragen. Deshalb sind Streuobstwiesen so wichtig.
Raps kann in vielen Regionen eine ausgeprägte Frühtracht bilden. Auch Ahorn und andere Gehölze liefern je nach Art und Wetter Nahrung.
Gerade zu Beginn des Bienenjahres kommt es darauf an, dass nicht nur eine einzelne Pflanzenart blüht.
Frühsommer: Die Tracht wird vielfältiger
Im Mai und Juni nimmt das Angebot deutlich zu.
Robinie, Kastanie und später die Linde können für Honigbienen wichtige Trachtpflanzen sein. Auch Brombeeren, Weißdorn und zahlreiche Kräuter und Wiesenpflanzen werden von unterschiedlichen Insekten besucht.
Für Imker ist diese Zeit besonders interessant, weil starke Trachten den Bienenvölkern große Mengen an Nektar und Pollen bringen können.
Welche Tracht tatsächlich entsteht, hängt aber immer von den örtlichen Bedingungen ab.
Sommer und Herbst: Das Angebot wird wieder knapper
Im Hochsommer verändert sich die Situation. Viele Pflanzen haben bereits verblüht und auf Wiesen oder in Gärten kann das Nahrungsangebot deutlich zurückgehen.
Spätblühende Pflanzen können deshalb eine wichtige Ergänzung sein. Sonnenblumen, Phacelia und verschiedene Kräuter liefern je nach Standort Nahrung.
Im Herbst können beispielsweise Efeu und andere spätblühende Pflanzen noch einmal eine wichtige Tracht darstellen.
Für ein Bienenvolk ist diese Zeit nicht unwichtig: Es muss weiterhin ausreichend Nahrung finden und gleichzeitig seine Wintervorräte anlegen.
Nicht jede Blüte ist eine gute Bienentracht
Eine bunte Blüte allein sagt noch wenig darüber aus, wie wertvoll eine Pflanze für Bienen ist.
Manche Pflanzen produzieren viel Nektar, andere vor allem Pollen. Bei manchen ist die Menge stark von Wetter und Standort abhängig.
Auch die Blühdauer spielt eine Rolle.
Ein Garten, in dem im April sehr viel blüht und danach bis zum Spätsommer kaum noch etwas, bietet nicht automatisch ein gutes Trachtangebot.
Besser ist eine Abfolge verschiedener Blütezeiten.
Genau deshalb sind unterschiedliche Bäume, Sträucher, Kräuter und Stauden so interessant.
Was hat die Bienentracht mit Honig zu tun?
Für die Honigproduktion ist die Tracht natürlich besonders wichtig.
Sammeln die Bienen ausreichend Nektar, bringen sie ihn zurück in den Stock und verarbeiten ihn zu Honig. Bei bestimmten starken Trachten kann ein Honig entstehen, der geschmacklich und in seiner Zusammensetzung deutlich von anderen Honigen unterscheidbar ist.
So kennen wir beispielsweise Rapshonig, Robinienhonig oder Lindenhonig.
Ob tatsächlich ein sortenreiner Honig entsteht, hängt allerdings von vielen Faktoren ab. Bienen halten sich schließlich nicht an die Grenzen eines Rapsfeldes oder einer einzelnen Baumgruppe.
Auch Wetter, Entfernung und das übrige Blütenangebot spielen eine Rolle.
Eine Tracht kann von Jahr zu Jahr ganz unterschiedlich ausfallen
Für Imker ist die Tracht deshalb immer auch eine Frage des Wetters.
Blüht beispielsweise ein Obstbaum früh und kommt anschließend eine kalte Wetterperiode, können die Bienen die Blüten nur eingeschränkt nutzen. Regen, Frost, Trockenheit oder starke Hitze beeinflussen ebenfalls, wie viel Nektar und Pollen tatsächlich zur Verfügung stehen. Dann brauchen die Bienen auch Wasserstellen.
Auch der Zeitpunkt der Blüte kann sich von Jahr zu Jahr verschieben.
Deshalb lässt sich die Bienentracht nicht allein anhand eines Kalenders beurteilen.
Was in einer Region im April blüht, kann wenige Kilometer weiter oder in einem anderen Jahr ganz anders aussehen.
Warum eine vielfältige Tracht wichtig ist
Ein vielfältiges Blütenangebot kommt nicht nur Honigbienen zugute.
Auch Wildbienen und Hummeln sind auf geeignete Nahrung angewiesen. Manche Wildbienenarten sind dabei auf bestimmte Pflanzen oder Pflanzengruppen spezialisiert.
Wenn über längere Zeit unterschiedliche Pflanzen blühen, entstehen vielfältigere Nahrungsangebote.
Das lässt sich auch im eigenen Garten umsetzen.
Nicht die eine besonders „bienenfreundliche“ Pflanze ist entscheidend, sondern die Mischung aus verschiedenen Pflanzen und Blühzeiten.
Wer sich für die unterschiedlichen Ansprüche von Wildbienen interessiert, findet dazu mehr in unserem Beitrag Wildbienenarten in Deutschland.
Was kann ich selbst für ein besseres Trachtangebot tun?
Auch ein kleiner Garten oder Balkon kann zur Blütenvielfalt beitragen.
Hilfreich sind Pflanzen, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Bäume und Sträucher können dabei ebenso wichtig sein wie Kräuter und Stauden.
Wer Platz hat, kann außerdem einen Teil des Gartens weniger aufgeräumt lassen. Wilde Ecken und spät blühende Pflanzen verschwinden dann nicht sofort, nur weil sie nicht ins klassische Gartenbild passen.
Und manchmal lohnt sich auch der Blick auf das, was ohnehin schon wächst.
Löwenzahn, Klee oder andere Wildpflanzen werden schnell als Unkraut betrachtet, können für Insekten aber durchaus Nahrung bieten. Insektenfreundlicher Balkon
Bienentracht lässt sich beobachten
Wer einmal angefangen hat, darauf zu achten, wird die Jahreszeiten tatsächlich anders wahrnehmen.
Im Frühjahr blüht die Weide. Dann folgen Obstbäume und Löwenzahn. Später kommen Robinie und Kastanie, danach die Linden. Im Sommer verändert sich das Bild erneut.
Ein kleines Notizbuch kann dabei schon reichen.
Was blüht gerade? Welche Insekten besuchen die Pflanzen? Und was blüht in den nächsten Wochen?
So entsteht mit der Zeit ein persönlicher Blühkalender für die eigene Umgebung.
Für Imker ist diese Beobachtung ohnehin Teil des Bienenjahres. Aber auch wer keine Bienen hält, bekommt dadurch einen ganz anderen Blick auf die Natur.
Fazit: Bienentracht ist mehr als eine Honigfrage
Bienentracht beschreibt das Nahrungsangebot, das Bienen in ihrer Umgebung vorfinden. Nektar liefert Energie, Pollen wird unter anderem für die Aufzucht der Brut benötigt.
Welche Tracht entsteht, verändert sich mit den Jahreszeiten und hängt von Pflanzen, Standort und Wetter ab.
Für Honigbienen bildet die Tracht die Grundlage für die Entwicklung des Volkes und die Einlagerung von Vorräten. Für Wildbienen und andere Insekten ist ein möglichst vielfältiges Blütenangebot ebenfalls wichtig.
Wer im eigenen Garten unterschiedliche Blühzeiten berücksichtigt, kann deshalb mehr bewirken als mit einer einzigen besonders beliebten Bienenpflanze.
Und vielleicht beginnt die nächste Beobachtung schon morgen beim Spaziergang:
Was blüht gerade – und wer besucht diese Blüte?

